Pressevorbericht
Vom 18.05.2010
Moderne Kunst
Starke Klassiker


Alexej von JawlenskyVariation: Schwarzer Baum. 1918
Öl auf Papier, auf Karton, 36 x 27 cm
Prov.: ehemals Slg. Walter Dexel, Jena
Schätzpreis: € 140.000 – 160.000,-

Spitzenlos der Auktion ist mit 400/600.000 ein frühes Stilleben mit Äpfeln Alexej von Jawlenskys; zwei Variationen des Künstlers sind mit 150/170.000 und 160/180.000 bewertet. Ein charakteristisches Aquarell Wassili Kandinskys aus dem Jahr 1924 ist mit 300/4000.000 bewertet. Weitere Highlights sind eine späte Landschaft von Otto Dix (120/140.000), ein Akt von Léonard–Tsuguharu Foujita (80/120.000), eine expressionistische Leinwand von Conrad Felixmüller (130/150.000) und ein spätes Aquarell von Joan Miró (90/120.000). Aus bedeutenden expressionistischen Blättern von Erich Heckel (70/80.000), Ernst Ludwig Kirchner (40/60.000) und Franz Marc (40/50.000) ragen mit 90/120.000 eine Zeichnung August Mackes sowie ein Aquarell Karl Schmidt-Rottluff für 80/120.000 heraus. Besondere Beachtung verdient die Offerte aus der Olbrich Collection mit 30 Objekten von Ewald Mataré, darunter 17 Skulpturen mit Stehende Kuh „Windkuh“, einem Schlüsselwerk des Künstlers (Taxen bis 60.000).
Alexej von Jawlenskys von Cézanne beeinflußtes und um 1900 entstandenes Stilleben mit leuchtend grünen Äpfeln vor dunklem Hintergrund ist mit 400/600.000 einer der Höhepunkte der Auktion (Lot 459). Bei 140/160.000 liegt die 1918 datierende Variation: Schwarzer Baum von 1918 mit Walter Dexel-Provenienz (Lot 460). In derselben Technik ist eine mit 150/170.000 bewertete Variation „Das Fest“ von 1919 ausgeführt (Lot 461). Von Wassily Kandinsky wird mit dem vielfach in Museen ausgestellten Aquarell Schweres Fallen von 1924 ein weiteres Highlight der Auktion offeriert. Die spannungsvolle Komposition aus der Bauhauszeit wird für 300/400.000 angeboten (Lot 465).
Das bislang unbekannte und jetzt wiederentdeckte Gemälde Nu assoupi, Youki Léonard–Tsuguharu Foujitas aus dem Jahr 1926 ist ein weiteres Highlight der Auktion. Die weitgehend monochrome Leinwand des japanischen Künstlers, der 1913 nach Paris übersiedelte, ist von der Werkverzeichnisverfasserin Sylvie Buisson bestätigt worden und soll in einer von ihr kuratierten Foujita–Ausstellung von Juni bis September in Frankreich gezeigt werden (Lot 426, 80/120.000). Aus der Passage mit Papierarbeiten Joan Mirós ragt mit 90/120.000 eine bedeutende titellose, mit Gouache überarbeitete Monotypie von 1977/78 heraus. Monotypien hat der Künstler nur sehr selten verwendet – hier hat er sie mit der manuellen Überarbeitung gestisch akzentuiert (Lot 524).
Mit 130/150.000 gehören die expressiven Kornpuppen, eine Leinwand von Conrad Felixmüller aus dem Jahr 1923, ebenfalls zu den Spitzenstücken der Auktion. Die durch van Gogh zum Ausdruck eines delirischen Seelenzustands gewordenen Kornfelder finden in diesen Korngarben Felixmüllers ein spätes Pendant (Lot 427). Von Emil Nolde liegen drei Aquarelle vor, darunter ein beidseitig bemaltes, reizvolles Blatt mit abendlichem Meer und schwarzem Dampfer von 1946 für 120/130.000 (Lot 554).
Mit der in Öl und Tempera ausgeführten Bodenseelandschaft bei Stein am Rhein mit Burg Hohenklingen von 1940 liefert Otto Dix eines der bedeutenden Lose der Auktion. Seit 1934 malte der Künstler scheinbar naturalistische, detailgetreue Landschaften in Altmeister–Manier (Lot 417, 120/140.000). Ende September 1913 reiste August Macke mit seiner Familie an den Thuner See und bezieht das "Haus Rosengarten" in Hilterfingen. Dort entstehen die wichtigsten und qualitätvollsten Bilder des Künstlers. Aus diesem Jahr stammt auch die vorliegende bedeutende Tuschpinsel– und Federzeichnung Spaziergänger am See, bei der es sich um eine jetzt erst wiederentdeckte Vorarbeit zu dem Gemälde Leute am blauen See von 1913 handelt, das sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe befindet. Daß das Blatt als eines der ganz wenigen signiert ist, dürfte auf Mackes eigene Wertschätzung dieser Zeichnung verweisen (Lot 482, 90/120.000). Von Franz Marc kommt das mit Widmung versehene, bislang nicht publizierte und aus dem Nachlass Heinrich Campendonks stammende Aquarell Füchse. Die 14,3 x 9,4 große Arbeit ist eine der raren monogrammierten Postkarten im Œuvre des Künstlers (Lot 483, 40/50.000). Karl Schmidt-Rottluff ist mit einem hervorragenden Blatt von 1923-1925 präsent. Sein Aquarell Landschaft mit Karren ist mit 80/120.000 bewertet (Lot 585). Bei 38/40.000 liegt ein aquarelliertes Blumenstilleben des Künstlers aus dem Jahr 1923 (Lot 584); ein weiteres Landschaftsaquarell von 1965 bei 30.000 (Lot 588).
