Auktion 1004, Moderne Kunst, 30.11.2012, 00:00, Lot 222

Hans Purrmann, Bodenseelandschaft mit Schloss Montfort

Hans Purrmann, Bodenseelandschaft mit Schloss Montfort, 1927, Auktion 1004 Moderne Kunst, Lot 222

Öl auf Leinwand 65,5 x 81,3 cm, gerahmt. Unten rechts in dunklem Braun signiert 'Purrmann'. - Rückseitig auf dem Keilrahmen mit verschiedenen handschriftlichen Beschriftungen und Bezifferungen sowie mit einem alten numerischen Aufkleber versehen.

Lenz/Billeter 1927/07

Provenienz

Galerie Flechtheim; ehemals Sammlung Konsul H. Bomke, Dortmund, 1927 bei Alfred Flechtheim erworben (Erwerbsquittung und Briefwechsel in Kopie liegen vor)

Die große Bodenseelandschaft aus Langenargen war dem Archiv des Nachlasses seit langem bekannt, doch erst jetzt kommt sie aus langjährigem Privatbesitz an das Licht der Öffentlichkeit. Eine sehr ähnliche, jedoch kleinere Fassung (27 x 35 cm) wiederholt Motiv, Perspektive und Farbstellung in vergleichbarer Weise (Lenz/Billeter 1927/11). Sie gehörte dem Maler Willy Schlobach, der zuletzt am Bodensee beheimatet war.

In den zwanziger Jahren und auch später bleiben die Bodenseelandschaften und die Gartenperspektiven des Purrmann'schen Hauses, das nach 1918 und dem Frankreich-Erlebnis dem Künstler zum Rückzugsort wurde, ein klassisches Thema. So geht auch im vorliegenden Gemälde der Blick über den Rasen mit seinem alten Baumbestand und das Ufer hinweg zur Insel von Schloß Montfort. Diese Landschaftssilhouette und dieser Seeblick gehören zu den thematischen Konstanten im Werk. Für die künstlerische Entwicklung dieser Jahre ist die zu beobachtende Transparenz der Farben und die Linearität ihres Auftrages in zum Teil parallel gesetzten rythmischen Strukturen sehr typisch: "Der pastose Farbauftrag in Flecken [...] wird nun abgelöst von einer dünnen, transparenten Farberscheinung, welche die Helligkeit des Bildgrundes durchwirken läßt. Damit geht zusammen eine neue Bedeutung des Linearen - und dies in zweifacher Hinsicht: zum einen ist die Farbe nun in langgezogenen Strichen aufgetragen und wird so erfüllt von der Energie des Linearen, von Spannung und Dynamik, zum anderen treten nun eigenwertige Konturlinien auf. [...] Ab den zwanziger Jahren läßt er in seinen Gemälden häufig farbige und lineare Elemente einander durchflechten." (Lorenz Dittmann, Hans Purrmanns farbige Bildgestaltung, in: Ausst. Kat. Hans Purrmann, Im Raum der Farbe, Historisches Museum der Pfalz, Speyer 1996, S. 38/39).

Alfred Flechtheim hatte 1927 in Berlin eine Einzelausstellung zu Hans Purrmann ausgerichtet ("Hans Purrmann: Neue Gemälde", vgl. Chrsitan Lenz/ Felix Billeter, Hans Purrmann, Die Gemälde, Bd. II, München 2003, S. 375). Von ihm hatte der Vorbesitzer, ein Purrmann-Sammler und guter Freund des Künstlers, das vorliegende Gemälde erworben.

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