Zwei Glacièren für Großfürst Nikolaus

Zwei Glacièren für Großfürst Nikolaus

Porzellan, radierte Vergoldung, Emaildekor. Zylindrische Gefäße auf drei Klauenfüßen mit Ansätzen in Gestalt geflügelter Sphingen. Auf der Wandung sechs Rosetten mit anliegenden Ringen, flacher Deckel mit Zapfenknauf. Auf Gefäßkörper und Deckelrand drei verschiedene Reliefdekorbänder, die auf malachitgrünem Fond liegenden Reliefs goldradiert und ombriert. Die Vergoldung auf Wandung und Deckel dekoriert mit radierten Eierstäben und Akantusblättern. Goldradierte Blattranken auf den matten Rändern und Unterseiten der Gefäße und Einsätze. Das Gefäß mit der Inventarnummer 7606 mit Blaumarke Zepter und Malerzeichen Planetenzeichen Mars, eingeritzer 34 und Inventarnummer N 7606 in Blei. Das Gefäß mit der Inventarnummer 7607 mit Blaumarke Zepter mit Beistrich in orangenem Email und Malerzeichen Planetenzeichen Mars, eingeritzer 34 und Inventarnummer N 7607 in Blei unter einem Fuß. Ein Einsatz mit Randrestaurierung, der andere mit feinem Riss. H 28 cm.
Berlin, KPM, vor 1823.

Insgesamt vier dieser prächtigen Kühlgefäße gehörten zu einem Speiseservice, das König Friedrich Wilhelm III. von Preußen seiner Tochter Charlotte schenkte, als diese 1817 den Großfürsten Nikolaus aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp heiratete. Die Fertigstellung des Services verzögerte sich allerdings bis 1823, weil sämtliche Kräfte der Berliner Manufaktur durch den Auftrag des Feldherrenservices für den Herzog von Wellington gebunden waren.
Im ContoBuch Sr: Mäjestät des Königs sind die Stücke durch einen Eintrag vom 17. April 1823 belegt: "Sr. Kayserlichen Hoheit den Groß Fürsten Nicolaus à Petersburg.....4 Glacieren mit drei Füßen und sehr reicher Vergoldung und Gravirung."

Das Service war als Service à la russe konzipiert, bei dem die Speisen nicht gleichzeitig, sondern in aufeinanderfolgenden Gängen meist auf dem Teller angerichtet serviert wurden. Zwei Tafelaufsätze aus demselben Service wurden in der Lempertz Berlin Auktion 1047 am 2. Mai 2015 als Lot 181 versteigert.

Die hier angebotenen Kühlgefäße gehörten ausweislich der erhaltenen Klebeetiketten bis 1930 zum Bestand des Anitschkow-Palais, das zwischen 1918 und Mitte der 1930er Jahre als Leningrader Stadtmuseum genutzt wurde.
Um dringend benötigte Devisen zu beschaffen, entschloss sich die sowjetische Regierung in den 1920er Jahren dazu, Gemälde und Kunstgewerbe aus staatlichem Besitz im Ausland zu verkaufen. Der wichtigste Partner der Regierung war dabei Rudolf Lepke's Kunst-Auctions-Haus in Berlin. Seit 1923 konnte das Unternehmen direkt in Leningrad Objekte aus den staatlichen Museen für die Auktionen in Berlin auswählen. Die größte dieser Auktionen fand anlässlich des 60. Firmenjubiläums im Jahr 1928 statt. Aber auch in den folgenden Jahren konnte Rudolf Lepke ganze Auktionen mit der russischen Ware veranstalten oder diese zumindest unter das übrige Angebot mischen. So wurden die beiden Glacièren als Lot 483 - 84 im Rahmen der Auktion "Altes Porzellan aus ausländischem Staatsbesitz und Sammlung Dr. Witte-Rostock" am 21. und 22 Oktober 1930 versteigert.

Provenienz

Großfürst Nikolaus von Russland
Auktion Rudolf Lepke "Altes Porzellan aus ausländischem Staatsbesitz" vom 21./22. Oktober 1930 ", Lots 483 und 484
Privatsammlung

Lot 1076 Dα

Schätzpreis:
30.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
37.200 €