Auktion 1051, Lot 225

Alberto Giacometti

Diego assis sur le lit dans l'atelier / Le Chien sur un tabouret dans l'atelier / Buste
Um 1951

Drei Zeichnungen mit schwarzer lithographischer Kreide auf einem glatten Bogen Velin, 76,3 x 56,3 cm, Unbezeichnet, unter Glas gerahmt, das Blatt mittig mit einer vertikalen und horizontalen Faltspur,  minimal gebräunt. Mit kleinen Werkstatt- und Altersspuren.

Mit einer Expertise des Comité Giacometti, Véronique Wiesinger und Christian Klemm, Paris, September 2011. Die Arbeit ist in der Alberto Giocometti Database AGD unter der Nr. 1830 geführt.

Schätzpreis € 220.000 - 230.000

Provenienz
Privatsammlung

In der Regel sind Zeichnungen von Bildhauern von besonderem Interesse, weil sie die erste Idee auf dem Weg zur dreidimensionalen Formfindung darstellen. Giacometti jedoch machte keine formal vorbereitenden Skizzen für seine Plastiken, vielmehr schuf er viele Zeichnungen nach den Plastiken in seinem Atelier. Wie Giacomettis Biograph James Lord ausführt, war er ein besessener Zeichner: "The subject matter of Giacometti's drawings was always provided by the features of those closest to him, by the familiar household objects of his studio and home [...]. He was very particular about his materials, and at the same time curiously nonchalant, too. He liked hard pencils, 3H or 4H, and was fastidious about keeping a sharp point on them at all times. For the majority of his most important drawings, Giacometti did use pencils, but he also at times used a pen or lithographic crayon [...]. Of the hundreds of drawings done away from the studio [...] a certain number were rescued by his wife and by friends [...]. Some of these are among the most vivid and interesting of all his works, because they are utterly spontaneaous, executed what was in his eye or mind's eye. Consequently, these drawings, which are for the most part rapid sketches, sometimes reveal the man even more vividly than those drawings which he executed with greater deliberation." (James Lord, Alberto Giacometti. Drawings, New York/Greenwich 1971, S. 21ff.)
Die drei Motive sind also sehr typisch für Alberto Giacomettis Schaffen, halten sie doch einerseits seinen oft porträtierten Bruder Diego im Atelier fest - umgeben von Plastiken und Gemälden -, wie sie auch zwei plastische Werke selbst zeigen: die für sein Schaffen beinahe als Markenzeichen stehende Büste mit dem schmal-hohen Kopf "Diego" (AGD 1269), hier genial in wenigen einfachen Strichen auf das Blatt gesetzt, und in weiterer Atelierszenerie der auf einem Modellierpodest stehende Tonbozzetto für "Le Chien" (AGD 747), der in typischer schmal-gelängter Physiognomie, den Kopf tief, die Gerüche seiner Umgebung aufnimmt und der Spur folgt. Die ebenfalls 1951 entstandene berühmte Bronze befindet sich in einem Exemplar u.a. in der Fondation Maeght in St. Paul de Vence (s. Vergleichsabb.). Drei so opulente Zeichnungen von solchermaßen für das Werk Giacomettis wichtigen Motiven auf einem Papierbogen dieses Formats sind rar.

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