Auktion 1051, Moderne Kunst, 29.05.2015, 18:00, Köln Lot 236

Amedeo Modigliani, Portrait de Conrad Moricand

Amedeo Modigliani, Portrait de Conrad Moricand, vor 1917, Auktion 1051 Moderne Kunst, Lot 236

Amedeo Modigliani

Livorno 1884 - 1920 Paris

Portrait de Conrad Moricand

Vermutlich vor 1917

Bleistiftzeichnung auf einfachem dünnen Papier mit seitlicher Perforation links (Blatt eines Skizzenblocks). 35,2 x 25,8/26,1 cm. Unten rechts signiert 'modigliani' sowie links im Motiv mit dem Zusatz 'MORICOND'. - Mit Altersmängeln: das Blatt insgesamt etwas knittrig, leicht ungleichmässig gebräunt und im oberen und linken Rand jeweils mit kleinem Randausriss.

Mit einer Expertise und einem Gutachten von Marc Restellini, Institut Restellini, Paris, vom 11. März 2015 (Nr. 2015/PG/DE/14). Die Arbeit wird in den in Vorbereitung befindlichen Catalogue Raisonné des malerischen und zeichnerischen Werkes von Amedeo Modigliani aufgenommen.

Mit einer Foto-Expertise der Perls Galleries, New York, vom 29. März 1994 (Nr. 13856-P9949)

Provenienz

Perls Galleries, New York; Galerie Maurice Keitelman, Brüssel; Deutscher Privatbesitz (1994 auf der Maastrichter Kunstmesse bei Keitelman erworben)

Die bisher unpublizierte, qualitätvolle Zeichnung stammt aus einem der Skizzenbücher Modiglianis und lässt interessanterweise neben dem Bleistift die Druckspuren einer Anlage des Motivs mit dem Stiel erkennen. Diese Technik unterstreicht nicht nur die authentische Spontaneität und Umittelbarkeit der Porträtstudie, als blickten wir dem Künstler bei seiner Arbeit über die Schulter, sondern gibt die Illusion einer künstlerischen, lebendigen Frische trotz ihres Alters und ihrer Altersspuren.

Modigliani hatte Conrad Moricand (1887 - 1954), einen aus Schweizer Familie stammenden Astrologen und Okkultisten, im Künstler- und Literatenmilieu von Montmartre und Montparnasse kennengelernt und mehrfach porträtiert. Marc Restellini zeigt im Gutachten die motivlichen und stilistischen Vergleichsbeispiele auf. Überliefert ist ein Ölgemälde, das ihn vermutlich darstellt wie auch mindestens acht verschiedene Zeichnungen mit charakteristischen Einzeichnungen und Kommentaren Modiglianis. Diese bezeugen, dass der Künstler selbst offenbar dem Okkulten nicht ganz abgeneigt war und sich für Esoterisches interessierte. Die Datierung auf 1919, wie sie Perls vorschlug, mag nicht ganz zutreffen, da die Bekanntschaft nach Restellini wohl sehr viel früher erfolgte und man davon ausgehen darf, daß es sich um das Bildnis eines noch nicht 30-jährigen jungen Mannes handelt. Allerdings arbeitet Moricand 1919 in Paris als Illustrator für André Salmon, veröffentlicht esoterische Bücher, u.a. "Les Interprètes, essai de classement psychologique d'après les correspondances planétaires" mit einem Vorwort von Max Jacob. Sehr viel später ist es Henry Miller, der Moricand 1936 über Anaïs Nin kennenlernt. Henry Miller verarbeitete die chaotischen Erlebnisse mit diesem schwierig gewordenen Freund in den autobiographischen Erinnerungen "A Devil in Paradise" (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch, New York 1957) und portraitierte hier Conrad Moricand unter dem Pseudonyme "Téricand".

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