Max Slevogt - Herbstliches Stilleben mit Früchten, Weinlaube Neukastel

Max Slevogt - Herbstliches Stilleben mit Früchten, Weinlaube Neukastel - image-1
Max Slevogt - Herbstliches Stilleben mit Früchten, Weinlaube Neukastel - image-1

Max Slevogt

Herbstliches Stilleben mit Früchten, Weinlaube Neukastel
1917

Öl auf Leinwand 75,1 x 78,3 cm Gerahmt. Unten rechts bläulich signiert und datiert 'Slevogt 1917'. - Rückseitig auf dem Keilrahmen oben rechts mit einem fragmentierten Ausstellungsaufkleber, darauf handschriftlich mit Tinte bezeichnet "No. '3404'/'Slevogt'/ ...'im Freien' ". - In sehr schönem originalen Zustand.

Slevogt hatte nach der erfolgten Ägyptenreise 1914, auf der bekanntlich eine Serie von Gemälden entstand, die zum absoluten künstlerischen Höhepunkt seines Werkes zählen, das Pfälzer Landgut "Neukastel" erworben. Es wurde zu seinem neuen Refugium, insbesondere in den Kriegsjahren. Neukastel und die umgebende Landschaft sollten ihn zu neuen bedeutenden Bildern inspirieren. Das vorliegende Gartenstück, ein Stilleben Slevogts mit Früchten und Einmachgläsern in der Weinlaube von Neukastel, ist ein uns auch heute noch sehr frisch anmutendes Beispiel für die Malerei dieser Jahre. Das Motiv erscheint nicht nur herbstlich und stimmungsvoll, sondern geradezu berührend nah. Es überzeugt durch seine künstlerische Lebendigkeit und Qualität. Es ist eines jener "Freilichtstilleben" des Jahres 1917 wie sie Imiela beschrieb, wobei ihm das vorliegende Gemälde offensichtlich nicht bekannt war. Auf weissem von kühlen bläulichen Schatten durchsetzten Tischtuch liegen einzelne rundliche Früchte um einen fast überbordend bestückten Korb, wie frisch gepflückt: die Ernte reifer Birnen und Äpfel, samtiger Pfirsiche und dunkelvioletter Pflaumen. Keine Frucht gleicht dabei der anderen - der Maler scheint in den spätsommerlichen, satten Farben förmlich zu schwelgen. Dem farbintensiven, zugleich höchst nuanciert entwickelten Bildgegenstand - auch den scheinbar so prosaischen Einmachgläsern - sind schimmernde, pastose Glanzlichter aufgesetzt. Der Blick gleitet dann jedoch auch darüber hinaus, von der umrankten Terrasse mit ihrer dunkleren Hecke zur Ferne der umgebenden Landschaft. Die gesamte Komposition des fast quadratischen Bildes ist meisterlich dicht und zugleich sehr ausgewogen.
"Der Garten von Neukastel ist ein in sich abgeschirmter, von Mauern umzogener Bezirk, der Bereich des Nahegelegenen; er steht im Kontrast zu der Weite des umgebenden Landes. Außerhalb der Mauern beginnen nach Süden die Weinberge; die Reihen der Rebstöcke zogen sich ursprünglich vertikal hinab; sie reichen bis zum Rande des Dorfes Leinsweiler. Jenseits der Ortschaft kehren sie auf dem langgezogenen Ausläufer des Pfälzer Waldes wieder, der die Kuppen bedeckt. Hier, unmittelbar jenseits der Mauer, findet Slevogt das Motiv des großen Birnbaumes, und hier entstehen die Bilder der Weinlese. Die Letztgenannten werden für die weitere Landschaftsmalerei Slevogts Anlaß für die wichtigsten und reifsten Werke geben." (Hans-Jürgen Imiela, Max Slevogt, Eine Monographie, Karlsruhe 1968, S. 208).

Werkverzeichnis

Nicht bei Imiela

Zertifikat

Von Bernhard Geil, Slevogthof, bestätigt; wir danken für freundliche Auskunft vom 10. Oktober 2012
Wir danken Sigrun Paas, Mainz, für ihre die Echtheit bestätigende Begutachtung des Originals in Mainz 2013.

Provenienz

Ehemals Privatsammlung Dortmund; seitdem in Familienbesitz

Lot 212 Dα

Schätzpreis:
80.000 € - 100.000 €

Ergebnis:
70.000 €