Pressevorbericht
Vom 29.04.2008
Alte Kunst
Auktion 920 am 17. Mai 2008


Hans Hoffmann (um 1545/1550 – 1591/1592)
Feldhase. 1582
Aquarell auf Papier, 21,6 x 18,3 cm
Schätzpreis: € 500.000 – 600.000,-

Der Höhepunkt der mit knapp 540 Lots bestückten Auktion kommt von Hans Hoffmann (um 1545/1550 Nürnberg - Prag 1591/1592). Sein 1582 nach Abrecht Dürers Aquarell von 1502 in der Wiener Albertina entstandener, aquarellierter und monogrammierter Feldhase (21,6 x 18,3 cm) ist mit einer Taxe von 500/600.000 versehen (Lot 1081).
Weitere Highlights kommen von Bartholomäus Bruyn d.Ä. (180/190.000), Joost de Momper (100/120.000), Adam Willarts (100/120.000) und Isaac van Ostade (160/180.000) Jan Brueghel d.J. ist zweimal vertreten (180/200.000 und 160/180.000). Highlight des 19. Jh. sind mit 100/130.000 eine dekorative Orientdarstellung von Theodor Horschelt sowie eine Vorstudie Michael Munkácsys zu seinem Monumentalwerk Christus vor Pilatus (50/70.000).
Aus der bedeutenden Sammlung Schuster/Lehmann mit etwa 298 Lots aus den Bereichen Kunstgewerbe, Alte Kunst sowie Moderne und Asiatische Kunst kommen 68 Gemälde und Zeichnungen vom 17. bis zum 19. Jh. Der Versteigerungserlös wird der Kinderkrebshilfe der Mildred-Scheel-Stiftung zufließen.
Der Nürnberger Maler Hans Hoffmann ist ein früher und zugleich der wichtigste Vertreter der sogenannten "Dürer-Renaissance" gegen Ende des 16. Jahrhunderts, die aus der Bewunderung für Dürers Kunst zu zahlreichen Kopien und Nachahmungen seiner Werke führte. Hoffmann stand in freundschaftlicher Beziehung zu dem berühmten Nürnberger Dürer-Sammler Willibald Imhoff und schuf zahlreiche Kopien nach den Zeichnungen Dürers aus Imhoffs Besitz, wie auch hier in der Zeichnung des Feldhasen nach der Dürer-Zeichnung aus dem Jahr 1502 (heute Albertina, Wien). Seit 1585 lebte Hans Hoffmann als Hofmaler Kaiser Rudolfs II. in Prag. Dort gelangte Hoffmanns Zeichnung des "Hasen" in die Sammlung des Kaisers, die später in die Kunstkammer des kaiserlichen Schlosses Ambras in Tirol überführt wurde. Heute in Privatbesitz, stellt die Zeichnung des Feldhasen von Hans Hoffmann eine kostbare Ergänzung zum Werk dieses berühmten Zeichners dar.
Alte Meister
Zwei weitere Höhepunkte kommen von Jan Brueghel d.J. Ein dekorativer Blumenkorb mit Tazza ist erst vor ein paar Jahren von Klaus Ertz als Werk des Künstlers entdeckt worden. Die Taxe liegt bei 180/200.000 und bei 160/180.000 für eine in der Literatur bisher unbekannte Baumlandschaft mit Ruhe auf der Flucht (Lots 1019/1020). Auch Joost de Mompers in seinen späteren Jahren entstandene Gebirgslandschaft mit Jägern vor Schloß Mariemont ist mit einem Ertz-Gutachten versehen (Lot 1109, 100/120.000). Von dem mit nur 28 Jahren verstorbenen Isaac van Ostade kommt mit Bauern vor dem Wirtshaus ein Meisterwerk in der perfekten Anwendung seines Kompositionsschemas: Verteilung der Gruppen und Einzelelemente bei lebendigster Gestaltung des Dargestellten (Lot 1126, 160/180.000). Maritim-biblische Historien bilden eine eigene Werkgruppe in Adam Willarts Œuvre. Die Bildidee der Seepredigt geht auf Jan Brueghel d.Ä. zurück (Lot 1171, 100/120.000). Ein weiteres Highlight ist eine auf Holz gemalte Madonna mit Kind, dem Hl. Benedikt und der Hl. Scholastika von Bartholomäus Bruyn d.Ä. Das 50 x 35,5 cm große Bild ist mit 180/190.000 bewertet (Lot 1018)
Eine Jan Both zugeschriebene bewaldete Gebirgslandschaft ist das vermutliche Gegenstück eines Bildes in der Berliner Gemäldegalerie (Lot 1009, 55/60.000). Dirck van Delen ist mit einem das Licht sehr fein inszenierenden Kircheninterieur für 45/50.000 vertreten (Lot 1026). Bereits von der Romantik geprägt ist Marguerite Gérards Darstellung einer intimen Mutter-Kind-Beziehung inmitten eines dichten Waldes (Lot 1066, 60/65.000). Jan van Goyen zeigt eine Flußlandschaft mit Kirche und Häusern (Lot 1069, 50.000). Von einem Südtiroler Meister kommt eine um 1520 gemalte Auferweckung des Lazarus für 40/45.000 (Lot 1153). Joseph Vernets dekorative Flußlandschaft mit Fischern befand sich einst im Besitz von Ernst II., Herzog v. Sachsen-Coburg-Gotha (Lot 1164, 40.000).
