Paul Adolf Seehaus - Schiffe im Hafen

Paul Adolf Seehaus - Schiffe im Hafen - image-1
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Paul Adolf Seehaus

Schiffe im Hafen
1914

Öl auf weiß grundierter Leinwand, ganzflächig auf Hartfaserplatte aufgezogen 55 x 50 cm Gerahmt. Unten rechts in der Darstellung schwarz signiert 'Seehaus 14.'. - In pastoser Partie mit leichtem Craquelé; die Oberfläche stellenweise, etwa in der unteren Bildmitte, mit leichtem Berieb und minimalen Farbverlusten.

In einem dunkel glühenden Farbklang von Blau, bräunlichem Orange und Gelb sowie Rot und Grün - stark mit Grau- und Schwarzwerten durchsetzt -, entwickelt Seehaus eine kubistisch bestimmte, abstrahierte Komposition: "Zu sehen ist der linke Teil eines Hafenbeckens mit ankernden Schiffen, deren Masten hochaufragen. Sie bilden mit ihren Reflexen im Wasser die dominierende vertikale Ausrichtung der Komposition. Links am Ufer befinden sich aus klaren kubischen Formen gebildete Häuser. Der Hintergrund ist gegenständlich nicht deutbar, eine Vielzahl von splittrigen Formen, die nach oben zulaufen, erinnern an Felsformationen, beispielsweise eines Fjordes, die von Rauchwolken unterbrochen werden." (Peter Dering, op.cit., S. 74) Figürlich angedeutete Elemente auf den Quais bzw. Docks fallen so gut wie nicht ins Gewicht, um so mehr die Dominanz der Spiegelungseffekte und der abstrakt-formalen Korrespondenzen von Hinter- und Vordergrund im Bild: Die bläuliche, steil aufragende Gebirgslandschaft findet ihre Entsprechung in den prismatisch gebrochenen Spiegelungen des tief anmutenden Wassers im Hafenbecken. Es ergibt sich ein bemerkenswert phantastischer, entgrenzender, expressiver Sog, dem die vertikalen und horizontalen Elemente im Mittelgrund, stärker gegenstandsbezogen, stabilisierend begegnen. Der Motivausschnitt wie das fast quadratische Format sind konzentriert, wenn auch Dering erwähnt, dass es sich möglicherweise um ein Leinwandfragment handeln könnte (s. S. 74, Anmerkung 427 S. 150). "Schiffe im Hafen", 1914 datiert, setzt sich mit seiner suggestiven, formal-abstrakten wie expressiven Tiefenräumlichkeit deutlich ab von stärker beschreibenden, topographisch bestimmten Arbeiten dieser Zeit. Die Komposition, in ihrem Ausdruck als "nördlich-'keltisch' " interpretiert, knüpft an Schlüsselwerke des Jahres 1913 an. Angelegte Hell-Dunkel-Kontraste in den Farbwerten und den Schattierungen unterstreichen die bildimmanente Struktur und das formale Eigenleben dieses Gemäldes.

Werkliste

Dering G 36 (hier "59 x 52 cm"); wohl Rave I, 23 mit leicht abweichenden Maßangaben ("Schiffe im Hafen. 48 x 52, bez. Seehaus 14")

Provenienz

Aus dem Nachlaß des Künstlers; süddeutscher Privatbesitz

Literaturhinweise

Peter Dering, Paul Adolf Seehaus (1891-1919), Leben und Werk, Bonn 2004, S. 72/73, mit Abb. S. 72

Lot 311 Dα

Schätzpreis:
20.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
57.040 €