Pressenachbericht

Vom 01.02.2010

Präkolumbische Kunst
Auktion 952 am 30. Januar 2010


Bemalte Vase der Maya mit Thron-Szene
ca. 550–950 n. Chr.
H 18.5 cm
Taxe: EUR 28.000,-
Verkauft für: EUR 37.000,-

Glänzender Saisonstart

Am vergangenen Wochenende hat Lempertz in seiner Brüsseler Dependance eine geradezu enzyklopädische Sammlung Alter Kunst aus den Anden und Mittelamerika mit insgesamt 166 Losen versteigert. Die über einen Zeitraum von 45 Jahren zusammengetragene kleine, exquisite Sammlung bestand vorwiegend aus Keramik und Goldobjekten. Das internationale Publikum im vollbesetzten Saal war stark von Mexikanern, Süd- und Nordamerikanern geprägt. Einhellige Meinung war, dass es eine Auktion Präkolumbischer Kunst von solcher Qualität seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hätte. Nach Wert wurden 85% der Schätzpreise eingespielt. Die zahlreich bietenden Museen waren nahezu erfolglos. Im Vorfeld der Versteigerung hatte die peruanische Regierung mit 56 Kunstwerken über ein Drittel der Objekte als Patrimonium National deklariert – eine Erklärung, die sich allerdings eher preistreibend auswirkte.

Kunstwerke der alten Kulturen Mexikos wurden von den Bieter am meisten favorisiert. Highlight der Auktion wurde mit 37.000 Euro ein herausragendes zylindrisches Gefäß der Maya. Mit einem Zuschlag von 27.000 folgte eine stehende Figur der Xochipala-Periode. Je 18.500 spielten ein Würdenträger der Maya wie auch die Gruppe eines Mannes und einer Frau der Chavin de Maranon-Kultur ein.

Mittelamerika / Mexiko

Höhepunkt der Versteigerung wurde ein sehr bedeutendes, reich bemaltes zylindrisches Gefäß aus der spätklassischen Maya–Periode (ca. 550–950 n. Chr.), dessen komplexe Ikonographie Götter an einem mythischen Ort zeigte. Ein entschlossener deutscher Sammler setzte sich schließlich mit 37.000 gegen die internationale Konkurrenz durch (Lot 164, 28.000). Ein weiterer Höhepunkt war eine wegen Ihrer Größe von 28 cm, ihrer exzellenten Erhaltung wie auch ihrer Benno Mattel–Provenienz beeindruckende, stehende nackte Figur aus der mittleren vorklassischen Zeit der Xochipala-Kultur (ca. 1150–550 v. Chr.). Französischer Handel war erst mit dem Einsatz von 27.000 siegreich (Lot 162, 15.000). Für einen aus Stuck gearbeiteten Kopf eines Würdenträges der spätklassischen Maya-Kultur gewährte belgischer Handel 18.500 (Lot 165, 15.000).

Kulturen des alten Peru und der Anden

Eines der Spitzenstücke des alten Peru wurde mit 18.500 eine als Gefäß dienende, sehr seltene zweifigurige Gruppe eines Mannes und einer Frau der Chavin de Maranon-Kultur (ca. 1400–1000 v. Chr.). Das Paar mit Louis Slavitz-Provenienz wurde von französischem Handel übernommen (Lot 44, 15.000). Für ein seltenes Chorrera-Bildnisgefäß (ca. 800 v. Chr. – 200 n. Chr.) eines stilisierten Ameisenfressers, eines in Südamerika heimischen Tieres, bewilligte ein deutscher Sammler 10.500 (Lot 9, 7.000). Eine wegen ihrer Größe und der Ausdruckskraft der Modellierung ungewöhnliche weibliche Figur der Chorrera-Zeit spielte 8.600 ein (Lot 12, 7.000). Aus der Chavin-Periode (ca. 700–400 v. Chr.) stammte eine skurrile, aber realistische Darstellung eines Vicunas, eines der wichtigen Tiere der Anden, in Form eines Gefäßes. Ein niederländischer Sammler gewährte 13.500 (Lot 26, 15.000), die auch ein deutscher Sammler für ein geschnitztes Gefäß derselben Periode einsetzte (Lot 42).

Heftiges Begehren löste ein Holzcontainer der Chavin in Form einer stilisierten Katze auf einem Tablett aus. Mit einer Taxe von 700–900 versehen, konnte ein französischer Sammler den langandauernden Bietwettstreit schließlich bei 13.500 für sich entscheiden (Lot 45). Erst mit einem Einsatz von 16.000 ging ein durch seine starke Abstraktion beeindruckendes großes, elegantes goldenes Pektoral der Sinu–Zeit (ca. 500–1000 n. Chr.) in die Hände eines belgischen Sammlers (Lot 89, 8.000). Um eine große frühe Kupfer-Maske der Mochica-Kultur (ca. 300–100 v. Chr.) wurde bis 11.000 heftig gerungen (Lot 76, 3.500). Spitzenobjekt der aufwendig und reich gewebten Textilien – von den alten Andenbewohnern perfektioniert und hochgeschätzt sowie zeitweise sogar zur Bezahlung der Steuern verwendet – wurde mit 10.500 ein 219,2 x 144 cm großer, gefärbter Stoff der Nazca (ca. 300–600 n. Chr.).

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