Pressenachbericht
Vom 04.06.2010
Moderne Kunst
Auktionstage voller Erfolge


Alexej von JawlenskyKleine Variation "Das Fest". 1919
Öl auf Papier, 36,3 x 26,9 cm
Taxe: EUR 150.000 – 170.000,-
Verkauft für: EUR 223.000,-

Die Auktionswoche mit der phänomenal erfolgreichen Auktion der Sammlung Vogel und den Versteigerungen Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst und Photographie spielten bei überfülltem Saal und unter starker internationaler Beteiligung ein sehr beachtliches Ergebnis von insgesamt 11.7 Millionen Euro ein.
Höhepunkt der Moderne–Auktion wurde Jawlensky mit drei Arbeiten für 570.000, 161.000 und 223.000. Ein Aquarell Kandinskys erreichte 495.000. Felixmüller war mit einem Gemälde für 149.000 erfolgreich, Otto Dix mit 136.000. Bedeutende Zeichnungen von Macke und Marc kamen auf 124.000 und 132.000, während Aquarelle von Nolde und Schmidt-Rottluff je 155.000 einspielten. Erfolg auch für die insgesamt 30 Objekte umfassende Partie aus der Olbricht Collection mit 21 Bronzen von Mataré; die Offerte konnte nahezu vollständig abgesetzt werden (bis 57.000).
Alexej von Jawlenskys von Cézanne beeinflußtes und um 1900 entstandenes Stilleben mit leuchtend grünen Äpfeln vor dunklem Hintergrund gehörte mit 570.000 zu den Höhepunkten der Auktion (Lot 459, 400/600.000). Die 1918 datierte Variation: Schwarzer Baum mit Walter Dexel–Provenienz wurde bei 161.000 von einem deutschen Sammler übernommen (Lot 460, 140/160.000). Für die Kleine Variation „Das Fest“ von 1919 gewährte deutscher Handel 223.000 (Lot 461, 150/170.000). Von Wassily Kandinsky wurde mit dem vielfach in Museen ausgestellten Aquarell Schweres Fallen von 1924 ein weiteres Highlight der Auktion offeriert. Die spannungsvolle Komposition aus der Bauhauszeit ging für 495.000 in eine namhafte südamerikanische Sammlung (Lot 465, 300/400.000).
Die expressiven Kornpuppen, eine Leinwand von Conrad Felixmüller aus dem Jahr 1923, gehörten ebenfalls zu den Spitzenstücken der Auktion. Ein österreichischer Sammler war mit 149.000 erfolgreich (Lot 427, 130/150.000). Von Emil Nolde lagen drei Aquarelle vor. Höhepunkt wurde mit 155.000, die ein deutscher Sammler einsetzte, ein doppelseitiges Blatt mit abendlichem Meer und schwarzem Dampfer von 1946 (Lot 554, 120/130.000). Ein Blumenstillleben mit Alpenveilchen und asiatischer Figur wurde für 99.000 von einem weiteren deutschen Sammler übernommen (Lot 555, 80/100.000). Mit der in Öl und Tempera in Altmeister–Manier ausgeführten Bodenseelandschaft bei Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen von 1940 lieferte Otto Dix eines der bedeutenden Lose der Auktion. Ein deutscher Sammler gewährte 136.000 (Lot 417, 120/140.000).
Ende September 1913 reiste August Macke mit seiner Familie an den Thuner See und bezog dort das "Haus Rosengarten" in Hilterfingen, wo die wichtigsten und qualitätvollsten Bilder des Künstlers entstanden. Aus diesem Jahr stammte auch die bedeutende Tuschpinsel– und Federzeichnung Spaziergänger am See, bei der es sich um eine jetzt erst wiederentdeckte Vorarbeit zu dem Gemälde Leute am blauen See von 1913 handelte. Ein süddeutscher Sammler setzte sich mit 124.000 durch (Lot 482, 90/120.000). Von Franz Marc kam das mit Widmung versehene, bislang nicht publizierte und aus dem Nachlass Heinrich Campendonks stammende Aquarell Füchse. Die 14,3 x 9,4 große Arbeit war eine der raren monogram-mierten Postkarten im Œuvre des Künstlers. Deutscher Handel konnte sich erst bei 132.000 gegen die starke Konkurrenz durchsetzen (Lot 483, 40/50.000).
Karl Schmidt-Rottluff war mit einem hervorragenden Blatt von 1923–1925 präsent. Sein Aquarell Landschaft mit Karren wurde von einem deutschen Sammler mit 155.000 honoriert (Lot 585, 80/120.000), der auch in aquarelliertes Blumenstilleben des Künstlers aus dem Jahr 1923 von 38/40.000 bis auf 74.000 steigerte (Lot) und 50.000 für ein mit 30.000 bewertetes Landschaftsaquarell von 1965 einsetzte (Lots 584 und 588).
Von Erich Heckel wurde eine Passage mit elf Papierarbeiten offeriert, darunter eine der Inkunabeln der deutschen expressionistischen Graphik, der Farbholzschnitt Stehendes Kind (Fränzi stehend) von 1910, den ein europäischer Sammler für 99.000 übernahm (Lot 443, 70/80.000). Das bekannte, den Künstler selbst in einer stillen, nachdenklichen Pose zeigende Männerbildnis aus dem Jahr 1919 ging für 62.000 an einen israelischen Sammler (Lot 448, 50/70.000). Von Ernst Ludwig Kirchner wurden vier Papierarbeiten aufgerufen. Um 1914 entstand auf Fehmarn ein weiblicher Akt am Strand. Das Aquarell mit schwarzer Kreide konnte sich ein rheinischer Sammler für 94.000 sichern (Lot 466, 40/60.000). Christian Rohlfs’ frühe Leinwand von 1900 mit thüringischer Landschaft wechselte für 35.000 den Besitzer (Lot 574, 25/30.000).
Willi Baumeisters Leinwand Linienfigur, Abstrakt von 1931 ging für 80.000 in eine norddeutsche Sammlung (Lot 377, 70/80.000); seine Papierarbeit Menschen und Maschine von 1926 aus der ehemaligen Sammlung Hans M. Wingler konnte ein englischer Sammler erst mit dem Einsatz von 57.000 übernehmen (Lot 376, 25/35.000). 43.000 erreichte Edward Cucuels Gemälde Junge Frau auf einer Waldlichtung (Lot 406, 25/30.000). Paul Cézannes Tuschezeichnung Scène fantastique von 1865–1870 wurde von New Yorker Handel auf 42.000 gesteigert (Lot 391, 20/25.000). Zwei Gouachen Ljubow Sergejewna Popowas aus den Jahren 1916/1917 und 1921–1922 stiegen mit 33.000 und 24.000 deutlich über ihre Taxen (Lots 569/570, 15/18.000 und 8/12.000).
Die bemerkenswerte Offerte der insgesamt 30 Objekte umfassenden Olbricht Collection bestand aus 21 Bronzen von Ewald Mataré (Lots 494–523). Spitzenlos der nahezu vollständig abgesetzten Partie wurde mit 57.000 die 1923 auf Sylt entstandene, vielfach ausgestellte und als ein Schlüsselwerk des Künstlers geltende Stehende Kuh „Windkuh“ (Lot 494, 50/60.000). Auf 38.000 kam Weiblicher Torso von 1932 (Lot 497, 30/40.000) und auf 38.000 die Dreieck-Kuh III von 1942 (Lot 504, 30/35.000) die auch Tänzelndes Pferd (Chinesisches Pferd) von 1943 einspielte (Lot 507, 40.000).
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