Pablo Picasso - Portrait de jeune Fille, d'après Cranach le Jeune. II

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Pablo Picasso

Portrait de jeune Fille, d'après Cranach le Jeune. II
1958

Original-Farblinolschnitt auf festem Velin mit Wasserzeichen "ARCHES" 65 x 53,2/53,7 cm (76,1 x 57,2 cm) Unter Glas gerahmt. Mit blauer Kreide signiert und mit Bleistift nummeriert. Exemplar 12/50. Herausgegeben von Galerie Louise Leiris, Paris 1958. - Im ehemaligen Passepartout-Ausschnitt schwach gebräunt. Leichte horizontale Knickfalte.

Das großformatige „Portrait de jeune fille, d'après Cranach le Jeune“ ist der bedeutendste und gefragteste farbige Linolschnitt Pablo Picassos.
Picasso beginnt in den 1950er Jahren, sich mit der für ihn neuen Technik des Linoldruckes zu beschäftigen. Innerhalb seines graphischen Oeuvres nehmen die Linolschnitte letztendlich nur einen relativ kleinen Teil ein, doch die zwischen 1958 und 1963 in Zusammenarbeit mit dem Drucker Hidalgo Arnéra entstehenden Arbeiten dieser Technik zählen zu seinen hervorragendsten und technisch anspruchsvollsten graphischen Werken.
„Picassos Beschäftigung mit dem Linolschnitt ist zweifellos dem Wunsche des Künstlers zu verdanken, der Farbe im graphischen Schaffen einmal eine besondere Rolle zuzuweisen; denn bisher kam ihr - auch in der Lithographie - nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Es ging Picasso, als er das Hohleisen zur Hand nahm, weniger um die Entdeckung einer neuen Gegenstands- und Formenwelt als um die Erprobung ihm dienstbarer Gestalten an unbekannten technischen Möglichkeiten. Wie stets, wenn er einen solchen Versuch unternahm - sei es in Plastik, Litho, Keramik oder Aquatinta -, gelangte er auch in diesem Falle zu Ergebnissen, die mit nichts Vorhandenem vergleichbar sind, außer mit früheren Schöpfungen von Picasso selbst. […] Obwohl er früher nur ausnahmsweise Holzschnitte angefertigt hat, findet er sich in dem mit raschem Entschluß betretenen Neuland bald zurecht und behandelt den sich leicht fügenden Werkstoff nach Gesetzen, denen er eine sehr großzügige Auslegung gibt. Linienhafte und flächige, malerische und dekorative Systeme kommen zur Anwendung und stehen in Wechselwirkung mit der Benutzung mehrerer, einzelnen Farben zugeordneter Platten oder - weit häufiger - der mehrfachen Verwendung derselben, zuständlich veränderten Platte.“ (Wilhelm Boeck, in: Pablo Picasso. Linolschnitte, Neuauflage, Stuttgart 1988, S. V-VI.).
In den 1950er Jahren lässt sich der Künstler vielfach von bedeutenden Werken alter Meister wie Cranach, Velásquez und Delacroix inspirieren. Für das Motiv dieses Linolschnitts nimmt er Bezug auf ein Werk von Lucas Cranach d.J., das 1564 entstandene „Weibliche Bildnis“, welches sich im Kunsthistorischen Museum Wien befindet (s. Vergleichsabb.). Picasso wird durch eine Fotopostkarte, die ihm sein Händler Daniel-Henry Kahnweiler zusendet, auf das Bildnis aufmerksam. Das Nebeneinander von abstrakter Flächigkeit und feinem ornamentalem Detail dieses Porträts dürften ihn ebenso gereizt haben wie die ausdrucksstarken Konturen von Schattenwurf und Vorhangmotiv des Hintergrundes.
Picasso setzt das Motiv sehr frei in einer kubistischen, stark rhythmisierten Bildauffassung um und schafft damit ein druckgraphisches Meisterwerk. Weit ausschwingende, miteinander korrespondierende Formen, filigran ausgearbeitete Details und monolithische Farbflächen bilden ein Zusammenspiel von größter Ausgewogenheit. Die charakteristischen Linienzüge des schwungvoll geführten Hohleisens und die fünf übereinander gedruckten Farbplatten mit sich teils überlagernden Partien begründen die nahezu malerische Qualität des Werkes.

Werkverzeichnis

Bloch 859; Geiser/Baer 1053 C.a.

Provenienz

Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 315 Moderne Kunst, 1.12.1995, Los 545; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Lot 269 D

Schätzpreis:
350.000 € - 450.000 €

Ergebnis:
322.400 €