Wool, Christopher

Christopher Wool gilt der Kunstszene zuweilen als freier Radikaler, der sich mit allen herrschenden Normen anlegt und mit beinahe roher Wildheit seinen eigenen Stil erzwingt. Trotzdem gelingt ihm gerade auf diese Weise immer wieder ein bereichernder Beitrag zur niemals stillstehenden Entwicklung der bildenden Künste.

Christopher Wool - Kindheit in Chicago, Durchbruch in New York

Christopher Wool wurde 1955 in Boston, Massachusetts geboren. Sein Vater war Professor für Mikrobiologie, seine Mutter Psychiaterin; seine Kindheit verbrachte er allerdings in Chicago, das er selbst auch häufig als Geburtsort angibt. In den 1980er-Jahren zog er nach New York und gesellte sich dort zu einer Künstlergruppe um Robert Gober, Jeff Koons und Haim Steinbach. In dieser Zeit schuf Christopher Wool seine ersten ornamentalen Gemälde, für die er Farbdruckwalzen verwendete, die sonst bei der Produktion von dekorativen Farbtapeten benutzt wurden. 1984 und 1986 durfte der Künstler in der Cable Gallery in New York ausstellen, eine weitere Ausstellung in der Robin Lockett Gallery in Chicago schloss sich an. Trotz dieser frühen Erfolge war das New York der 1980er ein undankbarer Ort für bildende Künstler, die sich zumeist mühevoll durchschlagen mussten und kaum auf ordentliche Einkünfte rechnen durften. Umso beeindruckender scheint es, dass sich Christopher Wool gerade unter diesen Umständen behaupten konnte – vielleicht aber brauchte es gerade dieses schwierige Umfeld, damit die spröde Kunst des eigenwilligen Amerikaners ihr Publikum fand.

Jenseits aller Konventionen: Bilder, die keine sind

Bei seiner Arbeit überließ Christopher Wool die Dinge immer wieder gern dem Zufall. Die konkrete Vision des Malers war ihm zuwider, stattdessen überließ er es gern Material und Werkzeug, in lässiger Kombination ein ansprechendes Ergebnis hervorzubringen. In der Auswahl seiner Utensilien war der Künstler ebenso originell wie flexibel: Eine Malerrolle aus dem Baumarkt setzte Wool mit derselben Intensität ein wie Sprühpistole, Stempel oder Finger. Mit großer Lust und Inbrunst sabotierte der eigenwillige Künstler sein eigenes Werk, schmierte mit Lösungsmittel in der eben aufgetragenen Farbe herum, zerrte Buchstabencollagen bis zur Unkenntlichkeit auseinander oder verteilte scheinbar unmotiviert Farbspritzer. Auch dem Gebrauch moderner Medien zeigte sich Christopher Wool nicht abgeneigt, den Begriff der Malerei stets bis zur Grenze des Erträglichen ausdehnend und bisweilen sogar – bewusst und unbewusst – überschreitend. Grundsätzlich vertrat Wool ohnehin die Überzeugung, dass ein Künstler nicht zwingend einen Pinsel brauche.

Ein Eigenbrötler und Freigeist

In einer Zeit, in der New Yorks Kunstmarkt am Boden lag, feierte der Maler ohne Pinsel seine Erfolge: 1989 nahm Christopher Wool an der alle zwei Jahre stattfindenden Whitney Biennal teil, 1992 an der noch bedeutenderen documenta IX in Kassel. Viel Beachtung erfuhr seine Rohrschach-Serie, bei deren Gestaltung er sich an dem berühmten Faltbildern des Schweizer Psychiaters Hermann Rohrschach anlehnte. Der eigenwillige Gestalter Wool gehört zu den Künstlern, die ganz in ihrer Arbeit aufgehen und nur wenig Aufmerksamkeit benötigen; entsprechend selten (und begehrt) sind seine Interviews. Trotz seiner zahlreichen Ausstellungen bekam Christopher Wool Preise und Auszeichnungen nicht häufig: Im Jahr 2009 erhielt er Wolfgang-Hahn-Preis – für den Künstler eine besondere Erfahrung, war es für ihn doch die erste Auszeichnung überhaupt. Christopher Wool lebt und arbeitet in New York; seine Ehefrau ist die deutsche Malerin Charline von Heyl.

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© Kunsthaus Lempertz