Carl Spitzweg - Der gähnende Mönch

Carl Spitzweg - Der gähnende Mönch - image-1
Carl Spitzweg - Der gähnende Mönch - image-1

Carl Spitzweg

Der gähnende Mönch

Öl auf Papier, auf Holz aufgezogen. 28 x 17,5 cm.

Carl Spitzweg zeigte bereits früh sein künstlerisches Talent, begann jedoch auf Wunsch seines Vaters eine Ausbildung in der Königlich-Bayerischen-Hofapotheke in München. 1830 nahm Spitzweg das Studium der Pharmazie, Chemie und Botanik an der Universität München auf, welches er mit Auszeichnung absolvierte. 1833 entschloss er sich dann aber doch, seine Tätigkeit als Apotheker zu beenden und sich fortan ausschließlich seiner Leidenschaft, der Malerei, zu widmen. 1835 wurde er Mitglied des Münchner Kunstvereins. Er reiste nach Dalmatien, Venedig, Paris, London, Antwerpen, Frankfurt a. M. und Heidelberg. Ab 1844 zeichnete er für die "Fliegenden Blätter", eine humoristische, illustrierte Wochenschrift.
Neben dem uns vorliegenden Gemälde existiert eine zweite Fassung. Auch diese wird in der Literatur unter dem Titel "Der gähnende Mönch" besprochen. Wichmann äußert die Vermutung, dass das uns vorliegende Gemälde eine von Spitzweg kurz danach erstellte Kopie der im Werkverzeichnis abgebildeten Version darstellt. Eine Vorzeichnung (Bleistift auf Papier, 14 x 18 cm) zu der Komposition befindet sich in Spitzwegs Skizzenbuch von 1862.
"Der gähnende Mönch" reiht sich in seine vortreffliche Analyse der Einsiedleridylle ein, welche Spitzweg in seinem Zyklus von Eremiten, Klausnern, Mönchen und heiligen Männern im Walde malte. Weder Einsamkeit, noch Melancholie sind die zentralen Aspekte dieser Werke, sondern die Besinnung auf kontemplative Freiheit im Sinne eines unabhängigen Lebens. Unterstützt durch Spitzwegs fein nuancierte Darstellung des Lichts, wird der doch recht karge aber helle Ort zu einem Hort der Ruhe, Besinnlichkeit und Zuversicht.
Die groß aufgefasste Sicht im Kleinformat ist ein Ergebnis Spitzwegs aus den 1860er Jahren, welche zudem die nun auch avantgardistischen Techniken zur Anschauung bringt. Das Gemälde ist um 1870 entstanden und lässt sich somit Spitzwegs Spätwerk zuordnen.

Verso Bestätigung und Nachlassstempel von Otto Spitzweg (1843-1921), dem Neffen des Künstlers, aus dem Jahr 1913.

Provenienz

Deutsche Privatsammlung (nach Angaben des Vorbesitzers erworben bei Kunsthandlung Pinkoffs, Berlin). - Belgischer Privatbesitz.

Literaturhinweise

Siegfried Wichmann: Carl Spitzweg - Verzeichnis der Werke, Stuttgart 2002, S. 331, dort erwähnt als zweite Fassung von Nr. 715. - Siegfried Wichmann: Spitzweg - Der eingeschlafene Einsiedler, Reihe für vergleichende und angewandte Kunstgeschichte, Wunsiedel-Holenbrunn 1988, S. 88. - Zur Nachlassbestätigung: Jens Christian Jensen: Carl Spitzweg - Gemälde und Zeichnungen im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt 2002, S. 318-321.

Lot 1649 Dα

Schätzpreis:
28.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
34.720 €