Otto Modersohn - Gesche Böschen (Sitzendes Mädchen am Torfstich)

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Otto Modersohn

Gesche Böschen (Sitzendes Mädchen am Torfstich)
1902

Öl auf Malkarton, auf Holz aufgezogen 58,2/58,6 x 41,4/41,8 cm Gerahmt. Unten links schwarz datiert 'VI.02.' und wohl nachträglich signiert 'Otto Modersohn'. Rückseitig mit Bleistift bezeichnet 'Gesche Böschen - Bergedorf b. Worpswede/Otto Modersohn'. - Die Ecken etwas bestossen mit partiellem Farbverlust. Die Kanten rahmungsbedingt geringfügig berieben.

Laut Auskunft von Rainer Noeres entstand im Juni 1902 noch ein zweites Bildnis von Gesche Böschen („Mädchen an einem schiefen Baum lehnend“) sowie, einige Wochen früher, ein Porträt von Jan Böschen („Junge am Birkenstamm“), welcher auch namentlich in einem Tagebucheintrag Modersohns vom 15. Mai 1902 erwähnt wird. Die Böschens waren eine in Worpswede ansässige Bauernfamilie.
Auch wenn die genaue Naturbeobachtung die unverzichtbare Grundlage für sein künstlerisches Schaffen war, ging es Otto Modersohn sehr viel mehr darum, das Wesen des Dargestellten durch seine eigenen Empfindungen zu erfassen. “Das Persönliche ist das wahre Zaubermittel. - Es geht von außen nach innen, und von innen nach außen. Es durchdringt das Ganze. - Es liegt in der Merkwürdigkeit der technischen Behandlung. - Es gilt, dies Persönlichste zum Ausdruck zu bringen.“ (Otto Modersohn, Tagebucheintrag vom 9. Juni 1902, zit. nach: Otto Modersohn. Fischerhude 1908-1943, Ausst. Kat. Otto Moderson Museum, Fischerhude 1993, S. 298).
In das Jahr 1902 datiert eine Reihe von Bildnissen, die Modersohn - häufig Seite an Seite mit seiner Frau Paula Modersohn-Becker - von Bauern, Bäuerinnen und Kindern in Worpswede anfertigte. Das vorliegende Porträt der Gesche Böschen verdeutlicht die Bestrebungen des Malers, sein Sujet mit einem besonderen Einfühlungsvermögen zu erfassen. Einfach gekleidet, bescheiden und in sich gekehrt ist die junge Frau zentral ins Bild gesetzt. Sie sitzt nicht Modell, sondern scheint sich gänzlich unbeobachtet zu fühlen. Ein interessantes Kompositionsmittel ist die horizontale Zweiteilung des Bildes in den dunklen Torfstich unten und den lichten Bereich von Wiese und Himmel in der oberen Hälfte. Während der lange grüne Rock und die Holzpantinen regelrecht mit den Tönen von Gras und Erde verschmelzen, heben sich das Inkarnat, das rotblonde Haar und die rote Bluse klar vor dem hellen Hintergrund ab. Der Blick des Betrachters wird auf diese Weise stets auf das Gesicht der Dargestellten gelenkt.

Zertifikat

Wir danken Rainer Noeres, Fischerhude, für bestätigende und ergänzende Informationen

Provenienz

Kunsthandlung Franz Leuwer, Bremen (mit rückseitigem Etikett); seitdem Familienbesitz Rheinland (seit den 1950er Jahren)

Lot 355 Dα

Schätzpreis:
26.000 € - 28.000 €