Auktion 1004, Moderne Kunst, 30.11.2012, 00:00, Lot 221

Hans Purrmann, Interieur, Porto d'Ischia

Hans Purrmann, Interieur, Porto d'Ischia, 1924, Auktion 1004 Moderne Kunst, Lot 221

Öl auf Leinwand 61,4 x 73,7 cm, gerahmt. Unten rechts rotbraun signiert 'Purrmann'. - Mit feinem Craquelé. Das Gemälde wurde fachmännisch gereinigt, in schöner Farberhaltung.

Lenz/Billeter 1924/35

Provenienz

Ehemals Sammlung Konsul H. Bomke, Dortmund

Innerhalb der Varianten dieses Interieurs, das Hans Purrmann 1924 in Porto d'Ischia malte, ist die vorliegende so besonders reizvoll, weil der gegebene Zimmerausschnitt etwas breiter gefasst ist; das Querformat gibt dem Betrachter einen Einblick - und Ausblick - zugleich. Dem so französisch anmutenden hohen Fensterausschnitt in der linken Bildhälfte wirkt kompositionell das lichtdurchflutete Ambiente in der rechten Hälfte entgegen. Der sparsam möblierte Raum glüht im warmen Farbspiel der Wände und Bodenflächen. Die aufgestellten Türen des Fensters geben den Ausblick auf das blau schimmernde Wasser und eine Hafenbucht frei, hier herrscht ein noch helleres, weissliches Licht, das sich an der Öffnung duftig in den zarten, gerafften Gardinen fängt. Es reflektiert darüber hinaus sehr hübsch in der Tiefe des Raumes, nämlich isoliert auf dem weissen Kleid der Frau und im Spiegel ihres Toilettentischchens. So wird die sommerliche Atmosphäre, der Farbenwechsel im Drinnen und Draußen als temperierter Kontrast sehr sinnlich erfahrbar.

"In der ersten Hälfte der zwanziger Jahre ist der Künstler mehrfach in Rom, in Sorrent und auf Ischia gewesen. Dort entstanden überall Bilder. [...] Die motivische Vielfalt war ihm zugleich eine malerische, sowohl koloristisch wie auch in Licht und Schatten. [...] Mit Italien hatte Hans Purrmann nun wirklich einen Ersatz für die südfranzösische Landschaft gefunden; dorthin ist er auch in hohem Alter immer wieder zurückgekehrt." (Christian Lenz, Die Kunst Hans Purrmanns - Einführung in das malerische Werk, in: Hans Purrmann, Die Gemälde, Bd. I, München 2004, S. 42).

Spuren einer schwungvollen Pinselarabeske, die die runden Konturen von Boot und Rahe aufzunehmen scheinen, stammen möglicherweise von einer freien Skizzierung, sie scheinen nicht gegenstandsgebunden, wie ein Übertrag des künstlerischen Impulses.

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