Französischer Meister der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts - Die Schmiede des Vulkan

Französischer Meister der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts

Die Schmiede des Vulkan

Öl auf Holz. 60,5 x 85,5 cm.
Oben Mitte datiert: 1574.

Um einen Amboss stehen Männer, die mit großen ausladenden Bewegungen zu Schlägen mit ihren Hämmern ausholen. Sie befinden sich in der Schmiede des Vulkan, der mit seinen Gehilfen die Pfeile Amors schmiedet. Die Pfeile werden von kleinen Putten aufgesammelt, die zwischen den Männern auf dem Boden umherkrabbeln. Der kleine Liebesgott, rechts zu sehen, schenkt der Herstellung seiner Waffe keine allzu große Aufmerksamkeit, stattdessen blickt er zu Venus, in deren Begleitung er der Schmiede einen Besuch abstattet. Das Thema der Schmiede des Vulkan bot Künstlern seit jeher die Möglichkeit, eine Vielzahl männlicher Akte in unterschiedlichen dynamischen Posen darzustellen und dabei die Virilität dieser Akte mit der anmutigen Schönheit der Venus zu kontrastieren.
Das Gemälde, in der Bildmitte 1574 datiert, ist traditionell einem französischen Künstler des Manierismus zugeschrieben worden. Tatsächlich lässt es sich mit einer Radierung gleichen Themas von Léon Davent nach einer Bilderfindung Luca Pennis in Verbindung bringen, die Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden ist (vgl. Abb. 1). Der Künstler folgt in der Gesamtkomposition und der Gestaltung der zentralen Bildelemente der Radierung Pennis, so etwa in Bezug auf die Gruppe der schmiedenden Männer oder der Bildarchitektur. Die Haltungen der einzelnen Figuren sind jedoch ganz die Erfindung des Künstlers, ebenso die Landschaft im Hintergrund und das Motiv der Putten, die die Pfeile vom Boden aufheben und einen komischen Kontrast zu den kräftigen, hart arbeitenden Männern bilden.
Mit Luca Pennis Komposition befindet man sich tatsächlich im Zentrum des französischen Manierismus, der Schule von Fontainebleau: Luca Penni, der sich trotz seiner Florentiner Herkunft il Romano nannte, gehörte zu den Künstlern um Rosso Fiorentino und Primaticcio, die im Auftrag König Franz I. von Frankreich das Schloss in Fontainebleau mit Malereien ausstatten. Nach dem Tod Franz I. im Jahr 1547 zog Penni nach Paris, wo er zahlreiche Zeichnungen als Stichvorlagen anfertigte, so auch für den erwähnten Léon Davent. Henri Zerner hat auf die Bedeutung hingewiesen, die das Medium der Graphik für die Verbreitung des manieristischen Stils in Frankreich hatte, wofür dieses Gemälde ein hervorragendes Beispiel ist (vgl. Henri Zerner: Renaissance Art in France. The Invention of Classicism. Paris 2003, S. 125ff).

Provenienz

Österreichische Privatsammlung.

Lot 1221 Dα

Schätzpreis:
35.000 € - 45.000 €

Ergebnis:
40.920 €