Auktion 1004, Moderne Kunst, 30.11.2012, 00:00, Lot 213

Émile Claus, London (Waterloo Bridge)

Émile Claus, London (Waterloo Bridge), 1918, Auktion 1004 Moderne Kunst, Lot 213

Öl auf Leinwand 61 x 50,2 cm, gerahmt. Unten links dunkelrot signiert, datiert und betitelt 'E. Claus [C und l ligiert]/ London/ 1918' sowie rückseitig auf der Leinwand links nochmals in Grün signiert und beschriftet 'E. Claus [C und l ligiert]/ London/ 1918'. - Die Leinwand durch eine grau getönte, ins neuere Chassis genagelte Holzleiste gefasst; in den Ecken teils etwas wellig. Entlang den Kanten, vornehmlich am linken Bildrand mit schmalen Retuschen.

Provenienz

Sammlung Rodolfo Hurtado, Santiago de Chile; Joaquin Santa Cruz Ossa (1944); Horacio Eyzaguirre Rouse (1945); Privatsammlung Chile (1952), seitdem in Familienbesitz

Literatur

Vgl. allgemein: John De Smet, Emile Claus 1849-1924, Ausst. Kat. Museum voor Moderne Kunst Ostende, Ostende 1997

Emile Claus gilt als der wichtigste Repräsentant des Impressionismus in Belgien. Er schuf zunächst realistische Portraits und Genrebilder mit Darstellungen des ländlichen Lebens. Von 1889 bis 1902 verbrachte Claus jeweils die Wintermonate in Paris, wo er in regem Austausch zu anderen Künstlern, wie z.B. Henri Le Sidaner oder Constantin Meunier stand. Unter ihrem Einfluss schloss er sich bald der Malweise der französischen Impressionisten an, wobei er auf geschickte Weise Naturtreue und impressionistische Sichtweise unter Benutzung einer deutlich helleren und klareren Farbpalette zu verknüpfen wusste. Landschaftsbilder, vor allem der flämischen Heimat, standen nun im Vordergrund seines Interesses. Dabei ging es ihm primär um die künstlerische Suche nach den Darstellungsmöglichkeiten des Lichtes. Emile Claus hat seine Motive viele Male variiert, häufig zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, um gleich seinem Vorbild Monet zu immer neuen Form- und Lichtvariationen zu gelangen.

Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges floh Emile Claus im Oktober 1914 nach England, wo er bis 1918 lebte. In London mietete er im fünften Stock des an der Themse gelegenen "Monbray House" ein Atelier. Hier entstanden zahlreiche Themseansichten, wobei er aus seinem Atelierfenster blickend abwechselnd die London- oder die Waterloo Bridge malte. Diese Bilder zeigen den Fluss im Londoner Nebel, bei Schneefall oder Regen, im Morgenrot oder in abendlicher Stimmung. Teils hat er auch nur Teilausschnitte aus größeren Bildern wiederholt. Türkisgrün und ein leuchtendes Orange sind die dominanten Farbakkorde im vorliegenden Bild, aufgetragen in unzähligen kurzen, teils sanft, teils kraftvoll gesetzten Strichen. Auf Details hat Emile Claus zugunsten einer atmosphärischen Darstellung verzichtet, dabei ist es immer wieder überraschend, wie unterschiedlich die Farben je nach Beleuchtung erscheinen.

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