Emil Nolde - Freude

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Emil Nolde

Freude
Nach 1945

Aquarell auf Japanpapier 35,3 x 24,4 cm Unter Glas gerahmt. Unten links signiert 'Nolde.'. - Rückseitig punktuell an den Ecken freiliegend auf Passepartout-Karton montiert; die ältere Original-Kartonunterlage mit farbigen Atelierspuren beiliegend. In schöner Erhaltung.

„Freude“ ist der von Emil Nolde selbst genannte Titel, mit dem das vorliegende Blatt den Besitzer wechselte; es wurde im Frühjahr des Jahres 1955 direkt vom Künstler erworben. Nach Auskunft des Nolde-Archives ist es sehr wahrscheinlich, daß der Künstler im vorliegenden Fall eine früh entstandene Darstellung farblich überarbeitet hat. Sie stellt zwei tanzende junge Mädchen dar, eng aneinandergeschmiegt kommen sie uns frontal auf Zehenspitzen entgegen, die geschmeidigen Glieder lang gestreckt. Die freien Arme, wechselseitig erhoben, bilden einen hohen Bogen über den geneigten Köpfen. Der tänzerische Gleichschritt ist sehr leicht. Ein spiegelnder blauer Schatten vor den Figuren deutet einen atmosphärisch schimmernden Raum an. Es gibt keine weitere Beschreibung, die Komposition konzentriert sich auf das locker getuschte Figurenmotiv vor horizontal gegliederten Farbfeldern. Die Aquarelltechnik ermöglicht dabei nicht nur die Überlagerung und Schichtung verschiedenster Farbtöne mit ihren fließenden Konturen, sondern auch eine Differenzierung der Farbdichte. So ist das fast unwirkliche Gelbgrün des Vordergrundes von lichthafter Transparenz, das Firmament der oberen Bildhälfte dagegen in tiefem, opaken Blau gegeben - samtig, dunkel und doch auch magisch leuchtend. Ein spontaner Barfuß-Tanz am nächtlichen Strand, an dem man die feuchte, kühle Luft zu spüren meint! Die Eintracht in der Bewegung, die freundlichen offenen Gesichter geben dem Ausdruck, was der Tanz hier naiv symbolisiert: Freude.
Nolde gab häufig in seinen figurativen Motiven paarige Szenen, um menschliche Beziehungen, Emotionen und auch Gegensätze zu charakterisieren. „Obwohl Nolde als Maler von Natur und Landschaft bekannt, ja populär geworden ist, maß er selbst dem Figurenbild, vor allem dem frei erfundenen, die höchste Bedeutung zu.“ (Brigitte Reinhardt, Emil Nolde - Die Frau im Porträt, in: Ausst. Kat. Emil Nolde, Blickkontakte, Frühe Porträts, Ulm/ Amersfoort 2005, S. 62). Die Unmittelbarkeit des Ausdrucks ist formal sehr häufig durch die einfache Frontalität der Motive gegeben. Auch der Tanz als Ausdruckstanz ist ein expressionistisches Thema, das das Werk Noldes durchzieht. Doch im vorliegenden Werk kommt nicht die wilde, visionäre Exaltation zur Darstellung, sondern der fröhliche Überschwang der Jugend. Das Aquarellblatt hat ein transitorisches Moment, es ist zarter Ausdruck der Innigkeit einer gemeinschaftlichen Gemütsbewegung. In diesen ruhigeren und intimeren Zauber des Blattes mag sich der Betrachter direkt einbezogen fühlen.

Zertifikat

Wir danken Manfred Reuther, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll, für bestätigende Auskünfte; das Werk ist in der Nolde-Stiftung Seebüll registriert.

Provenienz

Vom Künstler direkt erworben (auch in Seebüll dokumentierter Erwerb des Vorbesitzers am 6. April 1955); ehemals rheinische Privatsammlung; seitdem in Familienbesitz

Lot 317 D

Schätzpreis:
120.000 € - 130.000 €

Ergebnis:
146.400 €