Pressevorbericht
Vom 25.05.2010
Design
Ikonen von Bauhaus und Memphis


Ettore SottsassRegal "Liana". 1984
Ausführung Meccani 1988
Wenge- und Nussfurniuer, Plexiglas, H 213, B 220, T 59,5 cm
Schätzpreis: EUR 12.000 – 15.000,-

Auch die dritte Auktion Design bei Lempertz Berlin am 5. Juni bietet ein breit gefächertes Repertoire gut gestalteter und nützlicher Alltagsgegenstände, von Kaffeemaschinen über zahlreiche ausgefallene Lampen bis zu bemerkenswerten Möbeln, von denen die jüngsten, zwei Tische von Anne des Brugassières, im März 2009 entstanden sind (Lots 166 + 169, 2/2.500 und 3/4.000). Prominent sind Ikonen des Bauhaus und von Memphis vertreten (bis 15.000). Einer der Höhepunkte der Auktion ist mit 20/22.000 Claudio Salocchis skulpturale, 1960 ausgeführte libreria da centro (Lot 83).
Bei den frühen Entwürfen fällt der wunderbar schwungvolle Umriss des bekannten Messing–Tafelaufsatzes von Joseph Hoffmann ins Auge, der – perfekt gepunzt –zum Schätzpreis von 8/9.000 angeboten wird (Lot 1). Eine Trouvaille für Bauhaussammler sind die originalen, von Walter Gropius unterzeichneten und ab 1911 datierten Architekturpausen der Erweiterungs-bauten der Fagus–Werke in Alfeld, dem ersten Gebäude im wegweisenden und später so bezeichneten „Bauhausstil“. Die Gebäude stehen seit 1946 unter Denkmalschutz und sollen 2011 für die UNESCO–Liste des Kultur– und Naturerbes der Welt vorgeschlagen werden (Lot 3, 2/2.500). Sicher beeinflusst vom frühen Bauhaus und den radikal modernen Entwürfen steht ein Möbel von Bruno Paul, eine Anrichte, die in ihrer Eleganz an französischem Art Déco gemessen werden kann (Lot 9, 4/5.000). Eine zehn Jahre später entstandene, weitere Anrichte des Architekten uns Designers liegt bei ebenfalls 4/5.000 (Lot 14).
Auch bei den Bauhausmöbeln wird ein schönes Ensemble aus drei Teilen (zwei Mies van der Rohe–MR 10 Freischwinger und ein B 10–Tisch) offeriert, das aus dem Besitz des Bauhausmeisters Peter Keler stammt, der 1922 die legendäre Wiege nach Wassily Kandinsky konstruiert hat (Lots 42–44, 2.5/3.000, der Hocker für 1.600). Zwei frühe Barcelona–Sessel mit der typischen frühen Ecküberblattung von Knoll sind mit je 4/5.000 bewertet – dazu passend und dazugehörend gibt es auch die mit je 1.500 bewerteten Hocker; zusammen sind sie ein immer seltener werdendes Angebot (Lots 54–58). Bei 4.500 liegt ein Paar Freischwinger ST 14 der Gebrüder Hans und Wassili Luckhardt aus den 1930er Jahren (Lot 59).
Ein Rarissimum sind zwei Sessel Scimitar und der Hocker Skater von Preben Fabricius und Jorgen Kastholm mit dem frühen geprägten Signet von Ivan Schlecter (Lots 77/78, die Sessel je 7/9.000, der Hocker für 4/5.000). Der ausgefallene Sunball Easy Chair von Gunter Ferdinand Ris und Herbert Selldorf, bei Rosenthal 1969–72 produziert, liegt bei 12/15.000. Als Gartenmöbel geplant, gibt es nur sehr wenige Exemplare, die die Zeit in gutem Zustand überdauert haben (Lot 144). Mit 9.000 ist ein Exemplar eines 1980 ausgeführten Sessels No. 3316 Egg Chair und Ottomane von Arne Jacobsen bewertet (Lot 67).
Auch drei große, bedeutende Möbel, die paradigmatisch den Funktionswandel von den 1930er bis zu den 1980er Jahren verdeutlichen, seien erwähnt: Der seltene, schlichte und multifunktionale Wandschrank von Alvar Aalto für das Paimo–Sanatorium aus den 1930er Jahren (Lot 76, 10/12.000) steht gegen die bereits skulpturale, 1960 ausgeführte libreria da centro von Claudio Salocchi (Lot 83, 20/22.000) und – last not least – die Inkunabel des Memphis-Stiles: Mit verspielt bunten Oberflächen eines von nur zehn produzierten Liana– Regalen von Ettore Sottsass und 1988 nach einem Entwurf aus dem Jahr 1984 von Meccani realisiert (Lot 145, 12/15.000).
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Edgar Abs, Tel. 0221/92 57 29-30