Gerhard Richter - 3.3.94

Gerhard Richter

3.3.94
1994

x6 Öl auf chamoisfarbenem glatten Halbkarton. 21 x 29,8 cm. 3.3.94 Richter

Wie ein Netz überzieht die wabenartige, polychrome Farbschicht das gesamte Blatt. Hauptsächlich dominiert ein sattes Weiß, das an den Rändern des Blattes von blau-roten Farbschlieren durchzogen wird. In der rechten unteren Ecke überwiegt schließlich eine Mixtur aus satten Beerentönen, die sich weit ins Bildinnere hineinzieht. An einigen Stellen verästelt sich die gesamte Farbmasse zu feingliedrigen Oberflächenstrukturen, die sich plastisch von der Bildoberfläche abheben, teils gibt die Farbschicht den Blick auf eine darunter liegende, grün schimmernde Bildebene frei.
Gerhard Richter verbindet bei der vorliegenden Arbeit Techniken, die sowohl durch seine großen Leinwandarbeiten als auch durch seine übermalten Photographien bekannt sind: Bei seinen ‚Abstrakten Bildern' schichtet er mit der Rakel Lage über Lage, ein Prozess der mehrere Wochen dauern kann: „Jedes erreichte Zwischenstadium wird von ihm infrage gestellt, damit er es im nächsten Arbeitsschritt wieder zerstören und so die Offenheit im Bild zurückgewinnen kann.“ (Dietmar Elger, Gerhard Richter. Übersicht, in: Götz Adriani (Hg.), Gerhard Richter. Bilder 1963-2007, Ausst.Kat. Staatliche Kunstsammlungen Dresden und National Art Museum of China, Peking, Ostfildern 2008, S.43) Bei der Arbeit 3.3.94 erreicht Richter besagte Offenheit mit lediglich zwei Farbschichten: Zunächst wurde die erste Lage mit grüner Farbe aufgetragen und, nachdem sie getrocknet war, mit der zweiten Schicht überdeckt. Da diese oberste Schicht nicht durchgängig deckt, sondern an zahlreichen Stellen nicht haften geblieben ist, eröffnet sich der Blick auf ein ‚Bild hinter dem Bild'. Der Betrachter meint sogar, in dem abstrakten Hintergrund Gegenständliches - vielleicht eine Landschaft - zu erkennen. Dieser Effekt erinnert an Richters übermalte Photographien, bei denen er das ursprüngliche Bild mit Ölfarbe modifiziert. Er verwendet dabei dieselbe Technik wie bei unserer Arbeit auf Papier: Mit einer wischenden Bewegung zieht Richter das Blatt über eine jener Rakeln, die er für seine Leinwände benutzt hat und die nun mit unterschiedlichen Farbresten bedeckt ist. Indem er die Geschwindigkeit seiner Bewegung und die Druckintensität auf das Blatt variiert, kann er das spätere Aussehen der Arbeit beeinflussen. Die feinen Verästelungen, die unser Blatt vor allem im oberen Bildbereich bestimmen, entstehen etwa, wenn die Wischbewegung auf ein Minimum reduziert und der Bildträger vorsichtig auf die Farbe gelegt und anschließend abgehoben wird. (vgl. zur Technik Markus Heinzelmann: Verwischungen. Die übermalten Fotografien von Gerhard Richter als Objekte der Betrachtung, in: Markus Heinzelmann (Hg.), Gerhard Richter. Übermalte Fotografien, Ausst.Kat. Museum Morsbroich, Leverkusen, Ostfildern 2008, S.84/85).

Zertifikat

Mit schriftlicher Bestätigung vom Atelier Gerhard Richter, per Email vom 18.09.2012.

Provenienz

Aschenbach Galerie, Amsterdam (mit rückseitigem Aufkleber); Privatbesitz, Deutschland

Lot 718 D

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
112.850 €