Jan Steen - BAUERNTANZ VOR EINER SCHÄNKE

Jan Steen - BAUERNTANZ VOR EINER SCHÄNKE - image-1
Jan Steen - BAUERNTANZ VOR EINER SCHÄNKE - image-1

Jan Steen

BAUERNTANZ VOR EINER SCHÄNKE

Öl auf Leinwand (doubliert). 62,5 x 77 cm.
JSteen (JS ligiert).

Bauern haben sich vor einem Wirtshaus versammelt und feiern ausgelassen. Im Zentrum sieht man eine Familie, die dem Treiben zuschaut, die anderen Bauern tanzen, musizieren, zechen und rauchen, einige von ihnen sind im Begriff, mit einem gefährlich schwankenden Boot zu einer kleinen Tour auf dem Kanal aufzubrechen.
Solche Darstellungen von feiernden Bauern gab Genremalern die Möglichkeit, die Laster und Triebe der niederen Schichten in einer humoristischen Weise darzustellen, während die höheren Gattungen der Historien- und Bildnismalerei Personen vorbildhaft und erhaben wiedergaben. So sind auch hier die Physiognomien der Bauern grob, ihre Bewegungen ungelenk, ihr Betragen maßlos. Jan Steen war ein meisterhafter Geschichtenerzähler mit einem unerschöpflichen Repertoire an solchen komischen Typen. In seiner berühmten Biographie Jan Steens lobt Arnold Houbraken die Lebensnähe und den Reichtum der Steen´schen Figurenerfindungen, sie seien "nach dem Leben gemalt", "natürlich" und "geistreich"; stets sei Steen noch etwas Drolliges eingefallen, das er in seine Szenen eingefügt habe. Dabei habe er es verstanden, Personen treffend zu charakterisieren - man habe allein anhand der Haltung gesehen, "wer der Bauer und wer der Herr sei."
Ein interessantes Detail dieses Frühwerks von Steen (Stechow 1928/29, S. 174) ist das Ladenschild des Wirtshauses. Es zeigt einen Elefanten und erlaubt Rückschlüsse auf den Auftraggeber des Gemäldes (Washington/Amsterdam 1996/1997, S. 196). Die Brauerei "Den Oliphant" befand sich in Haarlem und gehörte Gerrit Schouten, einem vermögenden Brauer, der wie Steen Katholik war und zu dessen Mäzenen zählte (Steen war selbst Sohn eines Brauers und betrieb eine eigene Brauerei während seiner Zeit in Delft). Die enge Beziehung des Künstlers zu dem Haarlemer Brauer zeigt das Selbstbildnis mit Gerrit Schouten und dessen Familie von 1659/60 (The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City; siehe Vergleichsabb. auf der folgenden Seite). Die baufällige Schänke in diesem Gemälde sollte sicherlich nicht Schouten´s Brauerei repräsentieren, deren imposanter Bau von 1606 heute noch an der Spaarne in Haarlem steht. Die Referenz an "Den Oliphant" zeigt jedoch, wer die Auftraggeber solcher Genrebilder waren, nämlich vermögende, kunstsinnige Bürger, die sich an der komischen, zuweilen derben Darstellungen von Bauern erfreuten.

Provenienz

Versteigerung, Den Haag, 31.3.1770, Lot 8 (für fl. 135 an G. Copius). - Versteigerung Slg. G. Copius, Den Haag, 21.3.1786, Lot 14 (für fl. 35).- Versteigerung Slg. A. Meynts, Amsterdam, 15.7.1823, Lot 119 (für fl. 860 an Endthoven). - Versteigerung J. A. van Dam, Dordrecht, 1.6.1829, Lot 119. - Graf van Cornet, Brüssel, vor 1871. - The Metropolitan Museum of Art, New York (1871 erworben). - Auktion Sotheby´s, New York, 17.6.1982, Lot 41. - Noortman & Brod, London/Maastricht, 1983. - Deutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

Cornelis Hofstede de Groot: Beschreibendes und kritisches Verzeichnis der Werke der hervorragendsten holländischen Maler des XVII. Jahrhunderts. 9 Bde. Esslingen 1907, Bd. 1, S. 155, Nr. 641. - Bryson Burroughs: Catalogue of Paintings (Metropolitan Museum of Art), New York 1916, S. 273. - Wolfgang Stechow: Bemerkungen zu Jan Steens kunsthistorischer Entwicklung. In: Zeitschrift für bildende Kunst, LXII (1928/1929), S. 173-179, S. 174. - J. L. Allen und Elizabeth E. Gardner: A Concise Catalogue of the European Paintings in the Metropolitan Museum of Art, New York 1954, S. 93. - Katherine Baetjer: European Paintings in the Metropolitan Museum of Art by Artists born before 1865, New York 1980, Bd. 1, S. 180, Abb. Bd. 3, S. 440. - Karel Braun: Jan Steen. Rotterdam 1980, S. 92, Nr. 53, Abb. S. 93. - Ausst.-Kat. Washington/Amsterdam 1996/1997: Jan Steen. Schilder en Verteller. Zwolle 1996, S. 196, m. Abb.

Lot 1066 Dα

Schätzpreis:
140.000 € - 150.000 €

Ergebnis:
183.000 €