Hann Trier - Eins/Zwei/Drei/Vier, Blau

Hann Trier - Eins/Zwei/Drei/Vier, Blau - image-1
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Hann Trier

Eins/Zwei/Drei/Vier, Blau
1983

Eitempera auf Leinwand (4-teilig). Je 116 x 97 cm. Gesamtmaß 232 x 194 cm. Jeweils signiert und datiert 'HTrier 83' (3 Teile). Jeweils rückseitig auf der Leinwand signiert, datiert 'HTrier 1983' (4 Teile) und betitelt 'einszweidreivier' (2 Teile) sowie mit Hängeanweisung und jeweiliger Werknummer.

Seit Mitte der 1960er Jahre beschäftigte sich Hann Trier mit der Gestaltung von mehreren großen Deckengemälden - u.a. dem Deckenbild im Weißen Saal des Charlottenburger Schlosses in Berlin, 1972, 3 Deckenbildern im Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg, 1979, und einem Baldachin in der zentralen Halle des Kölner Rathaus-Neubaus, 1980. Sie werden in ihrer außergewöhnlichen konzeptionellen Gestaltung zur Inspiration für weitere großformatige und sequenzielle Werke. Durch die langjährige Beschäftigung mit der Deckenmalerei der Barock- und Rokokozeit fließen auch entsprechende stilistische Elemente in die Malerei Triers ein.
„Die axial-chiastisch angelegten Kompositionen haben theoretisch kein Oben und Unten und könnten, den Herstellungsprozess rekonstruierend, abwechselnd unterschiedlich gehängt werden. […] Bis zu einer bestimmten Ausdehnung lässt sich die Leinwand für den beidhändigen gestischen Malakt durch Drehung disponibel machen, doch ist die besondere Symmetriestruktur auch durch die Montage von mehreren, in sich entsprechend gegliederten Bildern erreichbar, wie in „Eins/Zwei/Drei/Vier Blau“ (1983). Das Werk ist auffallend durch das Zusammenspiel von Symmetriemustern auf mehreren Ebenen (in übertragenem Sinne) geprägt. Die konstitutive Kleinstruktur - also jene durch die beidhändige Machart bedingte serielle Reihung - ist in so unterschiedlichen Varianten zugegen wie in den markanten Gelbrippen der unteren Eckformen und den federartigen Höhungen der Farbkeile oben; die den Bildplan bestimmende Großform ist letztlich nur von der Kleinstruktur aus verständlich, ob als deren Summe oder als Reaktion. Man könnte von einer Tautologie des Symmetrischen reden, zumal die Farbe am Spiel der Wiederholungen und Erwiderungen wesentlich Anteil hat. […] Das Symmetrieprinzip wird in Triers Händen zu einem Instrument, das die Überlegenheit der Phantasie über die geometrische Ordnung, der pulsenden Aktivität über die zügelnde Systematik bekräftigen hilft. Doch zugleich bewahrt es die Funktion eines geistigen Bandes, das die Fülle der Erscheinungen zusammenhält.“ (Peter Anselm Riedl, „Cieli aperti“ und „Cieli riportati“, Zur künstlerischen Entwicklung Hann Triers seit den mittleren sechziger Jahren, in: Sabine Fehlemann (Hg.), Hann Trier, Monographie und Werkverzeichnis, Köln 1990, S.47f.)

Werkverzeichnis

Oeuvrekatalog Nr. 705-708
Gerlach-Laxner 719 (Tafel 63 mit Farbabb.)

Literaturhinweise

Birgit Gatermann, Kunstführer Frankfurt, Region Rhein-Main, München 1991, S.122 mit Farbabb.
Peter Anselm Riedl, Himmels-Inhalte, Kunsthistorische Betrachtungen zu den Heidelberger Malereien von Hann Trier, in: Heidelberger Jahrbücher, Bd.25, Heidelberg 1978, S.35

Ausstellung

Stuttgart 1985 (Staatsgalerie), Vom Klang der Bilder, Die Musik in der Kunst des 20. Jahrhunderts, Ausst.Kat.Nr.29, auf dem Ausstellungsplakat mit Farbabb.
Saarbrücken 1985 (Moderne Galerie des Saarland-Museums), Hann Trier, Tatort Malerei, Ausst.Kat., S.116/117 mit Farbabb.
Wuppertal 1990 (Von-der-Heydt-Museum), Hann Trier, Retrospektive, Bilder 1949-1989, Ausst.Kat.Nr.61, Tafel 63.

Lot 607 R

Schätzpreis:
30.000 €