Pressenachbericht

Vom 08.12.2009

Moderne Kunst
Auktion 950 am 5. Dezember 2009


Alexej von Jawlensky
Blumenstilleben. 1910
Öl auf Malkarton, 62 x 50,6 cm
Taxe: € 200.000 – 250.000,-
Verkauft für: € 785.000,-

BLUMENGLANZ

Die Auktion Moderne Kunst am 5. Dezember offerierte eine hochrangige Auswahl von Werken des deutschen und französischen Impressionismus sowie Gemälde des Fauvismus und des deutschen Expressionismus. Highlight des 300 Lose umfassenden Angebots wurde mit 785.000 ein Blumenstilleben Alexej von Jawlenskys - die Taxe lautete 200/250.000. Einer seiner Mystischen Köpfe erreichte 257.000 und ein kleines Blumenstilleben 98.000. Weitere Höhepunkte waren mit 368.000 und 405.000 zwei Gemälde von Max Liebermann, ein Aquarell Emil Noldes mit Blüten 135.000, ein expressionistisches Bild von Cornrad Felixmüller kam auf 245.000, ein Gipsrelief Oskar Schlemmers auf 129.000 und ein Blumenstilleben Edouard Vuillards auf 141.000. Bemerkenswert war die große internationale Beteiligung. Insgesamt wurde mit einem Gesamtergebnis von 10 Mio. eine Steigerung von 34% gegenüber dem Frühjahr dieses Jahres erreicht.

Alexej von Jawlenskys marktfrisches, aus Privatbesitz stammendes Blumenstilleben aus dem Jahr 1910 entstand in einem künstlerisch sehr bedeutenden Jahr und vereinigte alle neuen Errungenschaften des frühen expressionistischen Werks. Das leuchtkräftige Gemälde elektrisierte zahlreiche nationale und internationale Bieter, die lange um das Bild kämpften. Erst bei 785.000, die deutscher Handel einsetzte, sie sich geschlagen. (Lot 927, 200/250.000). Von dem Künstler kam auch ein 1917 gemalter Mystischer Kopf, den ein deutscher Sammler bei 257.000 übernahm (Lot 928, 200/220.000). Sehr begehrt war ein spätes Blumenstück von 1937, das von 40/50.000 bis auf 98.000 gesteigert wurde (Lot 930, 40/50.000). Von Marianne von Werefkin wurden auf dem Markt sehr gesuchte und rare Papierarbeiten offeriert. Die Künstlerin war mit der um 1908 entstandenen Gouache L’Ouvreuse, eine Theaterszenerie mit Loge erfolgreich; sie spielten den Spitzenpreis von 69.000 für Papierarbeiten ein (30/35.000). Zwei Frauen kamen auf 42.000 (Lots 1098, 15/20.000).

Max Liebermann war mit bedeutenden Gemälde vertreten. Für den 1899 entstandenen, musealen Kirchgang in Laren, der nach Erich Hancke, der die erste zeitgenössische Monographie zu Liebermann schrieb, ein Schlüsselwerk in der Auseinandersetzung mit dem Impressionismus darstellte, gewährte ein deutscher Sammler 368.000 (Lot 956, 300/400.000). Um 1920 entstand die Große Seestraße in Wannsee mit Spaziergängern, eines der frühesten aus der Reihe der überlieferten Seestraßenbilder. Deutscher Handel engagierte sich mit 405.000 (Lot 958, 300/340.000).

Klotzsche. Spät-Sommer-Abend aus dem Jahr 1918 markiert den Beginn des Erfolgs für Conrad Felixmüller. Das von Herwarth Walden noch in seinem Entstehungsjahr ausgestellte Gemälde ist in expressionistischen Farben gehalten und in seiner Komposition kubistisch ausgeführt. Der Einfluß des Kubismus ist noch deutlicher in dem zwei Jahre früher gearbeiteten Portrait von Arthur Rudolph auf der Rückseite zu spüren. Das Bild kam aus der besten Zeit des Künstlers, aus der nur wenige Arbeiten erhalten sind. Um den Sieg davonzutragen, mußte ein deutscher Sammler 245.000 einsetzen (Lot 880, 150/170.000).

Im Jahr des Bauhaus-Jubläums konnte Lempertz von Oskar Schlemmer das Relief Bauplastik R von 1919 aus Privatbesitz anbieten. Es handelte sich um einen der wenigen von Otto Baum nach dem Krieg hergestellten Gipsabgüsse; 1964 wurde er von Tut Schlemmer dem Vorbesitzer geschenkt. Hier obsiegte ein deutscher Sammler mit 129.000 (Lot 1070, 100/150 000).

Ein um 1906 entstandenes prachtvolles, farbensprühendes Blumenstück von Edouard Vuillard vertrat neben Vlaminck den französischen Fauvismus. Hier konnte sich österreichischer Handel mit 141.000 gegen die deutsche und internationale Konkurrent durchsetzen (Lot 1096, 100/120.000). Maurice de Vlaminck war mit zwei Gemälden vertreten. Bouquet de fleurs au vase blanc kam auf 56.000 (Lot 1095, 40/50.000) und seine Dorflandschaft Village erreichte 55.000 (Lot 1094, 30/40.000). Andrè Massons Leinwand Les Suppliciés ging für 49.000 in eine russische Sammlung (Lot 969, 40.000).

Gesucht waren wie immer Aquarelle und Graphik von Emil Nolde. Mit einem Sprung von 60/70.000 bis auf 135.000 waren Rote Blüten von 1925/1930 am erfolgreichsten (Lot 1008). Die 1913 entstandenen Dschunken von großem graphischen Reiz, den ein deutscher Sammler mit 47.000 honorierte (30/40.000). Über Bleistift hat Otto Dix 1922 eine Lesende aquarelliert; es handelt sich um eines der seltenen intimen Portraits seiner späteren Frau, das lange als verschollen galt. Nun ging es für 59.000 in eine Privatsammlung (Lot 866). Heinrich Nauens Steinbruch bei Visé aus der Sammlung Geller konnte erst bei 51.000 übernommen werden (Lot 995, 18/22.000). Einen Sprung von 20/30.000 auf 54.000 erfuhr auch Lyonel Feiningers Tuschfederzeichnung Taubach von 1927 (Lot 876). Bei 49.000 lag ein Blumenstilleben Karl Hofers von 1948 (Lot 921, 35/40.000), die auch ein Worpsweder Bild von Paula Modersohn-Becker einspielte (Lot 986, 40/45.000). Bis 40.000 kam Lovis Corinths aquarellierter Regentag am Walchensee (Lot 848, 25/30.000).

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