
Die Renaissance und das 18. Jahrhundert stellen die Höhepunkte der Venezianischen Malerei dar, und aus diesen Epochen stammen auch drei der Spitzenlose der Auktion alter Kunst: Da ist zunächst die Heilige Barbara von Bartolomeo Vivarini (80 / 85 000) , die wohl einst Teil eines Polyptychons war, sowie das Modelletto Giambattista Tiepolos für das Deckenbild der Gesuati-Kirche (110 / 120 000, s. u.) und Giovanni Antonio Pellegrinis Tugendallegorie (30 / 35 000) - zwei hervorragende Beispiele des venezianischen Kolorismus des Settecento.
Gleichermaßen von künstlerischer wie historischer Bedeutung ist das Bildnis von Alice More, der zweiten Frau des englischen Staatsmannes und Gelehrten Thomas Morus aus der Nachfolge Hans Holbeins des Jüngeren, das von hoher Qualität ist und lange Zeit als eine eigenhändige Arbeit des Künstlers galt (120 / 140 000, s. l.).
Die Offerte für niederländische Kunst wird eingeleitet von einer vorzüglich gemalten Gesellschaft im Freien aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die Frans Pourbus d. Ä. zugeschrieben wird (100/120 000, s. o.). In der Malerei des 17. Jahrhunderts wetteifern Flandern und Holland um die künstlerische Vorherrschaft: Von Jacob Jordaens stammt die kraftvolle Kopfstudie eines Apostels (100 / 140 000, s. l.), Jan Brueghel d. Ä. ist u.a. mit einer feinmalerischen Darstellung von Schloss Mariemont (130 / 150 000) vertreten. Pieter Brueghel, David Teniers d. Ä., Frans Francken II. und Josse de Momper zählen zu den weiteren flämischen Künstlern, die in der Auktion vertreten sind.
Für die holländischen Künstler des 17. Jahrhunderts war es Ausdruck des Nationalstolzes, die Landschaft ihrer Heimat zu malen, die ihre Unabhängigkeit vom katholischen Süden errungen hatte. So zählte die Landschaft zu der am meisten verbreiteten Gattung der holländischen Malerei. Zahlreiche herausragende Künstler dieses Faches finden sich in der Auktion, u. a. Meindert Hobbema, Aert van der Neer, Claes Molenaer, Frans de Hulst, Salomon van Ruysdael, Pieter Potter, Hendrik de Meyer, Jan Coelenbier und Johannes Lingelbach.
Herausragendes Werk der Kunst des 19. Jahrhunderts ist die monumentale Darstellung des Moses von Friedrich Overbeck. Das Gemälde befand sich seit seiner Entstehung in den 1830/40er Jahren in Privatbesitz und war der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt (180 / 220 000). Weitere Höhepunkte des 19. Jahrhunderts sind ein Landschaftsgemälde Gustave Courbets, zwei heitere Italienansichten von Oswald Achenbach sowie Franz von Stucks Bildnis seiner Tochter Mary im Velazquez-Kostüm und Albert von Kellers mondäne Dame im Ballsaal.
Die Auktion am 21. November umfasst insgesamt rund 390 Lose, neben Gemälden alter und neuer Meister auch Skulpturen und Zeichnungen.
Am 7. Mai 1737 unterschrieb Tiepolo mit den Dominikanern des Klosters Sta. Maria del Rosario den Vertrag, mit dem er sich verpflichtete, die Decke der neuerrichteten Kirche "Gesuati" mit Fresken auszuschmücken. Am 7. Oktober 1739 erhielt er den Lohn für diese Arbeiten. Hauptwerk des Ensembles, zu dem neben weiteren Fresken auch Stuckarbeiten und Skulpturen gehören, ist Tiepolos Bild über dem Mittelschiff mit der Darstellung "Die Einsetzung des Rosenkranzes". Hierfür sind drei Entwürfe aus der Hand des Malers überliefert. Einer befand sich in den Staatlichen Museen zu Berlin und wurde im Krieg zerstört. Ein zweiter gehörte dem Sammler Leonardi in Mailand. Der dritte schließlich ist unser "Modeletto", das sich von den Dreien als die letzte Stufe vor der Ausführung des Deckenbildes erweist. Anhand der Entwürfe lässt sich der Entwicklungsprozess bis zum endgültigen Bild gut ablesen. War im Berliner Entwurf die palladianische Säulenarchitekter noch auf der rechten Seite hinter dem Heiligen Dominikus zu sehen, rückt er sie im Mailänder Bild nach links, wodurch die Hauptfigur allerdings an Gewicht verliert. Dies löst Tiepolo auf unserem Entwurf mit der Einführung einer Balustrade, die Dominikus wieder einen Halt gibt und ihn gleichzeitig abhebt von der Figurengruppe darunter. Im Deckenfresko selbst hat Tiepolo danach noch einige kleinere Veränderungen eingeführt, etwa bei der Madonna und den Engeln sowie bei der Kopfhaltung des Heiligen.
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