Emil Nolde - Marschlandschaft bei Utenwarf

Emil Nolde - Marschlandschaft bei Utenwarf - image-1
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Emil Nolde

Marschlandschaft bei Utenwarf
1920-1925

Aquarell 36 x 47,1 cm mit Tuschfeder - Am linken Unterrand mit kurzem hinterlegten Einriß und rückseitig mit Resten von umlaufendem Papierklebeband.

Manfred Reuther zufolge zeigt das Motiv die Landschaft um Utenwarf in der Wiedau-Niederung, wo sich Nolde seit 1916 aufhielt (M. Reuther im Begleitschreiben zu seiner Expertise).

1912 erwarb Emil Nolde das alte Bauernhaus Utenwarf an der Wiedau nahe Tondern und ließ sich 1916 nach seiner Südseereise dort nieder. Er war fasziniert von der Schönheit der herben Landschaft und den Naturschauspielen von Wolken, Wasser und stetig wechselnden Lichtverhältnissen. Zugleich fand er hier die gesuchte Ursprünglichkeit, die ein Eintauchen und Einswerden mit der Natur während seiner intensiven Malprozesse möglich machte. Nolde schaffte sich in Utenwarf ein ruhiges, abgeschiedenes Refugium und teilte das einfache, durch den Rhythmus der Jahreszeiten bestimmte Leben seiner Nachbarn, er betrieb eine kleine Landwirtschaft, ging auf die Jagd und auf Fischfang.

"Es gibt Menschen, die absolut nicht verstehen können, dass wir, die es wohl auch anders haben könnten, in dieser flachen, 'langweiligen' Gegend wohnen mochten, wo es keinen Wald gibt und keine Hügel oder Berge, und wo nicht einmal an den Ufern der kleinen Wasser Bäume sind. So denken wohl alle üblichen, schnell durchfahrenden Reisenden. - Unsere Landschaft ist bescheiden, allem Berauschenden, Üppigen fern, das wissen wir, aber sie gibt dem intimen Beobachter für seine Liebe zu ihr unendlich viel an stiller, inniger Schönheit, an herber Größe und auch an stürmisch wildem Leben." (Emil Nolde, Mein Leben, mit einem Nachwort von Martin Urban, Köln 1976, S. 329).

In dunklen Farben schildert der Künstler hier die Landschaft um Utenwarf in einer düsteren Abendstimmung, die ein schweres Wetter anzukündigen scheint. Der Himmel lastet mit seinen tief hängenden graugelben Wolken über dem weiten Grasland. Vor einem letzten schmalen Streifen blauen Himmels sind am Horizont die roten Dächer einzelner Gehöfte auf ihren Warften gerade noch auszumachen. Die mächtigen Wolken-, Erd- und Grasflächen, die die Komposition dominieren, sind mit kräftigen schwarzen Konturen eingefasst und gliedern sich zu einem ornamentalen Bildteppich von einer für die Aquarelle Emil Noldes außergewöhnlichen Festigkeit.

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll, vom 7. September 2004. Die Arbeit ist in der Nolde-Stiftung Seebüll registriert.

Provenienz

Seit etwa 1960 in holländischem Privatbesitz

Lot 209 D

Schätzpreis:
110.000 € - 130.000 €

Ergebnis:
134.200 €