Domenico Bianchi wollte die Malerei neu beleben
Domenico Bianchi, geboren 1955 in Rom, studierte an der Accademia di Belle Arti di Roma, ehe er 1977 mit seiner ersten Einzelausstellung bei Ugo Ferranti in New York ins Licht der Öffentlichkeit trat. Für diese Ausstellung hatte er zwanzig Zeichnungen aus Wachs, Holz, Pappe und Leinwand erschaffen, womit er bereits einen entscheidenden Schritt hin zu der für ihn so charakteristischen Mischtechnik aus Wachs und Ölfarbe getan hatte. In den 1980er Jahren gehörte Domenico Bianchi zu den jungen und aufstrebenden Künstlern der sogenannten La Scuola Romana und präsentierte seine Werke neben Vertretern der Arte Povera wie Michelangelo Pistoletto, Jannis Kounellis und Mario und Marisa Merz. Aus dieser Zeit stammen viele künstlerische Ansätze, die auf Bianchis Arbeiten und Studien späterer Jahre deutlichen Einfluss genommen haben. Licht ist seitdem eine feste Größe in Domenico Bianchis Schaffen geworden. Bianchi war einer jener Künstler, die es als ihre Aufgabe ansahen, die Malerei nach einer Phase jahrelanger, oft radikaler Experimente, wieder als Tradition anzunehmen und mit neuem Leben zu erfüllen.
Das Wachs wurde zu Bianchis »Stein der Weisen«
Domenico Bianchi will die Form eines Kunstwerks nicht mit einer im Voraus berechneten idealen Geometrie erreichen, sondern nähert sich ihr ganz pragmatisch auf technischem Weg, die ihn zu einem abstrakten Objekt führt. Er wird darum auch als Alchemist bezeichnet, nicht zuletzt in der Tradition seines Landsmannes Alighiero Boetti, von dem er die Fähigkeit übernommen hat, nach einem bestimmten, klar umrissenen Regelwerk zu arbeiten. Damit setzt er sich auch von jener Post-Transavanguardia-Malergeneration ab, deren Gebaren und Gestik er als »Arroganz« empfand. Sein Schlüssel zur Kunst wird das Material seiner Wahl: das Wachs, sein persönlicher »Stein der Weisen«, mit dem er aus Blei Gold, das heißt aus Profanem Kunst machen konnte. Um das Wachs so zu nutzen, wie es ihm vorschwebte, musste Domenico Bianchi zuerst die erforderlichen Techniken entwickeln. Es gab niemanden, an den er sich hätte anlehnen können. Da sein Gemisch aus Wachs und Ölfarbe nur einen begrenzten Raum des Trägers aus Fiberglas bedecken kann, ist bei größeren Arbeiten immer eine sorgfältig durchdachte Strukturierung in Form rechteckiger Module notwendig. Auf diese Weise entsteht eine eigene Geometrie, die nicht festgelegten abstrakten Idealen folgt, sondern praktischer Notwendigkeit – die Technik bestimmt die Form.
Erfolg mit einem nüchternen Urknall aus Formen
Domenico Bianchi nahm 1992 an der 3. Biennale von Istanbul und an der von Lucio Amelio kuratierten Gruppenausstellung Terra Motus in der Reggia di Caserta teil. In den folgenden Jahren konnte er zahlreiche Einzelausstellungen in bedeutenden internationalen Museen und Galerien beschicken, darunter das MARCO in Rom und das Stedelijk Museum in Amsterdam. Allen seinen Werken gemein ist das Fehlen emotionaler Komponenten. Domenico Bianchi malt seine Bilder als evolutionäre Gleichungen, bei denen sich in großer Nüchternheit ein Schritt aus dem anderen ergibt und die verschlungenen Muster aus Kreisen, Linien und Spiralen sich wie aus einem Urknall heraus zum Rand hin mitunter explosionsartig entwickeln. Manche Bilder suggerieren mit einer völlig glatten Oberfläche einen Eindruck von Tiefe, andere setzen auf körnige Dichte.
Domenico Bianchi lebt und arbeitet in Rom.