Carl Spitzweg - FELSENKESSEL MIT WILDWASSER

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Carl Spitzweg

FELSENKESSEL MIT WILDWASSER

Öl auf Leinwand (doubliert). 71 x 92 cm.

Verso auf der Leinwand zweimal der Familiennachlassstempel „Spitzweg“ mit Rhombus.

Hohe, baumbestandene Felswände bilden einen Talkessel, der vom Wasser eines durchfließenden Bergbaches bedeckt wird. Im Hintergrund des Bildes stürzt der Bach in einem kleinen Wasserfall herab und ergießt sich durch den Talkessel bis zum unteren Bildrand. Dieses Gemälde gehört zu den großformatigsten Werken im Oeuvre Spitzwegs. Mit lockeren Pinselstrichen und einer reich differenzierten Farbpalette, die von Ocker-, Grau- und Grüntönen dominiert wird, entwirft der Künstler eine raue Felslandschaft, die gänzlich ohne Figuren auskommt. Wichmann datiert die Landschaft um 1840, stellt jedoch fest, dass Spitzweg das Bild nach seiner Parisreise 1851 noch einmal überarbeitete. Dabei verarbeitete er Einflüsse der Schule von Barbizon, insbesondere von Jules Dupré. Roennefahrt bezeichnete das Bild als „eines der wenigen großen Gemälde […], die die Handschrift des Künstlers bei den Studien nach der Natur besonders erkennbar machen.“ (Roennefahrt 1958, a.a.O.)

Zu Beginn der 1930er Jahre gehörte das Gemälde dem Berliner Sammler- und Kunsthändlerpaar Frieda und Moritz Schönemann. Aufgrund der jüdischen Abstammung der Familie ordnete die Reichskulturkammer im September 1935 die Liquidierung ihres Unternehmens an, woraufhin die Sammlung bei Leo Spik in Berlin versteigert wurde. Auf der Grundlage der Washingtoner Erklärung vom 3.12.1998 wurde unter Vermittlung von Lempertz im Mai dieses Jahres eine gütliche Vereinbarung zwischen den Erben des 1956 bzw. 1969 verstorbenen Ehepaars Schönemann und dem heutigen Eigentümer des Gemäldes getroffen. Die Suchmeldung des Gemäldes in der Lost Art Internet Databank wurde daraufhin gelöscht.

Zertifikat

Friedrich Dornhöffer, München, 22.5.1922. - Hermann Uhde-Bernays, Starnberg, 2.8.1922. - Hermann Uhde-Bernays, Starnberg, 28.3.1942 (in Abschrift). - Eduard Loreck, München, 22.4.1952. - Eduard Loreck (Bestätigung der zweifachen Aufbringung des Familiennachlassstempels), 5.11.1952. - S. Wichmann erwähnt in seinem WVZ (a.a.O., S. 131) weitere Gutachten: Otto Spitzweg, München, 18.9.1912 ("Echtheitsbestätigung"); A. Dornhöffer, 25.4.1927; Adolf Alt, München, 6.11.1930; H. Uhde-Bernays, München, 2.6.1940.

Provenienz

Slg. Meder, München (laut Roennefahrt 1958, a.a.O., S. 5) bzw. Slg. Prof. Naager, München (laut Roennefahrt 1960, a.a.O., S. 151). - Auktion Reiz, Berlin, 14.4.1925, Lot 27. - Auktion Hecht, Berlin, 29.-30.10.1928, Lot 654. - Slg. Frieda und Moritz Schönemann, Berlin. - Auktion Versteigerungshaus Union (Leo Spik), Berlin, 16.-17.9.1935, "Wohnungseinrichtung und Kunstbesitz Sch.", Lot 77. - 378. Lempertz-Auktion, Köln, 12.-14.12.1935, Lot 132. - Auktion Paul Graupe, Berlin, 23.-24.3.1936, Lot 112. - Auktion Kunsthaus Heinrich Hahn, Frankfurt, 28.-29.10.1941, Lot 167. - Galerie Aenne Abels, Köln. - 1953 als Geschenk an den Vater des heutigen Eigentümers. - Im Erbgang an den heutigen Eigentümer.

Literaturhinweise

Günther Roennefahrt: Zum 150. Geburtstag Carl Spitzwegs, in: Die Weltkunst, XXVIII. Jahrgang, Nr. 3, 1.2.1958, S. 5, Abb. auf der Titelseite. - Günther Roennefahrt: Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960, S. 151, Nr. 125. - Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 130f, Nr. 60.

Lot 1515 Dα

Schätzpreis:
70.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
79.300 €