Sigmar Polke - "...Höhere Wesen befehlen"

Sigmar Polke

"...Höhere Wesen befehlen"
1967/1968

4 Zeichnungen auf unterschiedlichen Papieren in unterschiedlichen Techniken und Formaten, sowie 14 Offsetdrucke auf Karton sowie 1 Textblatt und 1 Impressum, dieses nummeriert. 21 x 14,8 cm bzw. 29,5 x 21 cm (Zeichnungen), 29,5 x 21 cm (Offsetdrucke). Jeweils signiert und unterschiedlich datiert 'S. Polke 67' bzw. '68' sowie 1 Blatt beschriftet 'Der Stuhl, an dem die Jacke angewachsen ist'. Exemplar 14/50 der Vorzugsausgabe. In Original-Kartonschachtel (mit Gebrauchsspuren) 32 x 23 x 3 cm. Edition René Block, Berlin. - Mit geringfügigen Altersspuren.

Sigmar Polkes frühe Edition „…Höhere Wesen befehlen“ - bestehend aus 4 unikalen Zeichnungen und 14 Offsetdrucken - verinnerlicht in konzentrierter Form ein zentrales Thema seines Frühwerks: Die systematische Demontage bestehender Konventionen hinsichtlich der gängigen Kunstauffassung und der überhöhten (Selbst-)Wahrnehmung des Künstlers. Dieses Vorhaben steht ganz im Sinne des ‚Kapitalistischen Realismus', den Polke nur wenige Jahre zuvor gemeinsam mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner begründet hatte und mit dem sie auf den Bruch mit allen bisherigen Kunstäußerungen zielten.
Mit „…Höhere Wesen befehlen“ entzieht Polke nun das Kunstwerk den Sphären der Überhöhung, indem er eben jene ironisierend vor Augen führt. Dies erreicht er zum einen durch den Titel, der suggeriert, es handele sich hier um das Produkt einer übernatürlichen Eingebung des Künstlers. Zum anderen erinnert die pseudowissenschaftliche Gestaltung der Mappe an ein seriöses Lehrbuch, die im Kontrast steht zum karikierenden Inhalt der Offsetdrucke: Hier persifliert Polke etwa mit dem zu jener Zeit in fast jedem Wohnzimmer zu findenden Gummibaum ein „Sehnsuchtsmotiv der Wirtschaftswundergeneration“ (Christian Spies, Ein Pakt mit den höheren Wesen, in: Eva Schmidt (Hg.), Die Vervielfältigung des Humors, Die Editionen der Sammlung Axel Ciesielski, Ausst.Kat. Museum für Gegenwartskunst Siegen und les Abattoirs - Frac Midi Pyrénées Toulouse, Köln 2013, S.57).
In den 4 Zeichnungen treibt Polke schließlich die Entmystifizierung der Kunst auf den Höhepunkt: Statt konventioneller Techniken und Bildträger wählt er alltägliche Materialien wie Notizblockpapier, Kugelschreiber und Filzstift und auch die Themen sind jenseits des künstlerischen Kanons angesiedelt: So skizziert er herrlich sinnfrei einen „Stuhl, an dem die Jacke angewachsen ist“ und greift an mehreren Stellen auch das Palmenmotiv wieder auf. Gerade dieser grandiose hintergründige Witz und die scheinbare Banalität des Dargestellten verdeutlichen Polkes herausragende Stellung als einer der großen Revolutionäre der deutschen Nachkriegskunst.

Werkliste

Becker/von der Osten 8

Zertifikat

Wir danken dem Estate of Sigmar Polke, Köln, für hilfreiche Auskünfte.

Provenienz

Privatsammlung, Rheinland

Lot 787 N

Schätzpreis:
80.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
111.020 €