Alessandro Varotari, gen. Il Padovanino - Liegende Venus

Alessandro Varotari, gen. Il Padovanino - Liegende Venus - image-1
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Alessandro Varotari, gen. Il Padovanino

Liegende Venus

Öl auf Leinwand (doubliert). 94 x 134,5 cm.

Diese liegende Venus des Padovanino ist eine Hommage an die zwei bedeutendsten Aktdarstellungen des venezianischen Cinquecento: Giorgiones „Schlummernde Venus“ von 1507 (Gemäldegalerie Alter Meister, Dresden) und Tizians „Venus von Urbino“ von 1538 (Galleria degli Uffizi, Florenz). Padovanino appropriiert und fusioniert diese beiden Werke zu einem Bild: Er verlegt die Figur der schlummernden Venus von Giorgione in das Innere eines Palastes, der wiederum eine Reminiszenz an Tizians Werk darstellt. Auf der linken Seite hinterfängt ein roter Vorhang den Oberkörper der Venus, rechts öffnet sich eine weite Landschaft, in der zwei Frauen an einer Truhe zu sehen sind.
Padovaninos Werk ist im Hinblick auf die Rezeptionsgeschichte vor allem der „Schlummernden Venus“ von Giorgione interessant. Das Gemälde befand sich seit dem 16. Jahrhundert in Venedig in der Sammlung des Girolamo Marcello, wo es Marcantonio Michiel 1525 sah und folgendermaßen beschrieb: „…das Bild mit der nackten Venus, die in einer Landschaft schläft, mit Cupido, war von der Hand des Zorzo da Castelfranco, aber die Landschaft und der Cupido wurden von Tizian vollendet (…fo de mano de Zorzo da Castelfranco; ma lo paese et Cupidine forono finiti da Titiano).“ Bis in das späte 17. Jahrhundert verblieb das Gemälde in der Casa Marcello, wo es die Kunstschriftsteller Carlo Ridolfi (1648) und Marco Boschini (1660) sahen – und wo es auch Padovanino im Original bewundern konnte.
Padovanino verzichtet in diesem Gemälde auf den von Tizian gemalten Amor, den Michiel und auch Ridolfi beschreiben, und der im 19. Jahrhundert einem Restaurator zum Opfer fiel – vielleicht, um die Frauenfiguren im Hintergrund platzieren zu können, die andernfalls durch den Amor verdeckt worden wären; vielleicht aber auch, um die sanft fließende Figur der Venus nicht durch eine kindliche Beifigur zu stören. Bereits Paris Bordone im 16. Jahrhundert hatte seine Venusdarstellungen, die von Tizian beeinflusst waren, mal mit, mal ohne Amor gemalt und dadurch eine verspielte und eine „puristische“ Version geschaffen.
Padovanino schuf neben eigenen Werken, mit denen er an die große Venezianische Malerei des Cinquecento anzuknüpfen trachtete, auch Kopien nach Werken Tizians. Das Erbe der klassischen Venezianischen Kunst des 16. Jahrhunderts war zurzeit Padovaninos noch lebendig, die Kunstwerke dieser Epoche in den Kirchen und Palästen Venedigs und der Terraferma noch allgegenwärtig. Padovanino bediente diese große Nachfrage nach der klassischen Venezianischen Kunst mit seinen Neuschöpfungen und Neuinterpretationen wie dieser „Liegenden Venus“.

Provenienz

Vermutlich ehemals Slg. Earl of Arundel, Howard Castle. – Legatt Brohers, London, 1929. – Kunsthandel Paul Rusch, Dresden. – Dort erworben von Hermann Göring, 12.8.1942 (für 18.000 RM). – Central Collecting Point, Münchner Nr. 7120 (6.8.1945). – Übergeben in die Treuhänderschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten in Person des Generaldirektors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München. – Bayerische Staatsgemäldesammlungen München. – Im Auftrag des Bayerischen Freistaates Auktion Weinmüller, München, 2.12.1966, Lot 1381. - Privatsammlung, Oxford. – Deutsche Privatsammlung.

Lot 1443 Dα

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
37.200 €