Pressenachbericht

Vom 04.06.2010

Zeitgenössische Kunst
Piene als Shooting Star


Alighiero Boetti
Le infinite possibilità di esistere. 1981
4-teilige Arbeit. Kugelschreiber auf Papier, 100 x 280 cm
Taxe: EUR 100.000 – 150.000,-
Verkauft für: EUR 272.000,-

Spitzenlose der Auktion wurden Alighiero Boetti mit 272.000, Niki de Saint Phalle (223.000), Günther Uecker mit 180.000 und 161.000 und Joseph Beuys mit 94.000. Shooting Star der Auktion wurde eine charakteristische Leinwand des Feuermalers Otto Piene: sie schoss bis auf 129.000.

Alighiero Boetti war mit einer 100 x 280 cm großen repräsentativen Arbeit von 1981 vertreten. Le infinite possibilità di esistere gehört zu den Kugelschreiberarbeiten bzw. „Lavori Biro“, die neben den Stickarbeiten aus Afghanistan die wichtigste Werkgruppe in Boettis konzeptionellem Œuvre bildet. Ein italienischer Bieter konnte sich erst mit dem Einsatz von 272.000 durchsetzen (Lot 681, 100/150.000). Nach den großen Erfolgen der letzten Jahre mit Arbeiten von Niki de Saint Phalle, hat Lempertz erneut eine große Polyester–Skulptur der Künstlerin angeboten. Der farbkräftig-phantasievolle Ganesha von 1998 ging mit 223.000 an einen deutschen Sammler über (Lot 899, 200.000).

Günther Uecker war mit zwei seiner typischen Nagelbildern präsent. Weiße Spirale von 1986 bildete ein 90 x 90 cm großes Quadrat und war exemplarisch für die späteren, expressiveren und spontaneren Arbeiten des Künstlers. Ein Schweizer Sammler honorierte sie mit 161.000 (Lot 940, 120/150.000). Spirale von 1969 entstand ein Jahr, bevor Uecker Deutschland auf der Biennale in Venedig repräsentierte und ein Jahr vor einem Wendepunkt in seinem Werk. In diesem Werk waren die Nägel noch rhythmisch, gleichsam formelhaft auf den mit gleichmäßigen Farbauftrag versehenen Bildträger aufgebracht. Derselbe Schweizer Bieter setzte sich mit 180.000 durch (Lot 939, 100/120.000).

Außergewöhnlich großes Interesse weckte eine 68 x 95 cm große, in Öl und mit Feuerspuren und Ruß gearbeitete Leinwand von Otto Piene. Mehr als zwei Dutzend Bieter kämpften um den Zuschlag, den ein belgischer Händler erst bei 129.000 erringen konnte (Lot 858). Joseph Beuys war mit Pietà, einem Frühwerk vertreten. Sein etwa 31 x 24 cm großes, um 1952 entstandenes Eisenrelief mit schwarzer Patina wechselte bei 94.000 den Besitzer (Lot 661, 70/80.000).

Mit 40.000 ging eine titellose Acrylmalerei auf Karton Sigmar Polkes aus dem Jahr 1999, die zu den Alchemie-Arbeiten zählt, an einen deutschen Sammler (Lot 864, 30/40.000). Peter Brünings großformatige Komposition Nr. 1/66 (Überlagerung einer Küstenlandschaft) aus den Jahr 1966 wurde von einem Sammler bis auf 54.000 gesteigert (Lot 683, 25/30.000). Rupprecht Geiger war mit zwei Leinwänden von 1963 und 1968 erfolgreich. Die in Rot gehaltene Komposition 511/68 stieg von 20/30.000 bis 40.000 und das in Blautönen gearbeitete Bild 399/63 von 30/40.000 auf 56.000 (Lots 742/743 und 30/40.000). Aus den vier Arbeiten Heinz Macks ragte mit 37.000 ein Licht–Regen–Relief von 1958 heraus (Lot 815, 25/30.000). Eine unbetitelte Ölarbeit Gerhard Richters von 1992 wurde für 28.000 zugeschlagen (Lot 867, 25.000). Melas, eine kleine Mischtechnik auf Holz- und Kartonelementen von Emil Schumacher spielte 37.000 ein (Lot 918, 20/25.000). Auf 36.000 kam eine Mischtechnik Ben Nicholsons von 1964 (Lot 838, 25/30.000).

Respektable Resultate verzeichnete die aktuelle Zeitgenössische Kunst: Eine titellose 260 x 220 cm große Leinwand von Muntean / Rosenblum aus dem Jahr 2006 wurde bei 35.000 von einem Bieter übernommen (Lot 832, 20/30.000). Eine ebenfalls unbetitelte Leinwand von Zheng-Jie Feng aus der Chinese Portrait Series der Jahre 2003–2006 ging für 25.000 in neue Hände (Lot 725, 20.000). Ein Ölgemälde André Butzers von 2006 kletterte mit 28.000 deutlich über seine Taxe von 15.000 (Lot 686); eine Acryl–Arbeit Elke Krystufeks von 1998 kam auf 13.500 (Lot 796,10/15.000).

Highlights der zeitgenössischen Photographien wurde mit 32.000, die griechischer Handel gewährte, Hiroshi Sugimotos Mediterranean Sea, Crete von 1990, das zu den bekannten Seestücken des Künstlers gehört (Lot 907, 25.000). Axel Hütte zeigte in Bussaco, Portugal aus dem Jahr 1999 eine neblig–dampfende portugiesische Waldlandschaft; sie gefiel und ging für 22.000 in eine süddeutsche Sammlung (Lot 782, 12.000).

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