Jan Steen - ANKUNFT DER BRAUT

Jan Steen - ANKUNFT DER BRAUT - image-1
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Jan Steen

ANKUNFT DER BRAUT

Öl auf Holz (parkettiert). 57 x 72 cm.
JSteen (JS ligiert).

In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts war es Brauch, dass die Braut nach der Trauung mit ihrem Gefolge zum Haus des Bräutigams oder zu einem Wirtshaus zog, um dort vom Bräutigam empfangen zu werden. Steen stellt dieses Aufeinandertreffen der Brautleute im Inneren eines Wirtshauses dar, durch die Tür ist die Brautjungfer und das Gefolge der Braut zu sehen.
Auf den ersten Blick scheint es, als stelle Jan Steen die Brautleute mit Sympathie dar, der Künstler lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Bauernhochzeit handelt und die Brautleute ebenso wie die Gäste schlichte Leute sind. Das Gasthaus ist einfach, der Festschmuck bescheiden, und ein Festmahl sucht man vergebens. Der Bräutigam trägt zwar ein farbiges Kostüm, es ist jedoch ebenfalls schlicht. Der schwarze Umhang, den er wie ein feiner Herr um seine Schulter geworfen hat, wirkt zudem wie eine unpassende Verkleidung. Das Kleid der Braut ist ebenfalls einfach, und die Brautjungfer trägt einen sogenannten huik, einen schwarzen Hut, der mit einem merkwürdigen Stil mit Kügelchen geschmückt ist - dieser Hut war bereits zu Steens Zeiten außer Mode. In zahlreichen solcher Details zeigt Steen die Einfachheit und Provinzialität der Hochzeitsgesellschaft, die hier feiert.
Steen hat das Thema der Ankunft der Braut in den 1650er Jahren mehrmals behandelt, wobei es sich zuweilen auch um bürgerliche Hochzeitsgesellschaften handelt. Pieter Brueghel hatte die Bauernhochzeit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in zum Teil großformatigen Gemälden bildwürdig gemacht; Steen greift diese Tradition in diesem Bild auf und macht sie zu einer komischen Schilderung der Landbevölkerung.

Zertifikat

Walther Bernt, München, April 1977.

Provenienz

William Charles Arcedeckne Vanneck, 5. Baron Huntingfield, Heveningham Hall, Yoxford, Suffolk. - Auktion Christie´s, London, 25.6.1915, Lot 114. - Kunsthandlung Ascher und Koetser, London, um 1920. - Slg. A. Goekoop, Den Haag. - Galerie Alfred Brod, London. - Deutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

Wilhelm Martin: De Jan Steen-Tentoonstelling te London. In: Onze Kunst, XVI (1909), S. 141- 172, hier S. 166. - Karel Braun: Jan Steen, Rotterdam 1980, S. 128, Nr. 290, m. Abb.

Ausstellung

Royal Academy, Burlington House, London, 1907, Nr. 49. - Kunsthandlung Dowdeswell, London, 1909, Nr. 23. - Kunsthandlung Kleykamp, Den Haag, 1927, Nr. 40. - "Jan Steen", Mauritshuis, Den Haag, 1958/59, Nr. 5, Abb. 4.

Lot 1065 Dα

Schätzpreis:
140.000 € - 150.000 €

Ergebnis:
146.400 €