Georg Henrik Breitner

Der Nieuwmarkt im winterlichen Amsterdam
Signiert unten links: GH Breitner
Öl auf Leinwand. 62,5 x 74,5 cm
Lot 1372 / Schätzpreis € 60 000 – 80 000

Provenienz: Kunsthandlung D. Sala, Den Haag 1917; Kunsthandlung Halbesma, Dorsten 1973; Westfälische Privatsammlung.
Der niederländische Maler George Henrik Breitner erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Haager Akademie von 1875 bis 1878. Es schlossen sich Reisen in mehrere niederländische Städte und 1882 die Begegnung mit Vincent van Gogh an. 1886 siedelte der Künstler von Den Haag nach Amsterdam über, wo er neben Isaac Israels zum Hauptvertreter des so genannten Amsterdamer Impressionismus wurde. Weitere Reisen führten ihn später nach Berlin, London und in die USA.
Den Schwerpunkt im Oeuvre von George Henrik Breitner bilden Stadtansichten und Straßenszenen, insbesondere von Den Haag und Amsterdam. Dabei rückt der Künstler nicht bekannte Sehenswürdigkeiten in den Mittelpunkt, sondern lenkt den Blick auf die Wiedergabe des städtischen Alltagslebens oder die Veränderungen des Stadtbildes. In seinen Bildern von Baustellen hält er Abbrucharbeiten oder Neubauten fest, die die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt dokumentieren. Thema seiner Bilder sind aber auch die Armenviertel der Stadt. Breitner hat seine Stadtveduten immer sorgfältig vorbereitet. Zahlreiche Einzelskizzen und Fotografien gehen der Motivwahl voraus; im Nachlass des Künstlers befinden sich rund 2000 Foto-Negative, die Breitner selber anfertigte.
Das Bild des Nieuwmarkt im winterlichen Amsterdam wird zunächst von dem dunklen Farbklang unterschiedlicher Grau- und Brauntöne bestimmt. Erst bei näherer Betrachtung werden einzelnen Motive deutlicher erkennbar: eine am rechten Bildrand in einen unbestimmten Hintergrund fluchtende Häuserzeile sowie der annähernd frontal wiedergegebene Häuserblock in der linken Bildhälfte, die den von mehreren Kutschen samt Pferden und Kutschern bevölkerten Nieuwmarkt bilden. Die vorderste Bildebene wird von der Wiedergabe eines Pferdes dominiert, das ungewöhnlich nahe an den Betrachter herangerückt wird, wobei die Beine des Tieres bereits vom unteren Bildrand überschnitten werden.
Die Malweise des Bildes wirkt mit breiten, energischen Pinselstrichen großzügig und spontan. Zu den Erdtönen, die das Kolorit des Gemäldes dominieren, kontrastieren einige wenige leuchtende Farbakzente in Grün, Gelb und Rot, die sich auf die Kutschen sowie die Bluse einer Frau am vorderen Bildrand beschränken.

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