Auktion 1033, Moderne Kunst - 30. Mai 2014, 30.05.2014, 18:00, Köln Lot 320

Hans Purrmann, Stillleben mit Relief

Hans Purrmann, Stillleben mit Relief, 1949, Auktion 1033 Moderne Kunst - 30. Mai 2014, Lot 320

Hans Purrmann

Speyer 1880 - 1966 Basel

Stillleben mit Relief

1949

Öl auf Leinwand. 102 x 82 cm. Gerahmt. Unten links signiert 'H. Purrmann'. - In schöner, farbfrischer Erhaltung. An wenigen Stellen mit winzigen Farbabplatzungen; z.T. im Randbereich mit rahmungsbedingtem oberflächlichen Berieb.

Lenz/Billeter 1949/18 (dort irrtümlich mit den Maßangaben 82 x 79 cm)

Provenienz

Sammlung H.M.; Privatsammlung Schweiz

Die intensive Beschäftigung mit Blumen- und Früchtestillleben während seiner Florentiner Zeit setzte Purrmann auch in Montagnola fort, wohin er 1944 übergesiedelt war. Er blieb, mehrfach unterbrochen von Reisen nach Italien und Griechenland, bis zu seinem Tod 1966 in der Schweiz.

Die Elemente dieses Stilllebens - die auffällige, blau-gelbe Fayencevase mit dem Ährendekor, das steinerne Relieffragment, die gestreifte Tapete und der Spiegel - sind in zahlreichen Stillleben Purrmanns der 1930er bis 1950er Jahre präsent, so etwa dem "Stillleben mit Rosen", 1942 (Lenz/Billeter 1942/19), den "Kamelien in Fayencevase", 1949 (Lenz/Billeter 1949/21) oder dem "Stillleben mit Relief vor Spiegel", 1957 (Lenz/Billeter 1957/38). Jedoch erreicht der Künstler in kaum einem dieser vergleichbaren Stillleben eine so ausgewogene und raffinierte Komposition wie die der vorliegenden Arbeit. Das Arrangement atmet eine ausgesprochene Leichtigkeit und ist doch in sich geschlossen. Die Liniengefüge seiner Hauptbestandteile verweben sich im Bildzentrum zu einer dichten Ornamentik, welche durch die rotblauen Flächen von Tapete und Tischplatte eine großzügige, beruhigende Rahmung erfährt.

Die Spiegelung ist das bestimmende Thema, das für die besondere Belebung dieses Stilllebens sorgt: der ein wenig nach rechts aus der Mittelachse des Bildes verschobene Wandspiegel verdoppelt in seiner Reflexion die blühenden Zweige und bringt ihre komplexen Blattformen vor der ebenfalls gespiegelten schwarzen und gelben Wandfläche in besonderem Maße zur Geltung. Der Spiegel sorgt so für eine lockere, üppige Fülle der eigentlich recht schmalen Zweige. Was hier Pflanze ist und was nur deren Spiegelbild, ist für den Betrachter kaum mehr zu unterscheiden. Eine besondere Leichtigkeit und Akzentuierung erhalten Vase und Relief durch die zweite Spiegelung auf der Tischplatte, wo ihr Widerschein in bläulichen, trapezoiden Formen erscheint.

Eine Wiederholung dieses Bildaufbaus unternahm Purrmann 1954 in der Serie "Anemonenstillleben mit antikem Relief" (Lenz/Billeter 1954/08-1954/12), die jedoch eine konventionellere und dichtere Bildauffassung aufweist.

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