Maurizio Cattelan

Geburtsdatum/-ort

21. September 1960, Padua

Maurizio Cattelan brachte den Papst zu Fall, zwang Hitler in die Knie und hackte dem Faschismus die Finger ab: Mit seinen kalkulierten Provokationen verstörte der italienische Kreative zahlreiche Betrachter – und begeisterte ein wachsendes Publikum. Inzwischen zählt der kreative Autodidakt zu den höchstbezahlten Objekt- und Installationskünstlern der Gegenwart.

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Maurizio Cattelan - Ein mutiger Autodidakt mit Sinn für Humor

Maurizio Cattelan wurde am 21. September 1960 in Padua geboren. Seine frühen Jahre verliefen ähnlich wild und ungeordnet wie so manche spätere Kunstaktion: Eine künstlerische Ausbildung empfing er nie, stattdessen schlug er sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten durch, arbeitete unter anderem in einem Leichenschauhaus und in dem Souvenirladen eines Klosters. Vielleicht trug die letztgenannte Tätigkeit dazu bei, dass Maurizio Cattelan keine Scheu vor dem Heiligen zeigte und sich mit seinen Kunstprovokationen auch auf sakralen Grund und jenseits der Grenzen des guten Geschmacks wagte. Zur Kunst fand er in den späten 1980er-Jahren, zuerst in Forlí, wo er bereits seine erste Einzelausstellung für ein provokatives Statement nutzte: Anstatt seine Bilder zu präsentieren, ließ er die Tür geschlossen und hängte ein Schild daran: Torno subito – ich bin gleich wieder da. Eine mutige Aktion, die sich auszahlte. Die Karriere von Maurizio Cattelan nahm stetig Fahrt auf, führte ihn 1990 nach Mailand und 1993 schließlich nach New York City.

Provokante Installationen, spektakuläre Preise

Maurizio Cattelan erregte 1999 großes Aufsehen mit einer Skulptur im Stil des Hyperrealismus, die den damaligen Papst Johannes Paul II. in Lebensgröße zeigt – liegend auf einem roten Teppich, niedergestreckt von einem Meteor, gesäumt von Glassplittern, die auf die zeitliche Aktualität des gezeigten Ereignisses verweisen. Das Werk trägt den provokativen Titel La Nona Ora – Die neunte Stunde, eine unverhohlene Anspielung auf den Todeszeitpunkt Jesu Christi am Kreuz. Der vom Künstler gewünschte Effekt stellte sich ein, insbesondere in Polen sorgte die Präsentation für einen Skandal. Nur zwei Jahre später gelang Maurizio Cattelan der nächste Coup – diesmal hatte er sich Adolf Hitler ausgesucht, den er als frommen Beter um Erlösung zeigte. Das mit Him benannte Werk wurde im Jahr 2016 für die Rekordsumme von 17,2 Millionen Dollar versteigert. In Mailand hängte er Kinder mit Seilen um den Hals an Bäume, um gegen die Gewalt an Kindern zu protestieren. Der Künstler selbst übernahm in dieser Installation die zynische Rolle eines Zirkusdirektors.

Lebensechte Lügen provozieren, kritisieren und begeistern

Maurizio Cattelan betätigte sich auch selbst als Kurator, unter anderem für die Berlin Biennale 2006. Als Herausgeber betreut er verschiedene Zeitschriften, zum Beispiel das satirische Kunstmagazin Charley. Seine Skulpturen sind einerseits in beeindruckendem Realismus gehalten, zeigen aber andererseits das völlig Absurde, Unmögliche – ein gewollter Gegensatz, den der Künstler immer wieder mit unerschöpflicher Kreativität und groteskem Humorverständnis zu schaffen versteht. Als Faschismus-Kritik verstand er eine Skulptur, deren zum römischen Gruß ausgestreckte Hand er aller Finger bis auf den vorgereckten Mittelfinger beraubte. Unter dem Titel America entstand ein voll funktionsfähiges WC aus 18-karätigem Gold – das renommierte Guggenheim-Museum integrierte es 2016 in einen bestehenden Toilettenraum. Für sein Werk erhielt Maurizio Cattelan Preise und Auszeichnungen, so im Jahr 2008 die Gold-Medaille der 15. Quadriennale in Rom in Anerkennung für sein Lebenswerk.

Maurizio Cattelan lebt und arbeitet abwechselnd in New York und Mailand – ungeachtet des Umstandes, dass er sich im Jahr 2011 offiziell in den Ruhestand zurückzog.

© Kunsthaus Lempertz