Liebespaar bei der Schokolade

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Liebespaar bei der Schokolade

Porzellan, Emailfarben, Vergoldung. Allseitig angelegte zweifigurige Gruppe an einem gedeckten Tisch. Die Garderobe der Dame äußerst reich ausgestaltet: Über dem seegrünen Kleid mit dem schwarzgrundigen Saum und den goldenen indianischen Blumen ein gelb geblümter Hausmantel mit purpurnem Futter. Der Justaucorps des Herrn mit passenden seegrünen Aufschlägen, darunter eine rote Weste. Ungewöhnlich dicht und hoch bepflanzter Sockel, die Blüten mit seegrünen und beigebraunen Stengeln. Unglasierter Boden ohne Marke. Ein Fuß des Herrn wieder angefügt, ebenso ein kleiner Finger der Dame. Chips am gelben Mantel hinten, ein geringerer am schwarzen Kleidersaum. Weitere minimale Chips an Blättern und Blüten. H 12,5 cm.
Meißen, 1736 - 37, das Modell von Johann Joachim Kaendler, Dezember 1736.

Kaendler's elegant couple enjoying hot chocolate originally belonged to the Hamburg collector and patron Emma Budge (1852 - 1937). Her collection of choice porcelain, paintings and sculptures was known well over the borders of Hamburg. Although Mrs Budge originally planned to donate her collection to the Museum für Kunst und Gewerbe, she later changed her mind and her testament due to fear of reprisal. In 1937, her estate managers felt themselves compelled to sell the collection. The pieces were sold without limit by Graupe in Berlin in the largest dissolution of a collection conducted during the Third Reich.
In autumn 2014, Lempertz were able to reach a just a fair solution together with the consignor and the estate of Emma Budge according to the Washington Principles.

Provenienz

Ehemals Sammlung Emma Budge, verst. Graupe, Berlin, September 1937, Lot 781.
Rheinische Sammlung.
Auch Kaendlers „Liebespaar bei der Schokolade“ gehörte einst der Hamburger Sammlerin und Mäzenin Emma Budge (1852 – 1937).
Im Herbst 2014 konnte das Kunsthaus Lempertz im Auftrag der Einlieferer mit dem Nachlass Emma Budge eine gütliche Einigung im Sinne der Washingtoner Prinzipien erzielen.

Literaturhinweise

Die Modellbeschreibung für die seltene Gruppe lautet in Kaendlers Arbeitsbericht vom Dezember 1736: "Eine Croppe, welche von zweyen Figuren bestehet, aufs Waarenlager verfertiget, wie ein wohl angekleideter junger Mensch auf einem grünen Raßen sitzet und ein mit einer adriene gebutztes frauenzimmer umbarmet, Darneben ist auch ein kleiner Vogelgebauer befindlich, worinnen Vögelein sietzen. Zu solchen Figürgen ist aber annoch gefertiget worden, um selbige zu verändern, ein gedecktes und gebutztes Coffee-Tischlein, zugleich auch Tellern mit frisch Obstwerk, wieauch noch mit einem verzierten Taberett, worauf ein Mops Hündlein lieget, wie auch noch eines anderen Vogelgebauers, darinnen Vögelein befindl." (s. Hg Pietsch, Leipzig 2002, S. 43).
Kaendler hat diesen Typus des auf einem "Rasen" sitzenden Liebespaars in verschiedenen Versionen angelegt. Mehrfach ausgeformt wurde die Version des Liebespaars mit Vogelbauer. Sie befindet sich in einigen Museumssammlungen, u.a. auch in der Porzellansammlung des Zwingers (Pietsch, Meißener Porzellanplastik, München 2006, Nr. 10). Ziffer verweist hier auf die motivische Vorlage im Kupferstich "Le glouton" von Pierre Filloeul nach Jean-Baptiste Pater (Kat. Triumph der blauen Schwerter, Leipzig 2010, Nr. 334).
Das hier vorgestellte Exemplar aus der Sammlung Budge ist das einzig bekannte mit einem komplett gedeckten Tisch und einer erkennbaren Handlungsabfolge: Die Dame hat ihre Schokolade beeendet und bedankt sich für die Einladung. Der Herr greift zu seiner noch gefüllten Tasse als er gerade abgelenkt wird. Alle Details einschließlich der Tischdecke und des Porzellanservices bis zu dem Blick unter den Rock der Dame sind äußerst fein ausgeführt und staffiert. Der dicht berankte Sockel erklärt, dass Kaendler mit dem "Rasen" einen Blütenteppich beschreibt.

Lot 664 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
148.800 €