Hermann Max Pechstein - Apokalyptische Reiter

Hermann Max Pechstein - Apokalyptische Reiter - image-1
Hermann Max Pechstein - Apokalyptische Reiter - image-1

Hermann Max Pechstein

Apokalyptische Reiter
Um 1919

Bleistift- und Farbkreidezeichnung auf chamoisfarbenem festen Zeichenpapier mit perforiertem Unterrand 47,5 x 35,8 cm Unter Glas gerahmt. Unten rechts monogrammiert 'HMP' (ligiert). - Das untere rechte Reißnagelloch minimal ausgerissen, fachmännisch restauriert.

Im Winter 1918/1919 engagiert sich Max Pechstein auch politisch. Er ist an der Gründung der „Novembergruppe“ beteiligt, er entwirft Plakate für den Werbedienst der Deutschen Sozialistischen Republik, und er arbeitet für die kurzlebige Zeitschrift „An die Laterne“, die sich gegen den marxistischen Spartakusbund positioniert.
In dieser Zeitschrift wird auch die vorliegende Zeichnung veröffentlicht.
Die bizarre Figurengruppe ist in starker Diagonalkomposition gezeigt - das unterstreicht die Vehemenz, mit der sie der brennenden Stadt entgegenstrebt. Pechstein verbindet hier Topoi aus der biblischen mit der antiken Bildmotivik und stellt dem sensenschwingendem skelettierten Tod eine der Furien - mit Vipern im Haar - als personifizierte Rache zur Seite. Als Duo bringen sie wie die apokalyptischen Reiter auf ihren weißen und schwarzen Schindmähren Tod und Verderbnis auf die Erde während sich der Mond vor die Sonne schiebt.
Pechstein verarbeitet in dieser Zeichnung auf metaphorischer Ebene in äußerst expressionistischer Manier seine Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg, den er 1916 als Soldat an der Somme miterlebt, um ein Jahr darauf von der Luftwaffe in Berlin als Bildbeobachter angefordert zu werden.
Die Zeichnung stellt in Pechsteins ohnehin schmalem Oeuvre, das sich kritisch mit den Gräueln des Ersten Weltkriegs beschäftigt, eine Besonderheit dar. Im Gegensatz zu den wenigen deskriptiven Zeichnungen und der Druckgraphik dieser Zeit (s. z.B. die 12 „Lithos 1917/Kriegslithographien", Krüger L 190-202), handelt es sich hier um eine eigenständige, ungemein ausdruckstarke Arbeit mit ebenso aussagekräftiger Provenienz aus dem Besitz der ehemaligen Bauhäuslerin Tony Simon-Wolfskehl.

Zertifikat

Wir danken Alexander Pechstein, Max Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft, für freundliche Hinweise
Für Informationen zu Tony Simon-Wolfskehl danken wir Marianne Kröger, Frankfurt

Provenienz

Ehemals Sammlung Tony Lasnitski (Tony Simon-Wolfskehl), Schülerin am Bauhaus (vom Vorbesitzter bei ihr 1977/1978 erworben); seitdem Privatsammlung Gent

Literaturhinweise

An die Laterne, Berlin 1919, Heft 8, mit ganzseitiger Farbabb.; Marianne Kröger, "Tony Simon-Wolfskehl (1893-1991) - Bauhaus-Erinnerungen im belgischen Exil", in: Inge Hansen-Schaberg/Wolfgang Thöner/Adriane Feustel (Hg.), Entfernt. Frauen des Bauhauses während der NS-Zeit - Verfolgung und Exil, München 2012, S. 275-294

Lot 315 Dα

Schätzpreis:
20.000 € - 25.000 €

Ergebnis:
29.760 €