Arshile Gorky

Geburtsdatum/-ort

15. April 1904, Khorkom, Osmanisches Reich

Todestag/-ort

21. Juli 1948, Sherman, Connecticut, Vereinigte Staaten

Arshile Gorky war ein künstlerischer Einzelgänger, der ein Leben lang mit sich selbst und seiner Kunst uneins blieb. Der gebürtige Armenier malte und zeichnete gegen eine friedlose und leidvolle Vergangenheit an, die ihn bis zu seinem Tod verfolgte und der er sich nie ganz entziehen konnte.

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Arshile Gorky - Der Genozid an den Armeniern trieb den Künstler in die USA

Arshile Gorky wurde am 15. April 1904 als Vosdanig Manoug Adoian in Khorkom nahe Van im damaligen Osmanischen Reich geboren. Sein Vater, ein armenischer Bauer, ließ die Familie in der Obhut seines Bruders zurück und emigrierte in die USA, um der drohenden Einberufung in die türkische Armee zu entgehen. Gorky wuchs bei Mutter und Schwestern auf und ließ früh seine künstlerische Begabung erkennen. Bereits im Alter von vier Jahren versuchte er sich an ersten Holzschnittarbeiten, vielleicht nach Vorlage der reich verzierten Grabmäler in der nahen Klosterkirche. Der beginnende Völkermord an den Armeniern durch die jungtürkische Regierung zwang Arshile Gorky zur Flucht. Nach dem Tod der Mutter gelangte er mit seiner jüngeren Schwester Yartoosh in die USA. Hier traf er als 16-Jähriger seinen Vater wieder und konnte auch die Schule besuchen. Der Vater blieb ihm fremd, weshalb er sich schließlich in New York eine neue Identität aufbaute, unter jungen Künstlern verkehrte und sich das Pseudonym Arshile Gorky zulegte.

Viele Einflüsse prägten den begabten Autodidakten

Arshile Gorky eignete sich seine Kenntnisse der bildenden Künste überwiegend als Autodidakt an. Er studierte die Werke seiner Vorbilder, besuchte Ausstellungen, las passende Literatur und übte seine Fähigkeiten zunächst durch zahlreiche Kopien. Künstler wie Fernand Legér, Joan Miró, Pablo Picasso und vor allem Paul Cézanne beeindruckten Arshile Gorky sehr. Auch wenn die Auseinandersetzung mit diesen großen Namen deutliche Spuren im Werk des Armeniers hinterließ, so zeigte er doch eine erstaunliche Eigenständigkeit und nutzte mit seinen Zeichnungen und Gemälden vielseitige und teils ganz unterschiedliche Stile. Der in den 1930er Jahren in den USA vorherrschende Realismus konnte den Künstler nicht befriedigen, stattdessen suchte er eine eigene Formensprache und fand in einer zunehmend abstrahierenden Darstellung seinen Weg, der ihn in den 1940er Jahren zum Surrealismus führte, dessen Protagonisten, namentlich André Breton, den jungen Künstler wertschätzten und ihn ermutigten. Trotz dieser Unterstützung wandte sich Arshile Gorky wieder vom Surrealismus ab und setzte seine künstlerische Suche fort. Obwohl er als ein Wegbereiter des Abstrakten Expressionismus gilt, sah er in ihm nicht die gewünschte Richtung.

Zerrissene Biografie und persönliche Schicksalsschläge

Arshile Gorky stellte seine Schöpferkraft auch bei der Erzählung seiner Biografie unter Beweis. Viele Angaben des Künstlers entsprangen ausschließlich seiner Fantasie und wiesen offensichtliche Unstimmigkeiten auf. So behauptete er unter Verweis auf die scheinbare Namensgleichheit eine Verwandtschaft mit dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki, obwohl dieser ebenso wie der armenische Maler selbst nur ein Pseudonym angenommen hatte und eigentlich Peschkow hieß. 1941 heiratete er Agnes Magruder, bekam mit ihr zwei Töchter und zog mit seiner jungen Familie 1947 nach Sherman in Connecticut, wo er sich eine große Scheune zu einem Atelier umbauen ließ. Als diese in Brand geriet verlor er große Teile seiner Bibliothek sowie viele Zeichnungen und Gemälde. Eine Darmkrebserkrankung und eine Lähmung seines Mal-Armes infolge eines Autounfalls stießen Gorky in tiefe Depressionen, die zu Schlafstörungen, Alkoholsucht und gewalttätigen Ausbrüchen führten. Nachdem er volltrunken seine Frau die Treppe hinuntergestoßen hatte, verließ sie ihn mit den beiden Töchtern.

Arshile Gorky verübte am 21. Juli 1948 in seinem Atelier in Sherman Suizid.

© Kunsthaus Lempertz