Von Erich Heckel wird eine Passage mit elf Papierarbeiten offeriert, darunter Stehendes Kind (Fränzi stehend) von 1910 für 70/80.000 (Lot 443) und das bekannte, den Künstler selbst in einer stillen, nachdenklichen Pose zeigende Männerbildnis aus dem Jahr 1919 für 50/70.000 (Lot 448). Vier Papierarbeiten von Ernst Ludwig Kirchner werden aufgerufen. Um 1914 entstand auf Fehmarn ein weiblicher Akt am Strand. Das Aquarell mit schwarzer Kreide wird nun für 40/60.000 angeboten (Lot 466). Die Vorderseite von Lot 469 vom Anfang der 1920er Jahre zeigt ein Paar auf einer Alm in Tusche und Kohle; der weibliche Akt im Badetub auf der Rückseite aus den Jahren 1911/12 ist in Bleistift gehalten. Das Blatt aus einer Schweizer Sammlung ist mit 35/40.000 bewertet.
Von Max Beckmann kommt die 1920 entstandene Original–Radierung Tauentzienpalast von 1920 mit einer Bewertung von 20/25.000 (Lot 384). Otto Mueller ist mit zwei Mädchenakten in den Dünen auf Sylt von 1920, einer von vier bekannten Original-Lithographie aus einer Auflage von etwa zehn, vertreten (Lot 544, 18/20.000). Aus der Christian Rohlfs–Partie ragt eine frühe Leinwand von 1900 mit thüringischer Landschaft heraus (Lot 574, 25/30.000).
Willi Baumeister ist mit fünf Werken vertreten, darunter als teuerstes Los die Leinwand Linienfigur, Abstrakt von 1931 für 70/80.000 (Lot 377) und die Papierarbeit Menschen und Maschine von 1926 aus der ehemaligen Sammlung Hans M. Wingler (Lot 376, 25/35.000). Selten gibt es die Gelegenheit, eine Arbeit von Oskar Schlemmer zu erwerben; die hier vorliegende aquarellierte Zeichnung von 1939 liegt bei 10/12.000 (Lot 582). Aus der Renée Sintenis–Offerte sticht der dynamische, 43,7 cm große Polospieler II von 1919 mit 20/30.000 heraus (Lot 596). Lesser Ury kommt mit seinem stimmungsvollen Pastell Seenlandschaft von 1897 auf 40.000 (Lot 600). Die mit Vehemenz aquarellierten Apokalyptischen Reiten von Lovis Corinth aus dem Jahr 1924 sind mit einer Taxe von 20/25.000 versehen (Lot 402, Nachlaß Anna Maria Wingler).
Auf 50/60.000 kommt Les yeux et la bouche de Marilyn eine um 1960 entstandene in Mischtechnik ausgeführte Papierarbeit von Salvador Dali (Lot 407). Aus der Marc Chagall-Partie ragt mit 22/28.000 die um 1975 entstandene Tuschfederzeichnung Nu à l’échelle heraus, (Lot 393, 22/28.000); eine Gouache mit Geiger von 1930/1931 liegt bei 20/25.000 (Lot 392). Bei Paul Cézannes findet sich auf seiner Tuschezeichnung Scène fantastique von 1865–1870 eine mit Bleistift gezeichnete Promenade (Lot 391, 20/25.000). Aus den Jahren 1916/1917 und 1921–1922 kommen zwei Gouachen Ljubow Sergejewna Popowas (Lots 569/570).
Die bemerkenswerte Offerte der insgesamt 30 Objekte umfassenden Olbricht Collection besteht aus 21 Bronzen von Ewald Mataré (Lots 494–523). Spitzenlos ist die 1923 auf Sylt entstandene, vielfach ausgestellte und als ein Schlüsselwerk des Künstlers geltende Stehende Kuh „Windkuh“ (Lot 494, 50/60.000). Bei 30/40.000 liegt Weiblicher Torso von 1932 (Lot 497), bei 30/35.000 die Dreieck-Kuh III von 1942 (Lot 504). Tänzelndes Pferd (Chinesisches Pferd) von 1943 wird für 40.000 aufgerufen (Lot 507).
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Edgar Abs, Tel. 0221/92 57 29-30