Maurice de Vlaminck - Nanterre

Maurice de Vlaminck - Nanterre - image-1
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Maurice de Vlaminck

Nanterre
Circa 1917-1919

Öl auf Leinwand 54,2 x 64 cm Gerahmt. Unten rechts schwarz signiert 'Vlaminck'. Rückseitig auf dem Keilrahmen mit einem schwarz bedruckten Etikett der Galerie Simon, Paris, darauf mit roter Schreibmaschinenschrift datiert "1919", nummeriert "6339" sowie bezeichnet "de Vlaminck/ Nanterre". - Einige Frühschwundrisse. Fachmännisch gereinigt.

Entstanden zu, resp. kurz nach Ende des I. Weltkrieges, versetzt uns Maurice de Vlamincks Landschaft bei Nanterre unmittelbar in die Nähe seines Quartiers der Kriegsjahre, den Vorort Bougival im Nordwesten von Paris. Bereits im 19. Jahrhundert ein bevorzugter Wohnort vieler Künstler, hatte es in der Belle Époque nicht zuletzt die Impressionisten um Monet und Renoir in jene Landschaft der Seine-Schleife gezogen. Vlaminck sehnt sich gleichsam nach Kriegsende in noch ursprünglichere Umgebungen: „Im Jahre 1918 beschloss ich, Bougival, wo ich vor dem Kriege gewohnt hatte, zu verlassen. Ich kündigte mein Atelier und zog nach Valmondois, das vierzig Kilometer von Paris entfernt ist, und wo ich den Eindruck hatte, wahrhaft auf dem Lande zu sein, weit weg von der Hauptstadt. Chatou, das ich seit dem Kriege nicht mehr gesehen hatte, wie gealtert fand ich es wieder! Garagen, Tankstellen, Autobusse, hohe Häuser, Siedlungen …“ (Maurice de Vlaminck, Rückblick in letzter Stunde. Menschen und Zeiten, aus dem Französischen von Karl-Georg Hemmerich, St. Gallen 1965, S. 121).
Wenngleich sich der Maler paradoxerweise für die Geschwindigkeit der Motorräder und Automobile der Zeit ausdrücklich begeisterten konnte (vgl. Max Tauch, Galerie der Grossen Maler - Vlaminck, Bergisch-Gladbach 1969, o. S.), vermittelt die kaum belebte Straßenszene dem Betrachter eine Ahnung davon, wie groß die Sehnsucht Vlamincks nach dem Ursprünglichen und Unversehrten einer Landschaft im Umbruch gewesen sein muss - einer Landschaft, in der das Auto bereits Einzug gehalten hat und in der bald die Wege zu Straßen geteert werden würden. Während in der kräftigen, klaren Farbigkeit noch der von van Gogh und Cézanne inspirierte Fauve Vlaminck durchscheint, hat sich der Pinselstrich des Künstlers nun weitgehend beruhigt und verweist in der Komposition auf die atmosphärisch dichten, häufig von gespannter Abwesenheit geprägten Landschaften des Spätwerks.

Zertifikat

Mit einer Bestätigung vom Comité Vlaminck, Paris, vom 23. Oktober 2017; das Werk wird in den in Vorbereitung befindlichen Vlaminck Digital Catalogue Raisonné, gefördert vom Wildenstein Plattner Institute, Paris/New York, unter der Referenznr. 17.10.20 / 20079 aufgenommen.

Provenienz

Galerie Simon, Paris (mit Keilrahmenetikett); Privatsammlung Baden-Württemberg; Privatbesitz Baden-Württemberg

Lot 319 D

Schätzpreis:
50.000 € - 70.000 €

Ergebnis:
53.320 €