Auktion 1058, Photographie, 27.11.2015, 14:30, Köln Lot 33

Albert Renger-Patzsch, Das Bäumchen

Albert Renger-Patzsch, Das Bäumchen, 1929, Auktion 1058 Photographie, Lot 33
Albert Renger-Patzsch, Das Bäumchen, 1929, Auktion 1058 Photographie, Lot 33
Albert Renger-Patzsch, Das Bäumchen, 1929, Auktion 1058 Photographie, Lot 33
Albert Renger-Patzsch, Das Bäumchen, 1929, Auktion 1058 Photographie, Lot 33

Albert Renger-Patzsch

Würzburg 1897 - 1966 Wamel

Das Bäumchen

1929

Vintage, Gelatinesilberabzug. 37,6 x 27,4 cm (39,5 x 29,8 cm). Auf Karton und unter Original-Passepartout montiert, dort unterhalb des Passepartoutausschnitts rechts mit Bleistift signiert. - Unter Glas gerahmt.

Literatur

Hans Windisch, Knipsen - aber mit Verstand! Ein Wegweiser für Amatöre, die gute Bilder machen wollen ("Neue Reihe", Ullstein-Sonderheft Nr. 9), Berlin 1933, o.S. mit Abb. (hier betitelt: Vorfrühling); Albert Renger-Patzsch, Kleines Landschaftsbuch mit einem Geleitwort von Helene Henze, Münster 1947, S. 15 mit Abb.; Fritz Kempe, Albert Renger-Patzsch. Der Fotograf der Dinge, Ausst.kat. Ruhrland- und Heimatmuseum Essen 1966, Tafel 9 (hier betitelt: Kirschbäumchen); Albert Renger-Patzsch. Bilder aus der Fotografischen Sammlung und dem Girardet-Foto-Archiv der Ruhr-Universität Bochum im Museum Folkwang, Essen, Essen 1997, S. 85 mit Abb.; Albert Renger-Patzsch. Joy before the object, Ausst.kat. J. Paul Getty Museum, Malibu, New York 1993, S. 13 mit Abb. und Abb. auf dem Buchtitel; Ann- und Jürgen Wilde/Thomas Weski (Hg.), Albert Renger-Patzsch. Meisterwerke, München 1997, Abb. 91

„Gefragt, wie ich es anfange, dass meine Aufnahmen meist gelingen, antworte ich: Ich stelle auf das richtige Motiv richtig ein, belichte, entwickle und kopiere richtig, und dann ist eben das Ergebnis gut. Tatsächlich verbürgt die Vermeidung der Fehler den Erfolg im fotografischen Handwerk.“ [Albert Renger-Patzsch, in: Wilhelm Schöppe (Hg.), Meister der Kamera erzählen. Wie sie wurden und wie sie arbeiten. Halle/Saale 1937, S. 44] Renger-Patzschs nüchterne Beschreibung seiner Arbeitsweise scheint in besonderem Maße auf den hier vorliegenden Abzug des „Bäumchens“ zuzutreffen. Der Bildaufbau könnte klarer nicht sein: Die Bildmitte wird von der Vertikalen des Baumstammes akzentuiert, der Horizont trennt in gerader Linie die bewegte Landschaft von der leeren Fläche des wolkenlosen Himmels. Doch ist es vor allem die Abbildung der unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten, die den besonderen Reiz des Bildes ausmacht, d.h. die brillante Wiedergabe der glatt-glänzenden Oberfläche der Rinde des Bäumchens, die das Sonnenlicht reflektiert und im Kontrast zu dem trüben Himmel und den matschig-grauen Schneeresten steht.

Die Aufnahme fällt in Renger-Patzschs schöpferischste und aus photohistorischer Sicht wichtigste Schaffens­phase. Ein Jahr zuvor war sein für die Photographie der Neuen Sachlichkeit wegweisendes Buch „Die Welt ist schön“ erschienen. Kurz danach zog er nach Essen und richtete im Folkwang-Museum sein Atelier ein. Die berühmte Aufnahme des jungen Kirschbaums im hellen Licht des Vorfrühlings, aufgenommen in der Gegend von Meißen in Sachsen, war eines der erklärten Lieblings­motive des Photographen, von dem er sorgfältige Handabzüge auf Kodak-Royal-Papier anfertigte, um sie an gute Freunde und Auftraggeber zu verschenken. Um einen solch seltenen großformatigen Abzug, von Renger-Patzsch selbst unter Originalpassepartout montiert und dort signiert, handelt es sich bei der hier vorliegenden Photographie.

Wir danken Jürgen Wilde, Zülpich, für die freundlichen Hinweise.

Unsere Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. OK