19. Jh.
Highlight des 19. Jh. ist mit 100/130.000 ein rastendes Beduinenpaar mit Araberpferden von Theodor Horschelt. Mit dieser Art von Orientdarstellungen war der Maler Mitte des 19. Jh. höchst erfolgreich (Lot 1429).
Bei 60/80.000 liegt George Henrik Breitners Ansicht des Nieumarktes in Amsterdam (Lot 1372) Abendlich ist die Stimmung bei Carl Gustav Carus Mittelgebirgslandschaft (Lot 1380, 50/60.000). Bei Oswald Achenbach wird die Bucht von Neapel vom Mondlicht erhellt (Lot 1354, 45/50.000). J.B.C. Corot zeigt eine kleine Dorflandschaft (Lot 1385, 60/80.000). Das Brustbild einer Römerin von Anselm Feuerbach - ein hervorragendes Zeugnis seiner Portraitkunst - ist mit 40/50.000 taxiert (Lot 1404). Mit Christus vor Pilatus kommt ein bedeutendes Gemälde Michael Munkáscys. Das Bild hatte in Ungarn großen Erfolg, da die Zeitgenossen des Malers Christus als Symbol des von Feinden geschändeten Ungarn erkannten (Lot 1472, 50/70.000).
François Antoine Bossuets Prozession in Sevilla ist die verkleinerte Kopie eines Hauptwerks des Künstlers (Lot 1371, 25.000). Andreas Schelfhout ist mit einer seiner Winterlandschaften für 30/40.000 vertreten (Lot 1496). Ein Ostertriptychon Hans Thomas stellt Vorstudien zu der berühmten Thoma-Kapelle in der Karlsruher Kunsthalle dar (Lot 45/50.000). Felix Ziems Blick in die Lagune von Venedig bei Sonnenaufgang wird das in den Ergänzungsband des Werkverzeichnisses aufnehmen (Lot 1542, 45/50.000). Alexander Koester ist mit einigen seiner typischen Enten präsent (Lot 1445, 34/38.000) und Wilhelm Kunert mit nicht weniger charakteristischen Löwen (Lot 1446, 20/25.000).
Skulpturen
Die bedeutende Offerte mit Skulpturen vom 14. bis zum 19. Jh. mit Schwerpunkt Holzskulptur der Spätgotik wird von wohl fränkischen Anna Selbdritt (um 1500, 20/22.000), zwei Südtiroler Altarflügel des 16. Jhs. (20/25.000), und einer um 1520 entstandenen bayrischen Maria aus einer Verkündigungsgruppe dominiert (25/30.000). Am höchsten aber ist eine aus dem Umkreis Jörg Lederers stammender vielfiguriger Marientod aus Lindenholz bewertet (Lot 1194, 28/32.000).
Zeichnungen
Neben zahlreichen Architekturzeichnungen werden Blätter von Cornelis Dusart (5/6.000), François Boucher (7/9.000), Daniele da Volterra (7/8.000) und Perino del Vagas (6/8.000) offeriert. Dominiert werden sie von einer in Feder und Pinsel fein ausgeführten Ansicht des Amphitheaters in Assisi von Jacob Philipp Hackert (Lot 1237, 15/16.000). Aus der Sammlung Schuster/Lehmann kommt ein beachtliches Konvolut deutscher Zeichnungen des 19. Jh. Überragt von einem männlichen Akt Runges für 12/14.000 werden weiterhin angeboten: eine Bleistiftarbeit Corots (6/10.000), eine Landschaft J.B. Jongkinds (6/8.000), zwei Arbeiten von Munkáscy (bis 5.000) und eine Meereslandschaft Lagorios (4,8/6.000).
Auktion
17. Mai um 10.30 Uhr, Lempertz, Köln
Vorbesichtigung
Köln 07. – 15. Mai 2008
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Edgar Abs, Tel. 0221/92 57 29-30