Christian Dell

Geburtsdatum/-ort

1893 Offenbach am Main

Todestag/-ort

1974 Wiesbaden

Christian Dell formte mit seinen Händen das Neue, Elegante, brachte Metall in eine Gestalt, die jenseits aller Funktionalität und Zweckmäßigkeit mit Ästhetik und Originalität faszinierte und ihrem hochveranlagten Schöpfer bleibenden Ruhm bescherte.

Christian Dell - Unterricht bei Henry van de Felde, Werkmeister im Bauhaus

Christian Dell wurde am 24. Februar 1893 in Offenbach am Main geboren. Seine Biografie glänzt weniger hell als seine Schmiedekunst, vieles bleibt im Dunkeln. Von 1907 bis 1911 absolvierte der Sohn eines Schlossermeisters in Hanau eine Ausbildung zum Silberschmied und erhielt gleichzeitig Unterricht an der staatlichen Zeichenakademie, ehe er sich 1912 an der Kunstgewerbeschule in Weimar einschrieb. Dort lehrte zu dieser Zeit der belgisch-flämische Architekt und Designer Henry van de Velde, der mit seiner Formsprache die frühe Schaffensphase von Christian Dell nachhaltig beeinflusste. Nach zweijährigem Militärdienst bewarb sich Dell beim Bauhaus Weimar, wo er ab 1922 in der Metallwerkstatt als Werkmeister arbeitete; ihm zur Seite standen als Formmeister zunächst Paul Klee und Oskar Schlemmer, dann László Moholy-Nagy. Seine zeitraubende Lehrtätigkeit ließ Christian Dell zunächst nur wenig Raum zur individuellen künstlerischen Entfaltung, trotzdem gilt seine Zeit am Bauhaus als prägende Phase und er selbst als einer der führenden Köpfe bei der Ausgestaltung des bahnbrechenden, unverkennbaren Bauhaus-Stils.

Erfolge als Designer, Karriereende durch die Nationalsozialisten

Christian Dell arbeitete am Bauhaus in Weimar mit zahlreichen Größen der Designkunst zusammen, so entwickelte er gemeinsam mit Marianne Brandt verschiedene Leuchten für die industrielle Fertigung. Den Umzug des Bauhauses mitsamt der Metallwerkstatt nach Dessau wollte er allerdings nicht mitmachen: Nach seiner erfolgreichen Wirkphase in Weimar ging Christian Dell 1926 nach Frankfurt, wo er die Leitung der Metallwerkstatt der Städelschule übernahm. Obwohl er mit seinen Entwürfen durchaus Anklang fand und beispielsweise seine berühmten Rondella-Leuchten als frühe Höhepunkte der Designgeschichte gelten dürfen, fand sein Aufstieg ein plötzliches Ende, als die Nationalsozialisten seine Entlassung erzwangen. Walter Gropius persönlich drängte Dell, in die USA zu emigrieren, aber dieser zog es vor, in seiner Heimat Deutschland zu bleiben und stattdessen in die innere Emigration zu gehen. Nach dem Krieg besann er sich auf seine eigentliche Profession und arbeitete wieder als Silberschmied. 1948 eröffnete er in Wiesbaden ein Juweliergeschäft, das er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1955 ohne Unterbrechung betrieb.

Eine verborgene Lichtgestalt der deutschen Designgeschichte

Christian Dell leistete trotz widriger Umstände in den wenigen Jahren seines Wirkens Pionierarbeit als Designer. Er setzte auf innovative Werkstoffe wie Harnstoffharze und kreierte so neuartige und gleichzeitig eingängige Formen, dass Lampen wie die sogenannte Kaiser-Idell selbst nach dem Krieg noch produziert wurden. Auch wenn er nach dem Boykott durch die Nationalsozialisten seine künstlerische Tätigkeit nahezu völlig einstellte und sich nach 1955 vollständig in sein Privatleben zurückzog, darf seine Bedeutung für die deutsche Designgeschichte und insbesondere die Stadt Frankfurt nicht unterschätzt werden. Sein besonderes Interesse am Leuchten-Design hing nicht zuletzt mit dem Stadtplanungsprogramm Neues Frankfurt zusammen, für das Bürgermeister Ludwig Landmann und sein federführender Architekt Ernst May fähige Köpfe suchten. Für Landmann entwickelte Christian Dell auch eine besondere Art-Deco-Lampe aus Glas, Silber, Metall und Emaille, deren Betrieb aufgrund der riskanten Konstruktion aber durchaus ein gewisses Risiko barg. Für seine späteren Werke, die in Serienproduktion gingen, hatte der Künstler die funktionalen Mängel ausgebessert. Christian Dell starb am 18. Juli 1974 in Wiesbaden.

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