Auktion 929 Alte Kunst

22. November 2008


Der Höhepunkt der Auktion ist ein Barend van Orley zugeschriebenes Tafelbild des 16. Jahrhunderts mit der Darstellung des Kalvarienbergs (1.000.000 / 1.300.000, siehe unten). Besonders stark vertreten sind die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts, etwa David Vinckboons, Jan van Goyen oder Jan Brueghel d. J. Von Jacob Philipp Hackert stammen zwei Italienansichten, eine vom Molina-Tal, eine weitere vom Hafen von Livorno (200/250.000 bzw. 90/100.000).

Die Spitzenlose bei den Künstlern des 19 Jahrhunderts bilden ein frühes Gemälde von Caspar David Friedrich (100/150.000), ein Hauptwerk des in Paris und Kronberg tätigen Adolf Schreyer (70/80.000) sowie ein mit 350/450.000 bewertetes Seebild Iwan Konstantinowitsch Aiwazowskys.

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Der Kalvarienberg der Kölner Stiftskirche St. Maria ad Gradus


Während der Bearbeitung des niederländischen Tafelbildes aus dem 16. Jahrhundert konnte unsere Altmeister-Expertin eine bedeutende Entdeckung machen: Der Barend van Orley zugeschriebene Kalvarienberg stellt die Mitteltafel eines Altars aus der Kölner Stiftskirche St. Maria ad Gradus dar. Die Flügel des Altares haben sich erhalten und befinden sich bis heute im Kölner Priesterseminar.

Die Tafel stammt aus der Sammlung des Kölner Bürgers Johann Baptist Ciolina-Zanoli (1759-1837), dessen Unternehmen eine erste Adresse in der Herstellung von Kölnisch Wasser war. Seine umfangreiche Sammlung bestand in erster Linie aus Werken, die während der Säkularisation der Klosterkirchen zum Verkauf gestanden hatten. Nach seinem Tode gelangte ein Teil seiner Sammlung - darunter auch das vorliegende Gemälde - in den Besitz seiner Tocher Johanna Maria Franziska Karoline, die 1848 Max Klemens Anton Maria Clavé von Bouhaben heiratete. 1854 wurde die Tafel in einer Ausstellung im Kölner Gürzenich gezeigt, wo sie erstmals als ein Werk des Barend van Orley bezeichnet wurde.

Die stilistischen Übereinstimmungen zwischen den Flügeln aus dem Kölner Priesterseminar und dem "Kalvarienberg" sind bemerkenswert. Flügel und Mitteltafel zeichnen sich durch ihre übereinstimmende Detailfreudigkeit und großen Schmuckreichtum aus, wie auch eine Ähnlichkeit in der Darstellung der Stiftergewänder und der individualisierten und doch vergleichbaren Charakterisierung der Figuren zu beobachten ist. Ebenso auffallend sind die formalen Entsprechungen. Denn oberhalb des Vordergrunds, der als Bühne des irdischen Geschehens zu verstehen ist, öffnet sich im Hintergrund der lichte himmlische Bereich in einem Bogen, der sich in einem einheitlichen Schwung über beide Flügel und die Mitteltafel zieht. In den oberen Bereich ragen zudem auf allen drei Tafeln gleichgestaltete Bäume hinein. Die hier ebenfalls zu sehenden Wappen - im Kölner Ausstellungskatalog des Jahres 1995 als Wappen der Hamburger Patrizierfamilie Miles de Ridder benannt - sind kompositorisch dagegen nicht eingebunden und wohl als Hinzufügungen eines späteren Zeitpunkts anzusehen. Die zwei Altarflügel wurden bisher als "Südniederländisch um 1520" eingeschätzt (Gisbert Knopp, Wilfried Hansmann: Kunstwerke im Kölner Priesterseminar, Köln 1983, S. 7). Der Stil unserer Tafel wiederum ist vergleichbar mit den Werken Barend van Orleys aus den zehner Jahren des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel mit dem Flügelaltar aus der Kirche du Sablon in Brüssel (Max J. Friedländer: Altniederländische Malerei. Bd. 8, Leiden 1924, S. 165, Nr. 82, Taf. LXI - LXVI).

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