Allgäu, Umkreis Jörg Lederer, um 1520

Marientod
Holzrelief. H 54 cm; B 80 cm; T 22,5 cm
Lot 1194 / Schätzpreis € 28 000 – 32 000

Provenienz: Rheinische Privatsammlung.
Lindenholz geschnitzt, aus zwei Werkblöcken zusammengefügt, rückseitig abgeflacht. Reste der originalen Farbfassung, insgesamt übergangen. Die im Hochrelief geschnitzte Gruppe zeigt in der Mitte die Gottesmutter Maria auf ihrem Sterbebett, umgeben von den elf trauernden Aposteln, die Kerzen sowie ein Buch in ihren Händen halten. Eine flache Plinthe, die verkürzte Darstellung des Bettrahmens und die gestaffelte Gruppierung der Apostel seitlich, vor und hinter dem Bett verleihen dem Relief räumliche Tiefe, wobei die Apostel an den Seiten zudem von schräg gestellten Mauern hinterfangen werden. Das Gesicht der Maria ist von ruhigen und gleichmäßigen Zügen gekennzeichnet, dagegen sind die Köpfe der Apostel in ihren Physiognomien und Haartrachten überaus individuell gestaltet. Vergleichbare Gestaltungen lassen sich im Werk des Allgäuer Bildschnitzers Jörg Lederer (um 1470 - um 1548) finden, der seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts in Kaufbeuren eine blühende Werkstatt unterhielt. Das Relief mit dem "Marientod" lehnt sich in seiner Gestaltung vereinfachend an Werke Lederers an, so dass es wohl im Allgäu in dessen Umkreis entstanden ist.
Hände mit Kerzen und Knauf des Bettpfostens wohl ergänzt. Feine Risse in der Mitte der Plinthe sowie im Gewand des äußersten rechten Apostels. Auf der Rückseite sechs Metallklammern.
Literatur: Ausst.-Kat. "Antlitz des Mittelalters. Mittelalterliche Bildwerke aus rheinischem Privatbesitz." Bearb. v. Reinhard Karrenbrock u. Claudia Lichte, Rottweil/Aachen 1999 (Ausstellung 31.10.1999 - 6.1.2000 im Dominikanerforum Rottweil und 4.3. - 21.5.2000 im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen), S. 132-135, Kat. Nr. 40 mit Abb.

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