Constantin Brancusi - Der lange Weg nach Paris
Constantin Brancusi wurde am 19. Februar 1876 in dem rumänischen Dorf Hobița als Sohn des wohlhabenden Landverwalters Nicolae Brancusi geboren. Schon 1887 verließ er sein Zuhause im Streit, schlug sich als Färbergehilfe, Kellner und Laufbursche durch. Von 1894 bis 1898 konnte er an der Kunstgewerbeschule in Craiova studieren, im Jahr 1900 öffnete ihm die Kohlezeichnung einer eigenen Laokoonbüste die Tür zur Kunstakademie in Bukarest. Den unvermeidlichen Militärdienst konnte er dank guter Beziehungen mit Sonderurlauben und Krankenbescheinigungen verkürzen. Ein früher Erfolg war der Entwurf eines Denkmals für den Arzt und General Carol Davila. 1903 machte er sich zu Fuß nach Paris auf, das er ausgerechnet am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, erreichte. Zwischenzeitlich hatte Constantin Brancusi auch kurz in Wien und München gearbeitet.
Wenige Motive, große Ausführung
In Paris lernte Constantin Brancusi nicht nur sein großes Vorbild Auguste Rodin kennen, sondern schloss auch Freundschaft mit Henri Matisse, Fernand Léger, Marcel Duchamp und anderen Größen der damaligen Kunstszene. Mit der ungarischen Malerin Margit Pogány pflegte der überzeugte Junggeselle Brancusi eine Affäre, die sich später zu einer Freundschaft wandelte. In der Wahl seiner Themen zeigte sich Constantin Brancusi äußerst zurückhaltend, dafür erzielte er durch verschiedene Werkstoffe und Ausarbeitungen eine immer neue Wirkung. Charakteristisch für das Werk Brancusis ist das große Augenmerk auf den Sockel, der immer häufiger Teil der Skulptur und damit der Kunst wurde. Tief beeindruckt war Brancusi von der Schönheit der Maschinen, deren Technik zu seiner Zeit immer weiter voranschritt. Er setzte seinen Ehrgeiz daran, diesen Standard in seiner Kunst zu erreichen und zu übertreffen.
Soziales Engagement und Kontoversen
Den Ersten Weltkrieg verbrachte Brancusi, noch immer rumänischer Staatsbürger, in Paris, wo er sein Atelier dem Roten Kreuz zur Verfügung stellte und warme Kleidung für die Soldaten sammelte. Er unterstützte außerdem eine Wohltätigkeitsausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune, deren Erlös polnischen Kriegsopfern zugute kam. 1920 löste seine Skulptur "Princesse X" einen kleinen Skandal aus, weil der zuständige Leiter des Salon des Indépendants die Ausstellung aufgrund der Ähnlichkeit mit einem Phallus verweigerte. Großen Eindruck machte Brancusi auf Man Ray, dessen Kunstwerke er zu Studienzwecke mit so hoher Kunstfertigkeit fotografierte, dass der amerikanische Künstler ihm allein das Recht auf weitere Aufnahmen zubilligen wollte.
Das Atelier als Herz der Kunst
Seine Werke präsentierte Constantin Brancusi am liebsten in seinem eigenen Atelier, einem Tempel der Kunst ganz in Weiß, Ausstellungen in Museen und Galerien stand der Künstler misstrauisch und eher ablehnend gegenüber. Um dieser Eigenart Tribut zu zollen, sollten seine Kunstwerke auch nach dem Tod ihres Schöpfers in den Atelierräumen präsentiert werden – weil die Häuser aber abgerissen wurden, musste dieser Plan verworfen werden und die Objekte landeten großenteils dort, wo Brancusi sie selbst nicht sehen wollte: in Museen und Kunsthallen.
Am 16. März 1957 starb Constantin Brancusi in Paris. Interessierte Sammler müssen für Werke von Constantin Brancusi Preise in Millionenhöhe zahlen: 2005 wurde seine Bronze "L'oiseau dans l'espace" (Der Vogel im Raum) für die damalige Rekordsumme von 24 Millionen Dollar versteigert.
Constantin Brancusi - Werke, die bereits im Kunsthaus Lempertz verkauft wurden: