Peter Paul Rubens, Werkstatt - Madonna mit Kind

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Peter Paul Rubens, Werkstatt

Madonna mit Kind

Öl auf Leinwand. 92 x 72 cm.

Diese Darstellung der Muttergottes mit dem Jesusknaben, lange Zeit in deutschem Adelsbesitz befindlich, stellt eine qualitätsvolle Arbeit der Werkstatt von Peter Paul Rubens dar, bei der eine eigenhändige Beteiligung von Rubens angenommen werden kann und die um 1615 zu datieren ist. Maria sitzt aufrecht auf einer Bank, sie hat ihren Blick gedankenversunken nach unten gerichtet und hält mit beiden Händen ihren Sohn. Das blond gelockte Kind schmiegt sich an seine Mutter, legt seinen linken Arm an ihren Hals und blickt zu ihr auf. Die Figuren sind monumental konzipiert und füllen den gesamten Bildraum. Das leuchtende Weiß, Blau und Rot der Gewänder sowie das helle, mit flüssigen Pinselstrichten gemalte Inkarnat fügen sich zu einer intensiven Farbkomposition. Figurenauffassung und Farbkomposition sind charakteristisch für Rubens´ Schaffen im ersten Jahrzehnt nach seiner Rückkehr aus Italien im Jahr 1608.

Das Muster für die Darstellung der innigen Umarmung zwischen Maria und dem Jesusknaben fand Peter Paul Rubens in der klassischen italienischen Kunst, deren Werke er während seines Italienaufenthaltes studieren konnte. Mit der Madonna Tempi (Abb. 1) schuf Raphael in der Hochrenaissance den Typus der stehenden Madonna, die ihren Sohn mit beiden Händen festhält, während dieser sich an seine Mutter schmiegt. Rubens variiert diesen Typus, indem er die Muttergottes auf eine Bank setzt und das Kind auf ihrem linken Bein kniend und zu ihr aufblickend zeigt. Rubens übersetzt Raphaels Madonna Tempi in eine monumentale barocke Bildsprache, ohne jedoch dabei die Intimität der Darstellung preiszugeben.

Nach Michael Jaffé (Jaffé 1985, op. cit. S. 205) hat Rubens die eigenhändige Fassung dieser Komposition für die Statthalter der südlichen Niederlande, Erzherzog Albrecht und Erzherzogin Isabella, gemalt. Sie ist heute verloren, aber in einem Stich von Jonas Suyderhoef überliefert. Es gibt eine Reihe von Werkstatt-Repliken sowie zahlreiche spätere Kopien, die Prominenz und Bedeutung dieser Komposition belegen. Jaffé listet Repliken in zwei belgischen Privatsammlungen (Slg. Alain Waltregny, Lüttich; Slg. Christiani, Antwerpen) sowie in der Hermitage in St. Petersburg und dem Metropolitan Museum of Art in New York auf. Dieser Version im Metropolitan Museum of Art kommt das vorliegende Gemälde am nächsten (vgl. Abb. 2). Justus Müller-Hofstede (vgl. Gutachten) weist auf Pentimenti in der Figur des Jesusknaben hin und geht von einer eigenhändigen Beteiligung von Rubens bei der Ausführung dieses Gemäldes aus, so wie es bei zahlreichen Aufträgen des vielbeschäftigten Künstlers der Fall war.

Zertifikat

Justus Müller-Hofstede, Bonn, 27.7.2008.

Provenienz

Deutscher Adelsbesitz. – Auktion Dorotheum, Wien, 13.10.2008, Lot 112. – Europäischer Privatbesitz.

Literaturhinweise

John Smith: Catalogue Raisonné of the Works by Rubens. Bd. II, London. 2. Aufl. 1908, S. 137. - Zu den Repliken der Rubens-Werkstatt: Michael Jaffé: Peter Paul Rubens. Mailand 1989, S. 205f.

Lot 1449 Nα

Schätzpreis:
150.000 € - 180.000 €