Auktion 1051, Moderne Kunst, 29.05.2015, 18:00, Köln Lot 235

Amedeo Modigliani, Odalisque blu (Béatrice Hastings)

Amedeo Modigliani, Odalisque blu (Béatrice Hastings), 1917/ 1918, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 235
Amedeo Modigliani, Odalisque blu (Béatrice Hastings), 1917/ 1918, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 235
Amedeo Modigliani, Odalisque blu (Béatrice Hastings), 1917/ 1918, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 235
Amedeo Modigliani, Odalisque blu (Béatrice Hastings), 1917/ 1918, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 235

Amedeo Modigliani

Livorno 1884 - 1920 Paris

Odalisque blu (Béatrice Hastings)

1917/ 1918

Aquarell auf dünnem, chamoisfarbenem Zeichenpapier. 53,5/53,9 x 41,3 cm. Unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Bleistift signiert 'modigliani'. - Der Bogen leicht uneben geschnitten. - Minimal gebräunt. Am Oberrand mit schmalen Knickspuren. Ältere Randschäden (Einrisse) fachmännisch restauratorisch geschlossen.

Patani (1994) 398 ("Odalisca blu, 1917")

Wir danken Ulf Küster, Fondation Beyeler Basel, für ergänzende Informationen.

Provenienz

Albert Gleizes, Paris; Galerie Dr. Willi Raeber, Basel; Dr. Reinhold Hohl, Basel; Privatsammlung Basel; Galerie Beyeler, Basel (1975, höchstwahrscheinlich dieses Blatt, im Beyeler-Archiv dokumentiert mit dem Titel "Odalisque Bleue (Luna Czechowska)"; Galerie Moos, Genf (dort 1974 erworben); seitdem Privatsammlung Lugano

Ausstellungen

Basel 1960 (Galerie Beyeler - nach den Angaben bei Patani); Lugano 1975 (Museo Villa la Malpensata), Maestri Europei del XX secolo, Dalle collezioni d'arte private ticinesi, Kat. Nr. 107 ("Odalisca 1917"); Verona/ Turin/ Venedig 1984/ 1985 (Galleria dello Scudo/ Palazzo Reale/ Cà Vendrami Calergi), Modigliani, Dipinti e disegni, Incontri italiani 1900-1920, Kat. Nr. 51 mit Abb. ("Odalisca Blu (Béatrice Hastings), 1917", das Motiv auch als Ausstellungsplakat); Verona 1988 (Galleria Civica d'Arte Moderne e Contemporanea, Palazzo A. Forti), Modigliani a Montparnasse, mit Abb. S. 62 ("Odalisque blu (Beatrice Hastings), 1917-1918"); Düsseldorf/ Zürich 1990/ 1991 (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen/ Kunsthaus Zürich), Amedeo Modigliani, Kat. Nr. 139 ("Odaliske in Blau"); Takasaky/ Tokyo/ Kyoto 1994 (Municipal Museum/ Museum Takashimaya/ Takashimaya Gallery of Art), Montmartre et Les Peintres, Kat. Nr. 121 mit Abb. S. 93; Bonn 2009 (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland), Amedeo Modigliani, Ein Mythos der Moderne, Kat. Nr. 93 mit Farbabb. ("Die blaue Odaliske (Beatrice Hastings") - zum Teil rückseitig auf dem alten Rahmungskarton mit den Aufklebern.

Literatur

Oswaldo Patani, Modigliani, Disegni, Mailand 1976, Nr. 59 mit Farbabb. ("Odalisque blu, 1917/1918"); Christian Parisot, Modigliani, Catalogue Raisonné, Dessins, Aquarelles, Bd. I, Livorno 1990, Nr. 45/17 mit Abb. S. 316

"Die kubistischen - oder richtiger: die betont strukturellen - Elemente gingen in Modiglianis Kunst nach 1916 allmählich zurück. Immer weniger kantete er die Gesichter ab, unterwarf er sie linearen oder geometrischen Unterteilungen, verstand er sie primär als formale Gebilde. Der bis dahin ausgeprägte formale Charakter wich größerer Natürlichkeit und Entspanntheit. Die Bildnisse, die nun auch häufiger den Oberkörper und die Arme zeigten, wurden befreit von jenen Formzwängen, in denen sich zuvor gerade formale Freiheit, formales Selbstbewußtsein manifestiert hatte; gerade diese formalen Manipulationen hatten, über die Wiedergabe der Person hinaus, den hohen ästhetischen Reiz der Bildnisse in den Jahren 1915 und 1916 ausgemacht. [...] Im übrigen gilt der beschriebene Stilwandel auch für die Zeichnungen, die die bildnerische Produktion immer begleiten, gleich ob sie sich auf bestimmte Gemälde beziehen oder nicht. Auch in ihnen verlieren sich nach und nach die Formalismen zugunsten eines freien, melodiösen linearen Flusses, der nicht mehr von hart akzentuierenden Eingriffen unterbrochen wird und bis zu großer Eleganz gehen kann." (Werner Schmalenbach, Die Bildnisse, in: Amedeo Modigliani, Ausst. Kat. Düsseldorf, op. cit., S. 38/39).

Diese von Schmalenbach empfundene spezifische Eleganz findet sich zweifellos auch in dem vorliegenden Blatt eines weiblichen Halbaktes, dem durch die Neigung des Kopfes und durch die weibliche Rundung der Figur in Schultern und Armen nicht nur Schönlinigkeit und Schmelz, sondern auch poetische Anmut eigen ist. Motivisch ergeben sich Reminiszenzen an sakrale Ikonographie und klassische weibliche Gestalten der abendländischen Kunstgeschichte (Botticelli, Parmigianino), die Modigliani geläufig waren. Die grossartigen Darstellungen des weiblichen Aktes in seinem Oeuvre spiegeln diese Kenntnisse, sie zeichnen sich aus durch eine Kombination von Natürlichkeit und Formwillen.

Das Gesichtsprofil der blauen "Odaliske" ähnelt der Physiognomie von Béatrice Hastings, die, mit Max Jacob befreundet, sich im Zirkel von Montparnasse bewegte und für wenige Jahre Modiglianis Geliebte war, so dass man glaubte, den Akt dieses Aquarells identifiziert zu haben.

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