Auktion 1043, Moderne Kunst 28. November 2014, 28.11.2014, 18:00, Köln Lot 214

Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter)

Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214
Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214
Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214
Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214
Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214
Franz Wilhelm Seiwert, Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter), 1924, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 214

Franz Wilhelm Seiwert

1894 - Köln - 1933

Mann mit Maschinen (Fabrikarbeiter)

1924

Öl, partiell mit Sandbeimischung auf festem Malkarton. 67,7 x 95,5 cm. Gerahmt. Unten rechts in der Darstellung mit Bleistift monogrammiert und datiert 'FWS 24'. Rückseitig oben links mit Bleistift mit Name und Adresse versehen 'F.W. SEIWERT KÖLN/RHEIN EIGELSTEIN 144 III' sowie unten rechts zusätzlich mit Tusche signiert 'FRANZ WILHELM SEIWERT KÖLN'. Zusätzlich in blauer Kreide nummeriert "51". - Farbfrisch erhalten. Die obere linke Ecke mit kurzem Riß in der oberflächlichen Kartonschicht. Im Oberrand links und in den rechten Ecken mit teils klein ausgerissenen Reißnagellöchern.

Bohnen 55

Mit einer Bestätigung von Uli Bohnen, Eschweiler, vom August 2014

Provenienz

Prof. Dr. Josef und Mala Naas, Berlin-Ost; Privatsammlung Berlin

Ausstellungen

Berlin (Ost) 1974 (Staatl. Museen zu Berlin/Nationalgalerie), Realismus und Sachlichkeit, Kat. Nr. 298, S. 220 (betitled "Arbeiter und Fabriken"); Köln 2008 (Museum Ludwig), köln progressiv 1920-33, Kat. Nr. 100, S. 156, mit Farbabb. S. 76

Franz Wilhelm Seiwert zählte mit Heinrich Hoerle, den er Ende des I. Weltkriegs kennengelernt hatte, zu den Gründungsmitgliedern der politisch links orientierten Gruppe "Kölner Progressive".

"[Er] wurde in noch stärkerem Maße als Hoerle vom russischen Suprematismus und vom holländischen 'De Stijl' beeinflußt, er hielt dementsprechend noch nachdrücklicher [...] an der Formensprache des Konstruktivismus als dem einzig legitimen Mittel zum Vortragen politischer Inhalte fest." (Ursula Horn, in: Ausst. Kat. Realismus und Sachlichkeit, Berlin (Ost) 1974, op.cit., S. 47)

Geometrisierende Gegenstandsbeschreibung und die Affinität zu einer haptischen, taktilen Oberflächengestaltung - ähnlich wie sie verschiedene Künstler der russischen Avantgarde verfolgten - prägen auch das angebotene Gemälde "Mann mit Maschinen - Fabrikarbeiter" (s. Vergleichsabbildung). Für Lynette Roth steht es an einem Wendepunkt in Seiwerts Schaffen vom zarten eher lasierenden Farbauftrag zu einer opaken Bildarchitektur, in der "deutlich voneinander abgegrenzte Flächen, mal glatt, mal grobkörnig von der zähen, mit Sand oder Sägemehl vermengten Farbe" realisiert sind. (Lynette Roth, in: Ausst. Kat. köln progressiv 1920-33, op.cit., S. 76)

Die menschliche Figur ist piktogrammartig auf Grundformen wie Kugel und Zylinder reduziert. Die klar umrissenen, plakativen Flächen stehen in einem gewissen Kontrast zu der diffusen und pastosen Oberflächengestaltung. Vier Figuren und angeschnittene Architekturdetails wie Tor, Fenster, Schornstein verorten das Bildthema. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem schwarzen Kreis, dem "Kopf" der größten Figur, in dem sich Kegelformen treffen, die in ihrer speziellen teils luziden Farbigkeit an Scheinwerfer- bzw. Lichtkegel erinnern (s. Vergleichsabbildung). Mit ihrem Ursprung in der "Hand" der großen Figur und dem links gezeigten "Räderwerk" ist eine Kausalkette initiiert: Von Hand und Verstand des Arbeiters wird einerseits die maschinelle Produktion gesteuert, andererseits ist der Szene eine gewisse Sozialkritik nicht abzusprechen, wenn man den Arbeiter als mit seiner Maschine gleichgestellt deutet und der Mensch förmlich zur Maschine wird. "Mann mit Maschinen - Fabrikarbeiter" ist ein außerordentliches, wichtiges Werk und Zeugnis einer Zeitgeschichte zwischen zwei Weltkriegen, einer Zeit politischer Unruhen und gesellschaftlicher Umschichtungen - deren Schwingungen von der deutschen Avantgardekunst ins Bild gesetzt wurde. Das herausragende Gemälde kann als Schlüsselwerk von Franz Josef Seiwert, dem Gründungsmitglied der "Kölner Progressiven" verstanden werden und wird erstmalig angeboten.

Hinsichtlich der formalen geometrisch-konstruktivistischen Umsetzung des systemkritischen Inhalts erscheint es nicht uninteressant, daß sich das Gemälde lange in der Sammlung des in Köln geborenen Mathematikers Josef Naas befunden hat. Er trat 1932 der Kommunistischen Partei bei und wurde 1935 promoviert über "Die Seitenkrümmung. Beitrag zur Theorie der Flächenverbiegung", ab 1946 war er als Direktor der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin tätig.

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