Auktion 1051, Moderne Kunst, 29.05.2015, 18:00, Köln Lot 228

Walter Dexel, 1924 V oder Blauer Balken und helles Dreieck

Walter Dexel, 1924 V oder Blauer Balken und helles Dreieck, 1924, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 228

Walter Dexel

München 1890 - 1973 Braunschweig

1924 V oder Blauer Balken und helles Dreieck

1924

Hinterglasbild, mit Silberfolie collagiert. 39,7 x 28,9 cm (Rahmenausschnitt). Gerahmt (schwarz getönte Originalleiste), Gesamtmaß 43,2 x 32,3 x1,7 cm. Unten links weisslich (in die Farbe eingeritzt) signiert 'W DEXEL' . Rückseitig auf dem Schutzkarton zusätzlich schwarz signiert, datiert und beschriftet 'VORSICHT! [unterstrichen]/GLASBILD/ WALTER DEXEL/ 1924 V' sowie mit Bleistift bezeichnet 'blauer Balken/und helles Dreieck' sowie unten links '1924 V'. - Das Original-Holzrähmchen unten rechts innen mit Bleistift vom Künstler zusätzlich signiert und (schwer leserlich) datiert 'W DEXEL 36 [?]'. - Mit kleineren älteren Retuschen.

Wöbkemeier 248

Provenienz

Privatbesitz Henny Schmücking, Braunschweig

Ausstellungen

Braunschweig 1962 (Städtisches Museum), Walter Dexel, Gemälde, Hinterglasbilder, Aquarelle, Collagen, 1912 bis 1932, Kat. Nr. 68; München 1968 (Galerie Klihm), Walter Dexel, Hinterglasbilder und Köpfe, o. Kat. Nr. (Katalogfaltblatt); Braunschweig 1970 (Kunstverein Braunschweig), Walter Dexel. Bilder, Gouachen, Siebdrucke, Kat. Nr. 53; Köln 1986 (Galerie Teufel), Kommission

Literatur

Ruth Wöbkemeier, Das Werk Dexels in seiner Zeit, Diskursprobleme und Bildstrategien der Avantgarde zwischen 1912 und 1930, in: Walter Dexel, Werkverzeichnis, Heidelberg 1995, S. 56

"Wer Dexels Bilder aus den zwanziger Jahren überblickt, rückt sie sofort in den Anziehungsbereich der Achse, die von der holländischen De-Stijl-Gruppe zum Bauhaus führt. Der Versuch, Dexels Standort in diesem Kräftefeld zu bestimmen, schlägt fehl, wenn er sich auf Einflußsuche begibt. Zweifellos stand Dexel, wie andere auch, unter dem Eindruck der mitreißenden Persönlichkeit van Doesburgs, und auch die experimentelle Vielseitigkeit El Lissitzkys und Moholy-Nagys mag ihn angeregt haben. Seine Entwicklung zeigt indes, daß er auf diese Anstöße nicht unvorbereitet reagierte. Er schwenkte nicht auf den Konstruktivismus ein, sondern fand in ihm die Basis, die seinen eigenen Absichten zur Klarheit und Durchsichtigkeit verhalf. Formensprachlich verlangt diese Basis den Rückzug auf ein flächengeometrisches Vokabular und den Verzicht auf eine der stolzen Lizenzen des Staffeleibildes, die handschriftliche Selbstdarstellung; zugleich fordert sie dazu auf, den Kunstbegriff aus der ästhetischen Isolierung zu befreien und die formschöpferische Erfindung auf verschiedene Gebrauchszwecke auszudehnen. Die Beschränkung wird durch neue Expansionsmöglichkeiten wettgemacht." (Werner Hofmann, Der Maler Walter Dexel, Starnberg 1972, Wiederabdruck in: Roth Wöbkemeier (Hg.), Walter Dexel Werkverzeichnis, Heidelberg 1995, S. 101)

Das Hinterglasbild bei Dexel erfüllt als Medium durch seine Glätte und die homogene Fläche eines der beschriebenen konstruktivistischen Prinzipien, indem es die "Handschrift" des Malers weitestgehend eliminiert. Der strengen Zweidimensionalität der Komposition wirken zugleich die Spiegelung und der Tiefenglanz des Bildträgers entgegen, so daß die Gestaltung wie entmaterialisiert erscheint. Der Einsatz von collagierter Silberfolie unterstreicht diesen Glanzeffekt, der neben die Farbe gesetzt ist.

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