Pressenachbericht

Vom 04.06.2010

Sammlung Vogel
Sensationeller Erfolg, Rekorde für Richter und Beuys


Joseph Beuys
Schlitten. 1969. Ex. 29/50, Edition Galerie René Block, Berlin
Holzschlitten, Filz, Gurte, Stablampe und Fett, gestempelt mit Ölfarbe (Braunkreuz),
ca. 35 x 91 x 35 cm
Taxe: EUR 40.000 – 60.000,-
Verkauft für: EUR 297.000,-

Mit sensationellem Erfolg hat Lempertz am 1. Juni 200 Papierarbeiten, Skulpturen Multiples, Graphiken und Photographien der exzeptionellen Sammlung Vogel versteigert. Das überragende nationale und internationale Interesse führte zu einem nahezu vollständigen Absatz der Offerte; nach Wert überstieg der Gesamtumsatz mit über 4 Millionen Euro die Schätzung fast um das Dreifache. Insbesondere die Spitzenlose übertrafen nach langen Bietgefechten ihre Taxen um ein Vielfaches. Höhepunkte wurden bedeutende Arbeiten von Joseph Beuys mit einem Rekord für ein Multiple (297.000), Sigmar Polke (bis 128.000), Andy Warhol (bis 148.000), Dieter Roth (bis 54.000) und Bernd und Hilla Becher (bis 92.000). Für Gerhard Richter gab es mit 243.000 einen internationalen Rekordpreis für eine Druckgraphik des Künstlers.

Ebenfalls am 1. Juni 2010 hat Venator & Hanstein knapp 600 druckgraphische Arbeiten aus der Sammlung Vogel versteigert; der Schwerpunkt lag auf dem umfassenden Angebot an zeitgenössischer und moderner Druckgraphik. Der Gesamtumsatz übertraf mit 822.000 die Schätzung um über 50%.

Carl Vogel (1923–2006) hat sein Leben lang mit großem Engagement und unstillbarer Leidenschaft Kunst gesammelt und damit – gemeinsam mit seiner Frau Carin – weltweit eine der umfangreichsten und wichtigsten Privatsammlungen zeitgenössischer Druckgraphik seit 1945 aufgebaut.

Joseph Beuys war mit Papierarbeiten und Multiples prominent vertreten. Seine mit Ölfarbe auf Papier gemalte Braunraum Maschinerie von 1962 war mit einer Taxe von 50/60.000 versehen. Großes Interesse führte zu einem hartnäckigen Bietwettkampf, den ein deutscher Sammler erst mit 202.000 für sich entscheiden konnte (Lot 1027). Bei 40/60.000 lag die Taxe für Beuys‘ 1969 entstandener berühmten Schlitten. Ein nicht enden wollendes Bietgefecht trieb dieses seltene Multiple bis auf 297.000, die ein weiterer deutscher Sammler einsetzte: Rekordpreis für ein Multiple des Künstlers (Lot 1036). Ein Exemplar des Filzanzugs stieg auf 59.000 (Lot 1038, 15/20.000). Auf 20.000 war die dem Frühwerk zuzurechnende Gouache Im Schlittenhaus aus dem Jahr 1959 taxiert; sie sprang auf 76.000 (Lot 1026).

Gerhard Richter war mit 21 Losen präsent. Acht Graphiken stammten aus der Zeit, als sich der Künstler verstärkt mit den Techniken des Drucks befaßte, darunter als Spitzenlos Hund von 1965. Zahlreiche unnachgiebige Bieter trieben das Elemente sowohl einer Druckgraphik als auch eines Gemäldes aufweisende Blatt aus einer Auflage von zehn bis auf 243.000, die deutscher Handel bewilligte; das ist ein internationaler Rekordpreis für eine Graphik des Künstlers (Lot 1154, 20/30.000). Heftig umkämpft war auch eine Papierarbeit mit Filzschreiber und Bleistift, bei der der Künstler aus 1260 Farben bestehende Farbfelder in 6 Anordnungen notierte: Sie wurde von 5.000 bis auf 57.000 emporgehoben (Lot 1169).

