Prachtvoller Walzenkrug

Prachtvoller Walzenkrug

Porzellan, Emailfarben, Vergoldung; getriebener und gravierter Vermeil-Klappdeckel mit aufgelegtem Reliefmedaillon. Zylindrisches Gefäß mit einem für die Montierung konisch eingezogenen Lippenrand. Große vierpassige Goldspitzenkartusche, schwarz konturiert und mit Purpurlüster unterlegt. Seitlich aufsitzende, relativ große sog. Konsolchinesen. Kauffahrteiszene mit Chinesen vor fein gemalter tiefer chinoiser Landschaft. Rechts und links des Henkels große indianische Blütenzweige. Blaumarke Schwerter seitlich auf dem unglasierten, abgedrehten Boden. Silber mit BZ Augsburg, MZ für entweder Paul Solanier (Seling 1669s) oder Johann Philipp I Schuch (Seling 1829). Vergoldung des Lippenrandes durch die Montierung etwas berieben. Porzellan H 13,7, mit Montierung H 16,6 cm.
Meißen, um 1725 - 30, der Dekor in der Art Johann Gregorius Hoeroldt. Die Montierung Augsburg, wohl für den Krug direkt gefertigt.

Von der Bemalung zu urteilen, handelt es sich bei diesem Walzenkrug um ein Objekt, das in der frühen Hoeroldt-Werkstatt erwartungsgemäß reich bemalt wurde. Bei der Montierung denkt man unwillkürlich an die frühen Régencedekore Paul Solaniers, der allerdings 1724 verstarb. Für die Bemalung des Porzellans wäre 1724 aber ein sehr früher terminus ante quem, zumal die Blaumarke in dieser Form eher nach 1725 zu datieren ist. Aber ein fast identisches Meisterzeichen wurde vom Augsburger Goldschmied Schuch verwendet, der seinerseits auch Montierungen für einige Porzellane schuf. Schuch ist bis 1733 nachweisbar - das würde also den hier ausgewiesenen Produktionszeitraum des Porzellans eher treffen.

Provenienz

Ehemals Elfriede Langeloh, Köln
Aus einer alten rheinischen Familiensammlung

Literaturhinweise

Vgl. den Walzenkrug mit dem Musikerporträt und den gleichfalls großfigurigen Konsolchinesen aus dem Städtischen Museum Aschaffenburg (Rückert, München 1966, Nr. 147) bzw. den Walzenkrug mit ähnlicher Chinoiserie und Konsolchinesen aus dem Schlossmuseum Arnstadt (Kat. Exotische Welten, Leipzig 2010, Nr. 76 a).

Lot 615

Schätzpreis:
30.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
106.640 €