Adam Willarts

Die Seepredigt
Öl auf Holz. 44,3 x 51,5 cm.
Lot 1171 / Schätzpreis € 100 000 – 120 000

Provenienz: Klaus Edel, Köln; Rheinische Privatsammlung.
Adam Willarts wurde nicht, wie bis vor kurzem angenommen, in Antwerpen geboren, sondern als Sohn flämischer Flüchtlinge in London. Seinen Namen hat er selbst "Willarts" - d. h. ohne "e" - geschrieben, wodurch diese Schreibweise seit der Ausstellung "Herren der Meere - Meister der Kunst", Rotterdam und Berlin 1996/1997, verbindlich geworden ist. Adam Willarts gehört zu den Künstlern, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts maßgeblich die Schule von Utrecht geprägt haben. Neben Schifffahrtsszenen vor der Küste, Strandansichten, Schlachten und maritim-historischen Ereignissen, wie die Ein- und Ausschiffung von Friedrich V. von der Pfalz in Margate von 1613 (beide heute in Greenwich, National Maritime Museum), bilden maritim-biblische Historien eine eigenständige Werkgruppe in seinem Gesamtoeuvre, die in der holländischen Marinemalerei ohne Beispiel ist.
Das vorliegende Gemälde zeigt eine Predigt Christi vor einer fremdländischen Küste. In einem flachen Auftakt ist das Festland mit fünf Figuren als Repoussoir der Bildbreite vorgelagert. Die brandende See trennt diesen Vordergrund von einer Landzunge im Mittelgrund, wo eine große Ansammlung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, teilweise die Bibel lesend, zu Fuß und zu Pferd die Predigt des Herrn verfolgt. Dieser steht im Bug eines Bootes, das an der Spitze dieser Landzunge festgemacht hat. Sechs weitere Männer befinden sich mit auf dem Boot, von denen sich drei aufgrund der Kleidung der Besatzung, die übrigen dem Gefolge Christi zuordnen lassen. Zur linken Tiefe und zur rechten Breite dehnt sich das Meer aus, wo zwei Dreimaster in unterschiedliche Richtungen fahren, während sich gegenüber die felsige Küste mit einigen Bauten erstreckt.
Der Aufbau des Bildes erinnert an eine "Heilung am Strand von Genezareth" des Adam Willarts, die sich 1958 in der Sammlung Dr. W. A. Luz in Berlin befand (Holz, 66 x 92 cm, monogr.: AW f) sowie an die "Predigt Christi auf dem See Galilei" im Bowes Museum, Barnard Castle (Leinwand, 142 x 170 cm). Das vorliegende Gemälde dürfte um 1620 entstanden sein. Darauf weisen der hohe Horizont, die sich eher zur Höhe, denn zur Tiefe hin erstreckenden Bildgründe sowie der einheitlich grün-bräunliche Farbton des Meeres und der Felsen hin. Letztere deuten in ihrem Ton, ihrer Struktur und der transparenten Malweise auf den entsprechenden Themenkreis bei Jan Brueghel d. Ä., auf den die Bildidee zurückgeht und von dem der Flame Adam Willarts maßgebliche Impulse empfing.
Auf Willarts Kontakt zu dem seit 1618 in Utrecht tätigen Roeland Saverij, den Willarts einem Archiveintrag in Utrecht zufolge täglich besucht hat, verweist die Figur eines Soldaten im roten Umhang. Diese ist das fast wörtliche Zitat einer Zeichnungsstudie von ungarischen Soldaten des Adam Willarts (Historisches Museum Amsterdam), die einem Studienblatt mit entsprechenden Motiven von Roeland Saverij ähnelt (British Museum, Department of prints and drawings). Die hervorragend gemalte, zum Teil orientalisch gekleidete Gruppe von zwei Männern und einer Frau ganz links, hat vermutlich ungeachtet ihrer erzählerischen Darstellungsform keinen inhaltlichen Bezug zum Bildthema. Ähnlich wurden sie bereits von Jan Brueghel d. Ä. den maritim-biblischen Historien im Vordergrund einleitend vorangestellt (vgl. Seehafen-Predigt, München Pinakothek).
Wir danken Frau Dr. Gerlinde de Beer für Ihre Hilfe bei der Katalogisierung dieses Gemäldes.

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