Sigmar Polke war mit 27 Papierarbeiten auf Ringbuch– oder Kanzleipapier (Lots 1101 bis 1127) und 16 Photographie–Arbeiten vertreten. Die Arbeiten entstanden zum größten Teil in den 1960er Jahren, dem Beginn von Polkes künstlerischer Laufbahn. Die gewohnt humorvollen Zeichnungen und Collagen sind mit radikal einfachen Mitteln wie Kugelschreiber, Filz- oder Bleistift teils auf dem typischen, kleinformatigen Ringbuchpapier, teils auf einfachem, billigen Alltagspapier angefertigt worden. Höhepunkt wurde eine repräsentative, großformatige titellose Gouache auf Karton mit dem typischen Raster–Muster aus dem Jahr 1988. Erst mit dem Einsatz von 128.000 konnte sich ein österreichischer Sammler gegen die starke Konkurrenz durchsetzen (Lot 1101, 35/45.000). In eine deutsche Sammlung ging eine weitere Mischtechnik für 57.000 (Lot 1102, 25/30.000).

Darüber hinaus wurden sechzehn z.T. überarbeitete Photographie–Arbeiten Polkes, darunter einige aus seiner Schlüsselserie "Paris" von 1971, aufgerufen. Bei den experimentellen Photographien arbeitete der Künstler mit alchemistischen Elementen und farbigen Übermalungen (Lots 1128–1143). Highlight wurden mit 103.000, die New Yorker Handel schließlich gewähren mußte, vier Gelatinesilberabzüge aus der Serie „Meißenkanne“ (Lot 1131, 18/20.000).

Weitere Höhepunkte der Photographien kamen von Bernd und Hilla Becher. Aufgerufen wurden insgesamt sechs Lose mit den klassischen Tableaus von jeweils vier Gelatinesilberabzügen, die Zechenfördertürme aus den 1960er und 1970er Jahren zeigten. Auf je 15.000 geschätzt, übertrafen auch sie mit 28.000, 51.000, 54.000, 59.000 und 65.000 deutlich ihre Taxen. Am begehrtesten waren vier ebenso fragile wie monumentale Fördertürme aus Stahl, die bis 92.000 umkämpft waren (Lots 1010).

Die Dieter Roth-Offerte bestand aus insgesamt 37 Losen, darunter mehrere Schokoladen– und Schimmelobjekte. Prominent war der mit Schokolade nahezu vollständig übergossene Große Gartenzwerg aus Kunststoff. Ein Schweizer Sammler konnte erst bei 54.000 den Sieg erringen (Lot 1059, 8/10.000). Die Literaturwurst von 1968/1970 lag als Exemplar 17/50 vor. Taxiert auf 5/6.000, gaben sich die Bieter erst bei 41.000 einem New Yorker Sammler geschlagen (Lot 1060).

Unter den elf Losen mit Arbeiten Andy Warhols ragte Marilyn Monroe (Marilyn), ein Siebdruck von 1967, heraus (Lot 1191). Großes Begehren trieb die Farbserigraphie in makellosem Zustand von 30.000 bis auf 148.000, die Londoner Handel einsetzte (Lot 1191). Die Offsetlithographie Flowers von 1964 sprang von 6/8.000 bis auf 31.000 (Lot 1194).

Bereits 2008 hat mit ausdrücklicher Zustimmung von Frau Carin Vogel eine erste Versteigerung aus den Beständen der Sammlung stattgefunden, die sie 2006 einer gemeinnützigen Stiftungsförderungs GmbH in Hamburg übertragen hatte. Zur Erfüllung der satzungsgemäßen Zwecke sind entsprechende Teilverkäufe notwendig.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Edgar Abs, Tel. 0221/92 57 29-30

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